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Sicherheit Klau sensibler Bankdaten

Von Jörn Bender/dpa | 11.12.2017, 05:00 Uhr

Kriminelle versuchen mit allen Mitteln, an Bankdaten deutscher Kunden zu kommen.

Datendiebe haben an Geldautomaten in Deutschland 2017 wieder deutlich häufiger zugeschlagen als vor Jahresfrist. Die Schadenssumme durch das Ausspähen („Skimming“) von Kartendaten und Geheimnummer (PIN) von Bankkunden ging nach vier Jahren in Folge mit sinkenden Werten erstmals wieder nach oben.

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Der englische Begriff „Skimming“ bedeutet „abschöpfen“ oder „absahnen“. Er steht für eine Methode, bei der illegal Daten von Bankkarten ausgespäht werden. Dazu manipulieren Kriminelle den Schlitz am Geldautomaten - oder sie versuchen, über gefälschte Türöffner an die Daten zu gelangen. Mitunter wird die Eingabe der Geheimnummer (PIN) auch mit Mini-Kameras gefilmt oder über einen gefälschten Tastaturaufsatz gespeichert. Mit den geklauten Daten erstellen die Täter eine Kartendublette und versuchen dann, damit Geld abzuheben oder einzukaufen.

Den Zahlen von Euro Kartensysteme zufolge summierten sich die Bruttoschäden durch den Einsatz von Kartendubletten von Januar bis November auf gut 2,0 Millionen Euro - das sind über 30 Prozent mehr als in den elf Monaten des Vorjahres (rund 1,6 Mio Euro) und liegt bereits über dem Rekordtief des Gesamtjahres 2016 (1,9 Mio Euro). Gute Nachrichten für Mecklenburg-Vorpommern: Nach Angaben von Euro Kartensysteme gab es 2017 wie schon 2016 keinen gemeldeten Fall.

Die Frankfurter Einrichtung, die sich im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert, sieht im Allgemeinen keinen Grund zur Sorge: Denn von dem Bruttoschaden bleiben nur etwa 300 000 Euro (15 Prozent) an den heimischen Banken und Sparkassen hängen. Grund sind internationale Abkommen, wonach für Schäden aus betrügerischen Geschäften mit geklauten Kartendaten die Länder aufkommen müssen, die die niedrigsten Sicherheitsstandards haben.

Deutschland setzt seit Ende 2010 auf moderne EMV-Technik anstelle von Magnetstreifen, die leicht kopierbar sind. Bei EMV sind Bezahlkarten mit einer Art Mini-Computer ausgestattet: Der Datensatz wird verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft - und zwar bei jedem Einsatz sowohl am Geldautomaten als auch an der Ladenkasse.

Doch solange es weltweit noch Sicherheitslücken gibt, versuchen Kriminelle auf allen Wegen an Daten von Bankkunden zu kommen.476 Manipulationen von Geldautomaten bundesweit zählte Euro Kartensysteme von Januar bis einschließlich November 2017. In den ersten elf Monaten des Vorjahres waren es 344, im Gesamtjahr 2016 dann 369. Dabei können einzelne Automaten mehrfach angegriffen worden sein.

Tipps Polizei zum Schutz gegen Skimming

  • Gehen Sie bitte sorgsam mit Ihren Zahlungskarten um und bewahren Sie die PIN stets getrennt von der Karte auf.
  • Haben Sie mehrere Zahlungskarten? Betätigen Sie den Türöffner eines Bankinstitutes nicht mit der gleichen Karte, mit der Sie anschließend Geld abheben möchten.
  • Geben Sie Ihre PIN niemals an einem Türöffner eines Bankinstitutes ein. Kein Geldinstitut verlangt für den Zugang zum Geldautomaten die Eingabe der PIN. Der Kartenleser hat immer nur die Funktion des Türöffners. Verständigen Sie in solchen Fällen die Polizei und das Geldinstitut.
  • Achten Sie darauf, dass die Eingabe Ihrer PIN nicht von anderen beobachtet werden kann. Sorgen Sie für einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum nächsten Kunden.
  • Decken Sie während der PIN-Eingabe das Tastaturfeld mit der anderen Hand oder einem Gegenstand (z. B. Geldbörse, Blatt Papier) als Sichtschutz vollständig ab. Das erschwert das "Ausspähen" per Kamera oder Foto-Handy erheblich.
  • Nutzen Sie keinen Geldausgabeautomaten, an dem Ihnen etwas ungewöhnlich erscheint, z. B. angebrachte Leisten oder Verblendungen, abstehende und lockere Teile, Spuren von Kleber rund um den Kartenschlitz.
  • Bei Verdacht auf Manipulation sollten Sie den Automaten nicht nutzen. Verständigen Sie die Polizei, um mögliche Spuren sichern zu können.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge und wenden Sie sich bei Auffälligkeiten sofort an Ihre Bank.
  • Bei dem Verdacht der Ausspähung Ihrer Kartendaten lassen Sie bitte umgehend die Karte über Ihre Bank bzw. den bundesweiten Sperrnotruf unter 116 116 sperren und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.