Ein Angebot des medienhaus nord

Sparzwang In Mecklenburg gehen die Lichter aus

Von MABO | 01.02.2014, 15:00 Uhr

Gemeinden und Städte schalten die Straßenbeleuchtung nachts teilweise oder komplett ab

Es ist 22 Uhr, entspannt geht eine junge Frau die Straße entlang. Plötzlich schaltet sich die Laterne ab und es ist stockfinster. Oder man fährt gerade mit dem Auto auf einer Seitenstraße – auf einmal ist die Fahrbahn nicht mehr gut zu sehen, weil nur jede zweite Straßenlampe leuchtet. Solche und ähnliche Situationen häufen sich in Mecklenburg-Vorpommern.

„Bei den meisten Städten und Gemeinden ist das Sparen Grund für diese Abschaltungen“, erklärt Reiner Kröger vom Städte- und Gemeindetag auf Anfrage unserer Zeitung. Seiner Meinung nach ist es ein schlechtes Zeichen, wenn dieser Weg eingeschlagen wird. Denn die Abschaltung von Straßenlaternen ist mit das einfachste und schnellste Mittel, um die finanzielle Situation einer Verwaltung zu verbessern. „Manche Gemeinden können nur noch so ein Zeichen setzen, wie schlecht es ihnen geht.“ Man sollte sich sogar überlegen, daraus eine Art Kampagne zu machen.

Allerdings macht Kröger deutlich, dass die Teilabschaltung in der Nacht Gefahren mit sich bringt: „Denn besonders an abgelegenen Orten oder Gewerbegebieten könnten sich in der Nacht Einbrüche häufen.“ Eine andere Möglichkeit könnte laut Kröger das Dimmen sein. „Wenn man jede Laterne ein bisschen dimmt, hat das ein höheres Sicherheitsempfinden für die Autofahrer und Fußgänger, als wenn nur jede zweite Straßenlaterne an ist“, so Kröger.

Jedoch nutzen bereits viele Gemeinden Mecklenburgs die Teilabschaltung: In Zarrentin wird seit Anfang des Jahres jede zweite Straßenlaterne teilabgeschaltet. Dort wird in den Bereichen, wo die Straßenbeleuchtung beidseitig vorhanden ist, möglichst eine Straßenseite durchgängig beleuchtet und die andere zwischen 23 Uhr und 5 Uhr abgeschaltet.

Die Gemeinde Weitendorf bei Brüel geht noch drastischer vor – dort wird gegen 22 Uhr jede Laterne abgeschaltet und erst um 5 Uhr morgens wieder eingeschaltet. Und auch im Nordwestkreis geht der Sparzwang um: „Die Gemeinden Dragun, Kneese, Krembz, Roggendorf, Rögnitz und Veelböken führen nach einem Beschluss der Gemeindevertreter eine Nachtabschaltung der Lampen seit mehreren Jahren durch“, sagt Rommy Elßner, Bauamtsleiterin des Amtes Gadebusch. In Mühlen-Eichsen seien nur die Kreuzungsbereiche ausgeleuchtet.

„In Sülten haben wir nun die 20 Straßenlaternen mit Energiesparlampen versehen und müssen abwarten, ob sich diese Umrüstung wirklich rentiert“, sagt Bernd Knoll, Bürgermeister von Weitendorf. In Schwerin, Sternberg und Rostock wurde ebenfalls damit begonnen, die Straßenbeleuchtung schrittweise mit LED-Leuchtmitteln auszurüsten. „Ziel ist es, auf diese Weise durch geringeren Stromverbrauch die Kosten zu senken und gleichzeitig eine CO 2-Minderung zu erreichen“, so Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt. „Gemeinden, die solch eine Umrüstung planen, können aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung eine Förderung bekommen“, erklärt Kröger. Etliche Kommunen und Landkreise nutzten bereits die Zuschüsse aus dem Konjunkturpaket II zur Erneuerung der Straßenbeleuchtung.