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Stress für Eltern Immer mehr Kitas mit Wartelisten

Von klik | 12.06.2017, 05:00 Uhr

MV erhält vom Bund bis 2020 über 21,2 Millionen Euro für neue Betreuungsplätze

Noch ist es gar nicht lange her, dass ostdeutsche Eltern Mütter und Väter in den alten Bundesländern dafür bedauerten, dass diese sich schon vor der Geburt ihres Kindes auf einen Betreuungsplatz anmelden mussten und bei einem Umzug darauf vertröstet wurden, dass vielleicht nach der Einschulung wieder Plätze frei würden. Inzwischen ist das auch in Mecklenburg-Vorpommern Realität.

So weist der Online-Kita-Planer der Landeshauptstadt für Eltern, die ab Juli einen Betreuungsplatz suchen, nur in fünf von 17 Einrichtungen freie Plätze für Kinder unter 3 Jahren auf. Kindergartenkinder können demnach sogar nur noch in vier Einrichtungen aufgenommen werden. Ab September sind es immerhin je sieben Einrichtungen, in denen es derzeit noch nicht mehr Anmeldungen als Plätze gibt.

Ähnlich ist die Situation in Rostock. Das Institut Lernen und Leben (ILL) zum Beispiel betreibt in der Hansestadt 13 Kitas und im Landkreis Rostock noch einmal weitere sieben – „und in fast allen Einrichtungen haben wir Wartelisten“, bestätigt die Sprecherin des Trägers, Henrike Thaut. Es sei gleich ein ganzes Bedingungsgefüge, das dazu geführt habe, meint sie: steigende Geburtenzahlen, Flüchtlingskinder, die ein Recht auf Tagesbetreuung haben, aber auch der verbesserte Betreuungsschlüssel und nicht zuletzt der sich jetzt schon abzeichnende Mangel an qualifizierten Fachkräften – das alles würde dazu führen, dass Kitas an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Grundsätzlich hat die Zahl der Kita-Plätze im Land binnen zehn Jahren deutlich zugenommen, heißt es aus dem Sozialministerium. „2007 hatten wir in MV 86 200 Plätze in Kitas und Tagespflege, zum Stichtag 1. März 2017 waren es über 108 300“, so Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Dennoch gebe es Engpässe – aus den auch vom ILL genannten Gründen. „Mein Eindruck ist aber, dass überall im Land, Kommunen und Träger versuchen, so schnell wie möglich zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen und erhebliche Mittel investieren“, so Drese. Das Land unterstütze dabei durch eine vielfältige Förderung von Investitionsmaßnahmen. „Ganz wichtig ist auch die durch Manuela Schwesig enorm gestiegene Bereitschaft des Bundes, sich grundlegend und dauerhaft an der Kita-Finanzierung zu beteiligen“, so die Sozialministerin. Aus dem gerade beschlossenen Investitionsprogramm Kinderbe-treuungsfinanzierung für die Jahre 2017 bis 2020 erhalte unser Land über 21,2 Millionen Euro vom Bund, die für die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze für Kinder bis zum Schuleintritt.