Ein Angebot des medienhaus nord

Jugendkonferenz im Fridericianum brachte spannende Ergebnisse Junge Schweriner bewegen ihre Stadt

Von Maren Ramünke-Hoefer | 13.10.2011, 10:47 Uhr

Sie wollen aus leer stehenden Gebäuden in der Innenstadt Jugend-Treffs machen. Sie wollen mit Graffiti Hausfassaden verschönern, sie möchten in multikulturellen Projekten mehr über andere Länder und ihre Nachbarn in Schwerin erfahren.

Sie wollen aus leer stehenden Gebäuden in der Innenstadt Jugend-Treffs machen. Sie wollen mit Graffiti Hausfassaden verschönern, sie möchten in multikulturellen Projekten mehr über andere Länder und ihre Nachbarn in Schwerin erfahren, sie wollen bessere Informationen über Berufe und Ausbildungen vor Ort - und sie wollen endlich wieder auf den Rasenflächen im Schlossgarten sitzen dürfen. Bei der Jugendkonferenz "Move your town - neue Ideen für deine Stadt" gestern in der Aula des Fridericianums durften Schüler ihren Gedanken und Wünschen freien Lauf lassen. Acht Stunden lang arbeiteten sie konzentriert in Workshops zu Themen wie Musik, Umwelt, Bildung, Freizeit und Treffpunkte.

Ihre Ergebnisse stellten sie am Nachmittag einem ausgewählten Expertenkreis aus Politikern, Jugendarbeitern und Spezialisten aus der Verwaltung vor. Die waren stark beeindruckt von der Kraft, die in den jungen Leuten steckt. "Macht weiter, lasst euch nicht zu schnell von euren Ideen abbringen", lautete die Empfehlung von Detlef Borchert vom Jugendamt.

Obwohl es in Schwerin auch traurige Beispiele für Jugendcafés gibt, die mit viel Liebe und Elan gestartet und schließlich an den Finanzen gescheitert sind, steht der Wunsch nach einem zentralen Treffpunkt nur für Schüler ganz oben auf der Liste. Günstige Preise, genügend Platz zum Chillen, kein Bestellzwang, keine nervigen Erwachsenen, gute Musik - so könnte es aussehen. Ein weiterer Vorschlag: Zentrale Veranstaltungstafeln mit aktuellen Partys, Konzerten, Treffs und Aktionen. Als kreative Mitmachangebote wünschen sich die Jugendlichen Projektwerkstätten (z.B. Holzbearbeitung, Nähen, Töpfern) oder ein Experimentiermuseum, in denen sie sich nach der Schule ausprobieren und werkeln können. "Im Külzhaus gibt es schon einige Angebote und Räume", sagt Olaf Hagen von der Evangelischen Jugend Schwerin, die die Konferenz mit dem Trägerverbund 1 für die Kinder- und Jugendarbeit organisiert hat. "Mehrere der Ideen, die wir heute gehört haben, lassen sich meiner Ansicht nach schnell umsetzen." Einen schalldichten Band-Probenraum mit dem nötigen Equipment konnte beispielsweise gleich gestern Rainer Janik im Awo-Treffpunkt "Werderclub" anbieten.

Andere Ideen müssen wohl erst noch Freunde in Politik und Verwaltung finden, wie die "Freigabe" des Schlossgartens oder mehr Obstbäume und Beerensträucher in der Stadt statt Linden, Ahorn und Stiefmütterchen. Beim Altstadtfest oder auch beim Weihnachtsmarkt würden die Jugendlichen gern ein Bühnenprogramm selbst organisieren. Was sie nicht wollen, ist wegziehen aus "ihrer Stadt". "Man fühlt sich in Schwerin nicht verloren" und "kann schnell überall hin", es gibt "viel Natur" und die Stadt ist "überschaubar" stand auf ihrer Positiv-Liste über die Landeshauptstadt. Keine Unis, schlechter Lohn, fehlendes Großstadt-Feeling und keine Karrierechancen fanden sich auf der Contra-Seite.

"Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass es jetzt viele offene Lehrstellen im Land gibt", resümiert Olaf Hagen. Das müssten die Erwachsenen den Jugendlichen besser vermitteln. Und die Älteren dürfen der neuen Generation dafür einfach mal zuhören - und ihr helfen, wo es möglich ist. Die Projektgruppen wollen auf jeden Fall weitermachen, die Experten bleiben ebenfalls am Ball. Am 7. Dezember berichten sie dann von ersten Resultaten - Erfolgen oder Rückschlägen. Und im nächsten Jahr gibt es vielleicht die nächste Jugendkonferenz.