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Steigende Preise, Gesundheit und Arbeitsplatz bereiten Kopfzerbrechen In MV leben große Angsthasen

Von Andrea Barthélémy, dpa | 08.09.2011, 10:32 Uhr

"German Angst", ein Land der Angsthasen - das war einmal? Tatsache ist: Obwohl die Euro-Krise derzeit vielen Deutschen Kopfzerbrechen bereitet, sinkt das allgemeine Angstniveau - und zwar erstmals seit 1994.

"German Angst", ein Land der Angsthasen - das war einmal? Tatsache ist: Obwohl die Euro-Krise derzeit vielen Deutschen Kopfzerbrechen bereitet, sinkt das allgemeine Angstniveau - und zwar erstmals seit 1994, wie die jüngste Umfrage "Die Ängste der Deutschen" zeigt. Das gilt vor allem bei Wirtschaftsthemen. Seit 21 Jahren stellt die R+V-Versicherung jeden Sommer je 2500 Befragten gleiche Fragen. Und das gestern vorgestellte Ergebnis überrascht. "Das ist sensationell, was wir hier beobachten", urteilte Prof. Manfred Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg.

Vor allem die Angst vor Arbeitslosigkeit ist demnach in Deutschland so gering wie nie zuvor. Und auch die Sorge vor einem Wirtschaftsabschwung geht zurück. "Besonders optimistisch blicken die Deutschen in diesem Jahr auf die eigene Wirtschaftslage - ein Thema, das die Bundesbürger sonst mit großer Sorge betrachten", sagt Schmidt. Er führt den Rückgang der Ängste vor allem auf ein erfolgreiches Krisenmanagement 2008/09 und den darauffolgenden Wirtschaftsaufschwung zurück. Die steigenden Lebenshaltungskosten bereiten hingegen vielen Menschen weiterhin Kopfzerbrechen - vor allem im Osten Deutschlands.

Zwei persönliche Ängste machen den Deutschen nach wie vor besonders zu schaffen: die Sorge, im Alter zum Pflegefall zu werden (Platz 3), und die Angst vor schwerer Erkrankung (Platz 6). Auch hier haben die Menschen in Ostdeutschland stärkere Bedenken. "Ansonsten gleichen sich die Ergebnisse von Ost und West aber immer weiter an", berichtet Rita Jakli, Leiterin des R+V-Infocenters.

Die Mecklenburger und Vorpommern haben bundesweit mit die meisten Ängste. Noch mehr Sorgen machen sich nur die Menschen in Sachsen-Anhalt, wie aus der Studie hervorgeht. Nirgendwo in Deutschland sorgen sich die Bürger mehr um ihre Gesundheit (64 Prozent) und ihren Arbeitsplatz (58 Prozent) als in Mecklenburg-Vorpommern. Die mit Abstand größten Befürchtungen gelten aber steigenden Lebenshaltungskosten. Diese sind mit 75 Prozent zwar niedriger als 2010, liegen aber mit großem Abstand vor allen anderen Ängsten. Die Sorgen, im Alter zum Pflegefall zu werden oder schwer zu erkranken, waren vor Jahresfrist noch auf einer mittleren Person. Jetzt sind sie auf Rang zwei zu finden.

Am wenigsten grübeln nach der Studie die Einwohner von Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Bundesweit sind die Deutschen laut Untersuchung so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Rangliste Deutsche Ängste 

1. steigende Lebenshaltungskosten
2. Naturkatastrophen
3. Pflegefall im Alter
4. Überforderung der Politiker
5. Terrorismus
6. schwere Erkrankung
7. schlechtere Wirtschaftslage
8. Spannungen durch Ausländer
9. Krieg mit deutscher Beteiligung
10. sinkender Lebensstandard im Alter
11. Drogensucht der eigenen Kinder
12. höhere Arbeitslosigkeit in Deutschland
13. eigene Arbeitslosigkeit
14. Vereinsamung im Alter
15. Straftaten
16. Zerbrechen der Partnerschaft
(Quelle: R+V-Langzeitstudie)