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Schwerin Koalition spannt Schirm zur Rettung der Theater

Von Max-Stefan Koslik | 17.10.2011, 07:09 Uhr

Lichtblick für die in der Dauerkrise befindlichen Theater: Nach langem Ringen einigten sich gestern die Koalitionäre von SPD und CDU auf einen Rettungsschirm für die sechs Bühnen im Land.

Das kurz vor der Insolvenz stehende Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin soll in den nächsten Wochen eine Million Euro Soforthilfe erhalten. Für die ebenfalls bedrohte Vorpommersche Landesbühne in Anklam könnten 500 000 Euro fließen. Das Volkstheater Rostock kann mit Hilfen für seinen Theaterneubau rechnen.

Das Konzept der Kulturkooperationsräume von Bildungsminister Henry Tesch (CDU) ist völlig vom Tisch. Die Formulierung im Koalitionsvertrag soll heißen: "Das Theater- und Orchesterstrukturkonzept wird grundlegend überarbeitet." Weiter wird verankert, dass die bisherigen Zuschüsse des Landes von 35,8 Millionen Euro bis 2020 stabil bleiben, aber eng an die Bereitschaft der Häuser zur Neustrukturierung gebunden werden. Und: Das Land will den Theatern mit Sonderhilfen über Engpässe helfen. Das alles muss allerdings noch fixiert werden.

Bis 2013 soll das neue Theater- und Orchesterkonzept stehen. Das wird einer der ersten Aufträge an den neuen Bildungsminister, den Rostocker SPD-Abgeordneten Mathias Brodkorb, sein. Im Einzelnen sollen die Pläne zur Neustrukturierung eng mit den Intendanten und Geschäftsführern besprochen werden.

Das Staatstheater in Schwerin, mit einer Einspielquote von über 20 Prozent und 190 000 Besuchern eines der effektivsten Häuser, steht als Mehrspartentheater nicht zur Debatte. Diskutiert wird, ob das A-Orchester weiter auf 55 Musiker reduziert wird.

Das Volkstheater Rostock gilt als Sanierungsfall. Die Zuschüsse des Landes könnten an eine Neustrukturierung und wachsende Besucherzahlen gebunden werden. Für die Norddeutsche Philharmonie ist eine Holding mit Schwerin im Gespräch. Auch über das Landestheater in Parchim, das mit Rostock kooperiert, wird mit dem neuen Theaterkonzept, neu debattiert. Wie in Rostock und Schwerin könnten die B-Orchester in Neubrandenburg und Stralsund in zusammengeführt werden.

Allein durch Tarifsteigerungen entstehen bis 2020 den Theatern 16 Millionen Euro Mehrkosten, die nicht aufgefangen werden können. Die Deutsche Orchestervereinigung forderte gestern die zukünftige Regierung auf, den derzeit eingefrorenen Landeszuschuss von 35 Millionen Euro im Jahr zu erhöhen. Sonst drohe den Theatern das Aus.