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Gesundheit Kinderärzte-Mangel droht

Von Stefanie Witte | 06.03.2018, 20:55 Uhr

Verbandspräsident fordert Ergänzung im Koalitionsvertrag und rät Eltern zu Beschwerde

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert die Bundesregierung auf, stärker gegen den drohenden Mangel an Fachmedizinern vorzugehen. „Wir brauchen ein Drittel mehr Kollegen, allein um den Status Quo zu halten“, sagte BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Zahl der Weiterbildungsabschlüsse in der Kinder- und Jugendmedizin verbleibt jedoch auf einem gleichbleibenden Niveau. Wir haben also unterm Strich weniger Fachärzte.“

Auch Mecklenburg-Vorpommern ist von diesem Problem betroffen. Vor allem in großen Städten wie Rostock müssen Eltern gleich bei mehreren Kinderärzten vorstellig werden, um mit ihrem Kind in die Kartei aufgenommen zu werden.

Der Verband rät Eltern, die keinen Arzt für ihr Kind finden, Druck auf die Politik auszuüben. „Die Eltern sollten an die Öffentlichkeit gehen“, empfahl Fischbach. Zuständig sei auch die Kassenärztliche Vereinigung. Sie müsse eine Lösung anbieten, wenn Kinder- und Jugendärzte keine neuen Patienten mehr aufnehmen könnten. Die Politik müsse jedoch die Rahmenbedingungen schaffen. „ Wir können nur davon profitieren, dass sich Eltern lautstark beschweren und das auch über Medien publik wird“, sagte Fischbach. „Von der Politik erwarten wir, dass sie diese Nöte der jungen Eltern wahrnimmt und für Abhilfe sorgt.“ Neben einer grundsätzlichen Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze um 20 Prozent hält der Verband die stärkere Einbindung von Studenten für wichtig. Fischbach fordert, dass nicht nur die Allgemeinmedizin, sondern auch die Kinder- und Jugendärzte als vertiefender Teil des Medizinstudiums definiert werden.

In diesem Zusammenhang soll der „Masterplan Medizinstudium 2020“ zu einer praxisnäheren Ausbildung führen – insbesondere in Bezug auf die Hausärzte. Dazu sind Vertiefungsabschnitte geplant. „Im jetzigen Koalitionsvertrag steht allerdings nur, dass die Allgemeinmedizin dadurch gefördert werden soll. Es muss aber unbedingt auch die Kinder- und Jugendmedizin genannt werden“, forderte Fischbach. Es sei wichtig, dass die Studenten die ambulante Versorgung in den Praxen kennenlernen. „Da gehen ja die schlimmsten Gerüchte um – von 70-Stunden-Wochen, Stress mit Regressen und geringem Verdienst.“ Dass die Realität eine andere sei, müsse man vor Ort erleben.

Künftig werde der Bedarf an Kinder- und Jugendärzten weiter zunehmen – durch eine steigende Geburtenrate, aber auch weil in den nächsten fünf bis sieben Jahren etwa ein Drittel der Mediziner in den Ruhestand gehen werde. Dazu komme, dass die Lebensarbeitszeit der Ärzte abnehmen werde, weil zunehmend Frauen den Beruf ergreifen, die angestellt und in Teilzeit arbeiten wollten, prognostiziert Fischbach.