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Nordwestmecklenburg Irritierend: Gelbe Vogelscheuche im Vogelschutzgebiet

Von Birgit Sander | 22.01.2019, 15:31 Uhr

Eine Vogelscheuche am Teichrand im Schilf - wen soll sie verjagen? Naturschützer rätseln, die Behörden sehen keine Gefahr für den Vogelschutz.

Eine Vogelscheuche in einem Vogelschutzgebiet nahe der Ostsee ist in der Gemeinde Blowatz (Nordwestmecklenburg) zu besichtigen. In einem leuchtendgelben Regenschutzanzug steht die massige Gestalt mit weißen Tüten wedelnd im Schilf eines Tümpels am Feldrand bei Damekow.

Die Biologin Erna Schreiber aus einem Nachbarort ist irritiert. „Ich frage mich, wer kämpft da gegen wen?“, sagt sie und vermutet, dass es um die Fische im Teich geht. Vielleicht sollten Fischreiher abgehalten werden. „Aber Vögel gewöhnen sich innerhalb weniger Tage an so eine Vogelscheuche“, meint sie. Und eigentlich brüten dort nur Schwäne.

Keine Vögel in der Nähe

Auch der Natur- und Artenschutzexperte Ulf Bähker vom Naturschutzbund in Schwerin grübelt, wer damit welche Vögel verjagen will. Wenn der Teich ein Angelgewässer sei, könnte sich die Scheuche gegen Kormorane richten. „Aber ob die sich davon beeindrucken lassen?“, zweifelt er. Gesehen habe er dort auch noch keine, er kenne das Gebiet ein wenig. Die Kormorane hätten außerdem die Ostsee vor der Nase, da sei ein Teich doch uninteressant.

Und was sagen die Naturschutzbehörden zu der Vogelscheuche im Natura 20-Gebiet? Der Dezernent im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Schwerin, Bernhard Fiedler, sieht den europäischen Vogelschutz nicht gefährdet. Ein Eingreifen hielte er für nötig, wenn dort mehrere solcher Vogelscheuchen auf den Äckern stünden. Diese seien Nahrungsflächen für rastende Vögel wie Gänse und Schwäne und der Grund, warum das Gebiet unter Schutz gestellt wurde. Fiedler stimmt dem Landkreis als Unterer Naturschutzbehörde zu, der laut „Ostsee-Zeitung“ entschied, nicht einzugreifen. Die Vogelscheuche stehe außerhalb von Acker und Wiese und sei „für die Vögel nicht zu sehen“, zitiert das Blatt die Behörde.

Im Dunkeln täuschend echt

Tatsächlich ist die gelbe Gestalt gar keine Vogel-, sondern eine Anglerscheuche. Wie Tino Schmidt als einer der drei Teichpächter berichtet, soll sie Fremdangler abhalten.

„Das funktioniert!“, sagt er. Vor allem im Dunkeln sehe es aus, als stünde dort schon ein Angler. Dabei sei es nur ein mit Stroh ausgestopfter Regenanzug. Die drei Pächter hätten den Teich von der Agrargenossenschaft übernommen, entrümpelt und Fische eingesetzt. Dass jemand den Anglerschreck hässlich findet, höre er zum ersten Mal, wundert sich Schmidt.