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Premiere „Der glückliche Prinz“ Im Schloss, da wohnt das Glück?

Von Monika Degner | 12.12.2017, 12:00 Uhr

„Der glückliche Prinz“, ein musikalisches Märchen nach Oscar Wilde, feierte im Konzertfoyer des Staatstheaters Schwerin Premiere

Kinder müssen an das Theater herangeführt werden, sonst entgeht ihnen die Chance, davon entzückt zu sein. Einer Einführung in die Fabel, die Charaktere und die Instrumentierung des „Glücklichen Prinzen“ diente der knapp einstündige, behagliche Workshop mit Theaterpädagogin Tina Koball. Er stach irgendwo zwischen Kindergartenstuhlkreis und Grundschulunterricht ein. Zu Recht, denn der Besuch des kleinen Musiktheaterspiels vom Prinzen, der eine Statue ist, und einer Schwalbe mit schlecht funktionierendem Navi war für Kinder ab vier Jahren empfohlen. Selbstverständlich waren auch die Eltern dabei, spielten kleine Spiele mit. Methode: handlungsorientiert.

Später dann Lachen, Zwischenrufe und höchste Konzentration. Der vergoldete glückliche Prinz hatte die kleinen Könige dieses Spiels mit Musik (Komposition Wolfgang Böhmer) bereits im Konzertfoyer erwartet. Auf Kissen durften sie vor dem Denkmalsockel Platz nehmen, dahinter saßen die erwachsenen Zuschauer geziemlich auf Stühlen.

Die Parabel von Oscar Wilde, die Autor Peter Lund für das musikalische Märchen um einiges, aber nicht im Kern, veränderte, hat genügend Tiefgang, um auch Erwachsene ernsthaft zu beschäftigen: Eine Schwalbe, die bei Lund Krähe heißt, klärt den Prinzen darüber auf, dass es außerhalb des höfischen Lebens arme und überhaupt nicht glückliche Menschen gibt.

Nun schaut der Prinz in die „Nordstadt“, der er bislang den Rücken kehrte, entdeckt das Elend und bittet Krähe, die Edelsteine auf seinem Schwert und in seinen Augen, schließlich auch seinen Goldüberzug an die Armen zu verteilen… Regisseurin Nele Tippelmann hat eine reizende, charmante Inszenierung für Kinder ins Konzertfoyer gestellt. Kein Guckkasten, kein Orchestergraben, statt dessen Nähe zum Spiel und eine klare räumliche Ordnung. Nach vorne begrenzen wenige Kulissen im Kleinformat den Spielbezirk. Sie deuten die reiche Südstadt an. Im Rücken des Prinzen sieht man in einer Projektion den Schattenriss der Schwalbe über die Dächer der Nordstadt ziehen. Zarte theatralische Mittel, dazu passen die begleitenden Stimmen der Harfe, der Klarinette und der Bassklarinette. Die Instrumente führen die Dialoge auf ihre Weise, nie sind Verena Lorenz und Klarinettist Hajo Willimczik dominant wahrnehmbar.

Mächtig allerdings plustert sich Krähe (Matthias Koziorowski) auf. Die Schwalbe hat den Jargon der Nordstadt und den Durchblick. Die Kinder lachen, wenn Krähe die lebensfremden Weisheiten des Prinzen (Cornelius Lewenberg) als „ziemlich bekloppt“ niedermacht.

Das Märchen ist also auch eine Komödie und übrigens zu verstehen, denn meistens wird zur Musik gesprochen. Also nehme man die Kleinen an die Hand Richtung Theater.

Weitere Vorstellungen: 26. und 28. 12. jeweils 11 Uhr sowie 29. und 30. 12. 2017 jeweils um 15 Uhr im Konzertfoyer des Mecklenburgischen Staatstheaters
Kartentelefon: 0385 53 00-123