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Übersicht Kampf um die Hagenower Jagd

Von Mayk Pohle | 09.10.2008, 04:01 Uhr

Jahrelang herrschte Frieden um die Hagenower Jagd, gab es zwischen Bodeneigentümern und Jagdpächtern meist Einigkeit. Das hat sich seit einem Jahr deutlich geändert. Seitdem der Vorstand nicht entlastet wurde, hängt das Schicksal der Genossenschaft in der Schwebe. Im November soll es auf einer neuen Vollversammlung den entscheidenden Durchbruch geben.

Hagenow - So heftig wie der Kampf, so sind auch die Vorwürfe beider Parteien. Die beiden Seiten sind der Vorstand der Jagdgenossenschaft auf der einen Seite und auf der anderen zumindest einige Pächter. Der Vorstand gehe mit dem Geld der Pächter nicht angemessen um, zahle sich zuviel Sitzungsgeld aus, zudem habe es auch viel zu viele Sitzungen. Das war alles rechtens und notwendig, sagt der Vorstand, weil es rechtliche Auseinandersetzungen gab. Außerdem würden etliche Pächter ein doppeltes Spiel spielen und sich nur in Position bringen wollen. Denn 2010 laufen die bisherigen Pachtverträge aus, werden die Jagdpachten in Hagenow neu vergeben.

Nicht nur für Außenstehende ist die Organisation der Jagd auf den Flächen innerhalb des Stadtgebietes eine komplizierte Angelegenheit. Auf der einen Seite gibt es die Eigentümer der bejagbaren Flächen. Und das sind im Hagenower Fall gut 1000 Menschen. Ein Grund für diese Spezialität: Viele Kleinstflächen werden von Erbengemeinschaften gehalten, deren Mitglieder zum Teil europaweit verstreut leben. Größter Eigentümer ist jedoch die Stadt Hagenow mit einigen Hundert Hektar, insgesamt geht es um mehr als 2000 Hektar. Auf der anderen Seite gibt es die Jagdpächter, die die Jagd praktisch ausüben und dabei u. a. auch für die Wildschäden auf ihren Flächen aufkommen müssen. Zur Zeit sind es 18 Jäger, die in und um Hagenow auf die Pirsch gehen.

Die Führung der Genossenschaft hat schon per Gesetz die Stadt Hagenow inne, und ihr kommt in dem seit Monaten verbissen ausgetragenen Streit auch nun eine entscheidende Rolle zu.
Bürgermeisterin Gisela Schwarz ist der bisher hinter den Kulissen ausgetragene Streit dann auch eher unangenehm. Und doch legt sie Wert darauf, die Sache schnell und einvernehmlich zu klären, wie sie in dieser Woche im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung bekräftigte. Das soll nach Auskunft von Christians Jessel, zweiter Mann im Jagdvorstand, auf einer neuen Vollversammlung im November passieren. Einen genauen Termin gibt es derzeit noch nicht.

Im Vorfeld, so Jessel, wird sich der Vorstand in einem erklärenden Brief an die Grundeigentümer wenden und sie auch darauf hinweisen, dass mit den Stimmrechten vorsichtig umgegangen werden muss. Mit eben diesen Stimmrechten von Eigentümern im Rücken hatten die Jagdpächter im März eine Entlastung des Vorstandes verhindert. Knackpunkt war und ist die Aufwandsentschädigung für den Vorstand. „Es geht nicht darum, dass keine Aufwandsentschädigung gezahlt werden soll. Für gewisse Aufwendungen wie Veröffentlichung der Einladungen, Saalmiete, Porto, Fahrtkosten und ähnliches muss es Ersatz geben. Aber mehr als die Hälfte der Einnahmen als Verwaltungsausgaben, das ist in keiner Weise angemessen“, so einer der Jagdpächter.

Christian Jessel vom Vorstand weist diese massive Kritik als völlig überzogen und vorgeschoben zurück. Es habe gute Gründe gegeben, warum der Vorstand immer wieder zusammen kommen musste. Und der Vorwurf, der ehrenamtlich arbeitende Vorstand wolle sich an Sitzungsgeldern bereichern, sei einfach nur lächerlich. Jessel weiter: „Wir wollen wieder zu der bisher üblichen unkomplizierten Zusammenarbeit zurückkehren und den Streit nicht noch schüren. Doch dafür müssen alle bei den Fakten bleiben und einer Lösung interessiert sein.“

Der Streit in der Genossenschaft verwundert um so mehr, als es von 1992 bis 2007 offenbar keine Probleme gab. Zu diesen Zeiten kam der Vorstand auch nur sehr selten zusammen, die Zusammenarbeit mit den Pächtern verlief problemlos, Schwierigkeiten wurden schnell und direkt geklärt.
Das änderte sich erst, als Josef Bohnewinkel, ein Unternehmer, eine Eigenjagd haben wollte. Die bekommt man, wenn man mindestens 75 Hektar Jagdfläche zusammenhängend sein Eigentum nennt und diese Flächen nicht anders verpachtet sind. Genau darum ging es bei dem Streit zwischen Bohnewinkel und dem Vorstand der Genossenschaft, der nur etwas mehr als 60 Hektar als erwiesen sah.

Der Fall landete unter etwas dubiosen Umständen vor Gericht, die Genossenschaft verlor, auch weil sich einige Pächter überraschend auf die Seite Bohnewinkels schlugen. Die Kosten der Auseinandersetzung, etwas mehr als 3000 Euro, mussten sie am Ende dann auch tragen. Seitdem herrscht mehr oder weniger offen Streit, werden Allianzen geschmiedet, Verbündete gesucht, gibt es Hintergrundgespräche. Nicht wenige vermuten, dass hinter dem Ganzen ein Gerangel um künftige Jagdrechte steckt. 2010 werden die Flächen nämlich neu vergeben und einige befürchten, zu kurz zu kommen.

Um jedoch im Novemer einen Beschluss fassen zu können, müssen beide Mehrheiten her, die der Bodeneigentümer und die der Pächter. Nicht umsonst ist ein Wettlauf um die Gunst der vielen Bodeneigentümer entbrannt. In der Auseinandersetzung geht es längst um juristische Spitzfindigkeiten, so zweifeln z. B. einige Jagdpächter den vor Jahren gefassten Beschluss des Vorstandes über die Sitzungsgelder als nicht rechtmäßig gefasst an.

Für die Stadt und Genossenschaft wird in dem Verfahren auch wichtig sein, wieviel die Bodeneigentümer von der Jagdpacht zu sehen bekommen. Sollte es im November zu keiner Einigung kommen, so droht eine Art Zwangsverwaltung durch die Stadt. Die Genossenschaft würde de facto aufhören zu existieren, und die Verwaltung müsste entscheiden, wer ab 2010 in der Stadt die Jagd dann ausüben darf.