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Übersicht Jedes dritte Kind lebt in "relativer" Armut

Von Max-Stefan Koslik | 22.09.2009, 08:29 Uhr

Schwerin - Jedes dritte Kind in MV lebt in einer armen Familie.

Aus dem am Dienstag vorgelegten Kinderarmutsbericht der Landesregierung geht hervor, dass 224 000 Haushalte und 71 000 Kinder von „relativer Einkommensarmut bedroht “ seien. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Deutschland zur Verfügung hat.

Deutschlandweit verfügten 16 Prozent aller Haushalte über weniger als 754 Euro Haushaltsnettoeinkommen und lebten damit in materieller Armut. Somit sei das Armutsrisiko in MV doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt und deutschlandweit am größten, erklärte Andreas Heimer von der Berliner Prognos AG, die die Studie erstellte und 1600 Familien befragte.

Arbeitslosigkeit und ein für den Lebensunterhalt nicht ausreichendes Erwerbseinkommen sind Hauptgründe für die Situation. Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) sprach sich erneut für einen flächendeckenden Mindestlohn aus. Eltern müssten von ihrer Arbeit ihre Familien ernähren können, sagte sie. Der „Bericht zur Lebenssituation von Haushalten mit Kindern“ sei Grundlage für ein Handlungskonzept, das die Landesregierung bis zum Sommer 2010 mit zahlreichen Erbändern erstellen will.

Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht an dem Kinderbericht der Landesregierung vor allem die guten Seiten: „Wir haben ein dickes Paket an Daten und Fakten zu einem Thema bekommen, das mir besonders am Herzen liegt. Die Befragung belegt, dass Mecklenburg-Vorpommern Eltern und Kindern grundsätzlich eine Menge zu bieten hat.“ Aber natürlich gebe es noch im Angebot für Familien noch Lücken, die jetzt „gezielt“ geschlossen werden müssten.

Die Fakten sind deutlich: Im Jahr 2007 gab es insgesamt 215 000 Kinder unter 18 Jahren, die in 151000 Familien leben. Damit lebt inzwischen nicht mal mehr in jedem fünften Haushalt ein Kind (17,8 Prozent). Das ist weniger als im Bundesdurchschnitt. Hinzu kommt: In der Hälfte der Haushalte mit Kindern lebt nur ein Kind. Resümee der Prognos-Studie: „Die junge Bevölkerung in MV entscheidet sich nicht nur etwas häufiger (als im Bundesdurchschnitt - d. Red.) gegen Kinder, sondern auch deutlich seltener für ein zweites oder drittes Kind.“

Dabei attestierte Prognos MV gute Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf. Die Studie habe zudem offenbart, dass MV über eine gute Ausgangsbasis bei frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten verfüge. Schwesig erneuerte ihre Forderung nach einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn: „Eltern müssen von ihrer Arbeit ihre Familien auch ernähren können“, sagte sie. Das sei in vielen Fällen nicht möglich, weil Niedriglöhne gezahlt würden. Etwas mehr als jede sechste Familie mit Kindern klagt über finanzielle Sorgen.

Zudem wolle Schwesig sich dafür einsetzen, dass bei der anstehenden Neufassung des Kita-Gesetzes die Situation sozial benachteiligter Kinder besonders beachtet wird. Die zusätzlich bereitgestellten 15 Millionen Euro sollen ihrem Willen nach vor allem in Kitas an sozialen Brennpunkten eingesetzt werden. Dort sei auch der Bedarf an Elternberatung am größten. „Das Geld mit der Gießkanne auszugeben, bringt uns nicht weiter“, betonte die Ministerin. Seit 2006 stieg Schwesigs Haushaltsbudget für Familienpolitik, Jugendpflege, Jugendhilfe und Erziehungsförderung Jahr für Jahr bis auf 145 Millionen Euro 2009. Drei Viertel des Betrages entfallen auf die Kitas im Land.

Die Untersuchungen zur gesundheitlichen Situation der Kinder bestätigten bisherige Erkenntnisse. Viele Kinder im Nordosten sind zu dick, bewegen sich zu wenig und greifen häufiger zu Tabak, Alkohol und illegalen Drogen. „Wir müssen noch mehr in die Prävention investieren und das Kinder- und Jugendrecht konsequent durchsetzen“, betonte die Ministerin. Angebote müssten so organisiert werden, „dass alle Kinder Zugang zu gesunder Ernährung, Bildung, Kultur und Sport haben“. Das Institut Prognos hat die 150-seitige und 140000 Euro teure Studie erstellt.