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Forschung in Greifswald Kaltes Plasma gegen Krebs

Von Martina Rathke | 21.03.2018, 05:00 Uhr

Greifswalder forschen an neuen Therapiefeldern bei der Behandlung von Tumoren

Im Kampf gegen Krebs setzt ein Wissenschaftlerteam aus Greifswald auf die Entwicklung neuer Therapiekonzepte mithilfe der Plasmamedizin. Die Forscher des Zentrums für Innovationskompetenz ZIK plasmatis erforschen dabei, wie mit Hilfe von kalten Plasmen Tumore eingedämmt werden können. Ziel sei es, Krebszellen mit einem gut verträglichen Therapieverfahren zu eliminieren und das körpereigene Immunsystem durch kalte Plasmen – ionisierte Gase – zu stimulieren, sagte der Leiter der Forschergruppe „Plasma-Redox-Effekte“, Sander Bekeschus am Dienstag in Greifswald.

Durch eine Stimulierung des körpereigenen Abwehrsystems sei es möglich, Metastasen zurückzudrängen. An diesen Tochtergeschwüren sterben nach Angaben der Forscher 90 Prozent aller Krebspatienten.

Das Forschungsprojekt wird auf einer internationalen Fachtagung „Plasma zur Krebsbehandlung“ vorgestellt, die in Greifswald begonnen hatte. Die Tagung mit rund 120 Wissenschaftlern aus 21 Ländern findet erstmals in Deutschland statt. Am ZIK plasmatis sind das Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) und die Universitätsmedizin Greifswald beteiligt.

Wenn es gelänge, mithilfe von freien Radikalen die Tumorzellen zu schädigen und wieder für die Immunabwehr sichtbar zu machen, könnten plasmabasierte Verfahren die etablierten Therapien ergänzen. „Das wäre für uns ein Durchbruch“, sagte der Immunologe Bekeschus. Forschungsergebnisse sollen 2020 vorliegen.

Am Greifswalder INP mit rund 200 Wissenschaftlern wird seit langem am Einsatz von kalten Plasmen in der Medizin geforscht. Unter anderem wurde ein Plasma-Stift entwickelt, der zur Behandlung von Wundinfektionen und Hauterkrankungen eingesetzt wird.