Ein Angebot des medienhaus nord

Crivitz: feierlicher Weihe auf dem Marktplatz Kinderwünsche begleiten das Geläut

Von Jürgen Hamann | 19.09.2011, 11:49 Uhr

400 Crivitzer waren auf den Marktplatz gekommen, um am Festgottesdienst zur Glockenweihe teilzunehmen. Die beiden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken können nun ersetzt werden.

Etwa 400 Crivitzer waren gestern Vormittag auf den Marktplatz gekommen, um am Festgottesdienst zur Glockenweihe teilzunehmen. Die beiden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken können nun endlich durch zwei neue ersetzt werden.

Posaunen erklangen, als der geschmückte Lastwagen mit den beiden Glocken, die in Passau gegossen worden waren, auf den Marktplatz fuhr. Pastor Martin Krämer erinnerte daran, dass die Nationalsozialisten vor fast 70 Jahren den Crivitzern ihre Glocken genommen hatten, um die tönenden Boten des Friedens und des Glaubens in todbringende Waffen zu verwandeln. "Die neuen Glocken sind ein Zeichen, dass das Leben stärker ist als der Tod", sagte Krämer.

Andrea Franiel vom Kirchgemeinderat stellte die Glocken wie bei einer Geburtsanzeige vor: Die erste, größere, wiegt 1284 Kilogramm und besitzt einen Durchmesser von 135 Zentimetern. Die Glocke tönt im gestrichenen Es. Die zweite Glocke ist 1200 Kilogramm schwer und hat einen Durchmesser von 124 Zentimetern. Ihr Ton ist ein gestrichenes F.

Auf der großen Glocke steht: "Danket dem Herrn und rufet an seinen Namen; verkündigt sein Tun unter den Völkern (Psalm 105)." Auf der kleineren Glocke ist zu lesen: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt <Seite>(Johannes 11, Vers 13)</Seite>."

Auf dem Marktplatz wurde dann auch die Kollekte für die Glocken gesammelt. "Sie sind zwar schon da, aber noch nicht bezahlt", erklärte der Pastor. Nach den beiden Benefizkonzerten in der Stadtkirche am 18. und 19. Juni, die zusammen knapp 700 Euro einbrachten, ist der Spendentopf mit etwa 46 000 Euro gefüllt. Aber rund 70 000 Euro sind notwendig. "Und es wird noch ein bisschen teurer", so Krämer. "Denn wir haben noch die kleine Glocke, die Kindstaufglocke, die auch wieder schwingen soll."

Am 2. Oktober, zum Erntedankgottesdienst, werden alle Glocken erstmals gemeinsam musizieren. "Das ist etwas ganz Besonderes", meinte der Pastor. Deshalb werde sich an den Gottesdienst auch ein gemeinsames Beisammensein anschließen mit Speis und Trank. Zu dieser Feier lud Krämer alle herzlich ein.

Der Pastor, der auch zu den Bläsern des Posaunenchors gehört, hatte zu Anfang seiner Predigt gewünscht, dass kein Regen die Feier stören sollte. Als seien seine Worte erhört worden, blieb es nicht nur trocken, um 10.21 Uhr zeigten sich an diesem trüben Tag die ersten Sonnenstrahlen in Crivitz. Und bei hellem Licht waren es die Kinder, die ein besonderes Privileg erhielten: Sie durften mit Kreide ihre Wünsche auf die neuen Glocken schreiben. "Gesundheit" und "Friede" war zu lesen und kleine Künstler malten auch Bilder auf die Glocken. Diese Kinderwünsche werden das Geläut in Crivitz in den kommenden Jahren begleiten. Die Glocken werden künftig läuten zu Beginn eines neuen Lebens und am Ende sowie an jedem Sonntag - und an schöne und schmerzvolle Tage erinnern.