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Umwelt MV Im Nordosten gibt es die meisten Seeadler - Oft droht Bleivergiftung

Von Christian Moeller, Birgit Sander | 25.12.2019, 19:00 Uhr

Der in den 1970er Jahren in Deutschland fast ausgerottete Seeadler ist heute in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr vom Aussterben bedroht. Doch eine große Gefahr gibt es für die Tiere noch.

Etwa die Hälfte der deutschen Seeadler ist in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause. In dem wasserreichen Bundesland leben derzeit etwa 380 Brutpaare. „Der Seeadler ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht vom Aussterben bedroht“, sagte der Landeskoordinator für den Seeadler, Mario Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Die Bestände des geschützten Vogels seien in den vergangenen Jahren stabil geblieben.

Seeadler gehören mit einer Flügelspannweite von 2,4 Metern zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Bis Anfang der 1970er Jahre waren sie in Deutschland fast ausgerottet. Schutzprogramme sowie das Verbot des Insektizides DDT führten zu einer spürbaren Erholung des Bestandes.

Bleivergiftung häufigste Todesursache

Rund ein Drittel der tot aufgefundenen Vögel in den vergangenen Jahren sei daran verendet, heißt es. „Wenn bei der Jagd auf Wild bleihaltige Munition verwendet wird und die Jäger Reste des erlegten Wildes in der Natur liegen lassen, bedient sich der Seeadler gerne daran“, sagte Müller. „So gelangen Teile der Bleimunition über den Verdauungstrakt in die Blutbahn des Vogels und führen zu einer Bleivergiftung.“ Jens Krüger in Papendorf bei Pasewalk hat viel mit kranken und toten Seeadlern zu tun, die er zur Untersuchung nach Berlin bringt. Der Gemeindearbeiter betreibt neben einem Storchenpflegehof auch eine Pflegestation für verletzte Seeadler oder elternlose Jungadler. Adler mit Bleivergiftungen erkenne man daran, dass sie apathisch irgendwo sitzen, etwa auf einem Baumstumpf, und nicht wegfliegen, sagte er.

Ihre Exkremente seien grün. Solche Tiere packt Krüger ein und fährt sie nach Berlin in die „Adler-Klinik“, die Kleintierklinik der Freien Universität. „Dann zählt jede Stunde.“ In der Klinik würden die Vögel entgiftet. Wenn sie überleben, kämen sie in die Station zurück. In den beiden geräumigen Volieren können sie ihre Flugmuskulatur wieder aufbauen, bis sie zum Auswildern bereit sind.

Die achteckigen Volieren mit einem Durchmesser von jeweils 17 Metern baute der Netzbetreiber 50Hertz als Ausgleichsmaßnahme für die Anbindung von zwei Offshore-Windparks an das Höchstspannungsübertragungsnetz.

Munition verboten

Bleimunition ist in Mecklenburg-Vorpommern seit 2014 in den landeseigenen Forsten und den Nationalparks verboten. In privaten Wäldern dürfen Jäger die Munition weiter verwenden. Müller fordert ein allgemeines Verbot von Bleimunition im Land. „In anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg existiert ein solches Verbot schon.“ Auch Umweltverbände wie der BUND fordern seit Jahren, bleihaltige Munition generell zu verbieten.

Nach Angaben des Agrar- und Umweltministeriums kann ein generelles Verbot bleihaltiger Munition nur durch eine Novellierung des Waffengesetzes erfolgen. „Dafür liegt die Gesetzgebungskompetenz beim Bund“, sagte eine Ministeriumssprecherin in Schwerin. Der Bund habe aber angekündigt, die notwendigen gesetzliche Vorgaben für die Verwendung von bleifreier Büchsenmunition zu novellieren. Danach könne auch das Land die Verwendung bleifreier Munition auf der gesamten Jagdfläche für verbindlich erklären.