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Wirtschaft MV Kammer will bei Mädchen und Frauen Interesse für das Handwerk wecken

Von Joachim Mangler | 10.06.2019, 14:25 Uhr

Frauen haben es geschafft, bei der Berufswahl viele Männerdomänen zu knacken. Im Handwerk bleibt der Erfolg noch aus. Das soll sich ändern.

Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern hat Mädchen und Frauen aufgefordert, sich verstärkt im Handwerksbereich nach einer beruflichen Zukunft umzuschauen. Unter den aktuell 3358 Auszubildenden im Kammerbereich seien nur 652 junge Frauen, sagte Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf der Deutschen Presse-Agentur. Sie arbeiteten vor allem in Berufen wie Friseur oder im Bereich der Nahrungsmittel- und Gesundheitsberufe wie Augenoptiker, Zahntechniker oder Hörakustiker. „Hier gibt es sicher Reserven, vor allem in technischen Berufen, für die wir Mädchen zunehmen begeistern wollen.“

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Anteil der weiblichen Azubis im Handwerk steigt

Ein Blick in die Werkstätten zeige aber, dass zunehmend im Tischler-, Kfz- oder Maler- und Lackiererhandwerk Mädchen den Beruf und damit neueste Techniken erlernen. So waren 2014 im Tischlerhandwerk sechs Prozent der Auszubildenden weiblich, 2017 bereits 10 Prozent. „Im Bootsbauerhandwerk stieg der Anteil der Mädchen in diesem Zeitraum von 5,8 auf 10,9 Prozent“, sagte Hopf. Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass in vermeintlich körperlich schweren Handwerksberufen zunehmend unterstützende Technik eingesetzt wird.

Gleichzeitig zeigten die Ergebnisse der Gesellenprüfungen, dass Mädchen in Berufen wie im Tischlerhandwerk mit den männlichen Berufskollegen mithalten können oder ihnen voraus sind.

Frauen im Chefsessel

Auch mit Blick auf die Unternehmensnachfolge, vor denen in den nächsten fünf Jahren etwa 3000 Handwerksbetriebe stehen, böten sich für Frauen im Handwerk gute Berufs- und Karrierechancen. „Von den rund 12 300 Handwerksbetrieben im Kammerbereich werden rund 20 Prozent von Frauen geführt“, sagte Hopf. Den bisherigen Erfahrungen zufolge starteten Existenzgründerinnen gut vorbereitet in die berufliche Selbstständigkeit und bräuchten weniger Fremdfinanzierung als ihre männlichen Kollegen. „Aber sie sind manchmal weniger risikobereit“, sagte Hopf.