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Wismarer Fahrensmann Gerhard Zamzow Kapitän im unruhigen Ruhestand

Von jzei | 21.10.2011, 11:35 Uhr

Der 73-jährige Kapitän Gerhard Zamzow ist längst im Ruhestand, so etwas wie eine Institution. Denn nach fast genau zehn Jahren Ehrenamt im Hafen kennt er sie fast alle, die großen und kleinen Freizeitschiffe.

Pünktlich zum Festmachen des Großseglers ist Gerhard Zamzow zur Stelle. Natürlich hat er seinen "Enterhaken" dabei. "Da muss ich mich beim Leinenanpicken nicht so bücken", sagt er und lacht verschmitzt. Dann liegt auch schon das dicke Tau über dem Poller, sehr zur Freude der Mannschaft der "Fridtjof Nansen". So kann die Deckscrew den 52 Meter langen Schiffskörper mit eigenen Winden direkt bis an die Pier ziehen. Kurzer Schnack über die Reeling mit dem Skipper und dann wird noch etwas aktuelle Leselektüre über die Bordwand gereicht. Damit weiß die zwölfköpfige Stammbesatzung bei Ankunft gleich, was es Neues gibt. Bei den zahlreichen Anläufen pro Jahr ist die Hansestadt für sie so etwas, wie der zweite Heimathafen.

Indessen ist der 73-jährige Kapitän und eigentlich längst im Ruhestand, so etwas wie eine Institution. Denn nach fast genau zehn Jahren Ehrenamt im Hafen kennt er sie fast alle, die großen und kleinen Freizeitschiffe. Zu denen gehören solch klangvolle Namen wie der einstige Luxussegler "Lili Marleen", die Museumsschiffe "Stettin" und "Cap San Diego" oder gar MS "Europa" und MS "Deutschland". Dabei fehlt ihm selten sein äußeres Markenzeichen, die wettergegerbte und weit gereiste Schippermütze. Von der trennt sich der einstige Fahrensmann nicht mal dann, wenn er um acht Uhr morgens, und das werktags wie an den Wochenenden, die Tür seines kleinen Büros am Wasserwanderrastplatz an der Brunkow -Pier, öffnet.

"Ordnungsamt, Abteilung Hafenamt, Seglerbetreuer", so steht es auf dem Schild neben der Tür. Geöffnet für An- und Abmeldungen und zur Begleichung der Liegeplatzgebühren ist von April bis Oktober täglich von acht bis neun und von 18 bis 19 Uhr. Auch wenn es sich dabei um eine Bringe-Pflicht handelt, kommt der einstige Frachterkapitän nie mit dieser Zeit aus. "Kontrollgänge zu den Liegeplätzen sind unumgänglich", so Zamzow. Davon gibt es immerhin etwa 50, die er in kommunaler Verwaltung betreut. Doch die liegen verstreut zwischen Westhafen, Altem Hafen und der Brunkow-Pier. Folglich ist Mobilität gefordert. Stammgäste reden nur vom gutmütigen Käptn Gerhard, dem guten Geist des Hafens, dessen väterliche Art und Hilfsbereitschaft immer wieder gelobt wird. Nur den Namen, den können sich manche einfach nicht merken. Anders der Skipper eines Seglers, der sich plötzlich vor Schmerzen kaum noch an Deck bewegen konnte. Der wird den Namen Zamzow stets in guter Erinnerung behalten. Denn statt großem Palaver und Bürokratie brachte ihn der gestandene Seefahrer einfach schnell selbst zur Notaufnahme.

"Wenn ich gebraucht werde, bin ich auch da", erklärt der Ehrenamtler kurz und bündig. Als Mitglied des "Club Maritim" und selbst leidenschaftlicher Bastler, organisiert er zudem die jährliche Schiffsmodellbau-Ausstellung im Wassertor. Der Verein sorgt übrigens aufgrund einer Vereinbarung für die Aufrechterhaltung dieser freiwilligen Funktion. Die allerdings erfüllt Käptn Zamzow bisher allein und zwar bereits seit dem 1. Juni 2001. Doch das zehnjährige Jubiläum wurde bisher kaum richtig bemerkt. Andererseits schon, denn am 23. Oktober 2009 empfing er für sein Engagement die Bürgermedaille der Hansestadt.

Wie lange Gerhard Zamzow diesen fast richtigen Job noch erledigen kann, vermag er allerdings nicht zu sagen. Bisher hat er nach Seemannsart so manches Leiden weggesteckt.