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Sternberger Fischer Frischke hat für Weihnachten und Silvester vorgesorgt Karpfenernte vor viel Publikum

Von Rüdiger Rump | 31.10.2011, 05:58 Uhr

Einfach den Stöpsel ziehen und einen Moment warten? So schnell wie das Wasser aus der Badewanne fließt das aus dem Karpfenteich dann doch nicht ab.

Einfach den Stöpsel ziehen und einen Moment warten? So schnell wie das Wasser aus der Badewanne fließt das aus dem Karpfenteich dann doch nicht ab. Das Prinzip ähnele sich jedoch, meint der Sternberger Fischer Andreas Frischke schmunzelnd. Aus dem Mönch, wie der Holzkasten am Ablauf genannt wird, werden die Bretter, die das Wasser angestaut haben, nach und nach herausgezogen. Montag voriger Woche habe er damit begonnen, erzählt der Fischer, so dass der Teich am Sonnabend leer war und die Karpfenernte vonstatten gehen konnte. Und das wie jedes Jahr mit viel Publikum.

Dazu gehörte auch Mathias Manthei mit Sohn Mathis, damit der Sechsjäh rige sich das Spektakel ansehen konnte. Und nicht nur das, die Kinder waren beim Sortieren von massenweise mit aus dem Teich gekommenen Fischnachwuchs - begehrte Satzschleie für die nahe gelegenen Seen, weniger beliebte Minibarsche und anderes Kleingetier - ganz in ihrem Element. "So weit ich zurückdenken kann, gab es Heilig Abend Karpfen, und das habe ich von meinen Eltern übernommen", erzählt Mathias Manthei. Das Schuppentier kaufe er dann direkt vor den Feier tagen. "Damit zu Hause die Badewanne frei bleibt", fügt er lachend hinzu. Stefanie Busse aus Pastin ist mit der kompletten Familie gekommen. "Den Kindern macht das hier viel Spaß, sie sind ganz aus dem Häuschen. Ich esse auch gern Karpfen, und die hier haben herrlich gelbe Bäuche und sehen gesund aus. Mein Mann zieht allerdings Forellen vor, deshalb nehmen wir wohl davon noch welche zum Räuchern mit."

400 Karpfen, jeweils um die zwei Kilogramm schwer, hatte der Fischer in den Teich an der B 104 eingesetzt. Der muss flach sein, "kaum mehr als 1,50 Meter", damit die Sonne das Wasser erwärmt und die Nahrung wie ihre Verwerter gedeihen. "Wenn 399 wieder herauskämen, wäre das super, aber mit zehn Prozent Verlust ist die Welt auch in Ordnung. So wie beim kleinen Teich, den ich vorher leer gemacht habe. Von den 30 eingesetzten Karpfen fehlten dort drei. Mancher hat seine

Reserven im Winter so verbraucht, dass er im Frühjahr nicht in Gang kommt. Das lässt sich kaum vermeiden", meint Frischke, der als "Alleinkämpfer" arbeitet, zum Abfischen jedoch Hilfe aus der Familie, von Freunden und Anglern hat. Alfred Mauck zum Beispiel, Frischkes Schwiegervater aus Kobrow, war Landwirt, kam dort aber auch mit der Fischerei in Berührung, wie er sagt. "Und daher kribbelt es in dieser Zeit wieder in den Fingern."

Andreas Frischke hat den Betrieb von seinem Vater übernommen, der jetzt als Rentner bei Bedarf noch Hand anlegt und vor allem den Fischverkauf erledigt. Zu seinem Reich zählen rund 20 Teiche,

außerdem bewirtschaftet er die Oberen Seen und weitere in Sternbergs Umgebung. Den Fischnachwuchs zieht Frischke selbst auf, auch Hechte für die Seen. Damit lasse sich zwar kein großes Geschäft machen, aber mehrere Kunden fragten immer wieder nach Hecht. Und Angler

kämen selbst aus Berlin und Hamburg, um dem stattlichen Raubfisch nachzustellen.

Die Karpfen seien gut gewachsen, zeigt sich der Fischer zufrieden. Sie bringen jetzt größtenteils zweieinhalb bis drei

Kilogramm auf die Waage. Die Regen wochen im August hätten sich kaum ausgewirkt. Die derzeit milden Temperaturen seien allerdings fürs Abfischen nachteilig. "Die Karpfen sind noch zu vital und haben dadurch mehr Stress", erlärt Frischke. Und nicht alle passieren den Mönch. Um auch die Fische herauszuholen, die sich förmlich im Schlamm vergraben, geht es zum Schluss in Watthose und mit Kescher auf den Grund des Teiches. Dieser bleibt den Winter über trocken, um auszufrieren. Die nächsten Generationen tummeln sich in den Winterteichen, wobei "tummeln" bei Eiseskälte überhaupt nicht zutrifft. Hier müsse absolute Ruhe herrschen; Schlittschuhlaufen zum Beispiel sei völlig tabu, sagt Andreas Frischke. Bei etwa vier Grad Wassertemperatur stehen die Karpfen am Grund, mit nur

einem Herzschlag pro Minute. So sind sie für den Winter gewappnet, damit bis zum Abfischen in einem Jahr wieder eine reiche Ernte heranwächst.