Ein Angebot des medienhaus nord

VS-Skandal Im Anlagen-Sumpf

Von Frank Pubantz | 11.03.2009, 08:37 Uhr

Der Anleger-Skandal der Sozial- und Immobilienfonds GmbH der Volkssolidarität in Güstrow zieht weitere Kreise. Für Verträge bestehen widersprüchliche Fristen zum Vertragsende: einmal 2007, einmal 2010. Die Volkssolidarität als Dachverein weist Kritik von sich. Sie erklärt ferner: Anleger, die in Fonds investieren, wüssten um die Risiken. Ist das Geld futsch? Die GmbH spricht von "Krise".

Rund 1000 Anleger haben in den Fonds investiert. Wo ist das Geld? Eine Frage, die sich auch Johanna und Horst Hill aus Rostock stellen. Sie legten vor acht Jahren 5000 D-Mark bei der VS-Fondsgesellschaft an, kündigten vor einem Jahr - und haben bis heute ihr Geld plus lockende fünf Prozent Rendite nicht zurück. Im November 2008 schrieb die Fondsgesellschaft: Der Fall werde bearbeitet. Am 17. Februar teilte der neue Geschäftsführer Ulf Godemann der Familie Hill schriftlich mit, wie es um den Fonds steht - nämlich gar nicht gut. Zitat: "Die allgemeine Immobilienkrise hat auch auf uns - zumindest mittelbare - Auswirkungen." Immobilien müssten neu bewertet werden. Die Gesellschaft sei "zu einer Anpassung unserer Renditeaussagen gezwungen". Auszahlung von Rendite für 2007 und 2008 - erst nach Vorlage der Bilanz (Unterlagen liegen der Redaktion vor).

Hat Godemann gelogen? Vor einer Woche - zwei Wochen nach dem Brief - erklärte er gegenüber unserer Zeitung, er kenne den Inhalt wichtiger Vertragsbestandteile nicht, werde die Fälle prüfen. Gestern war er nicht zu erreichen.

Bis heute ist zu Beschwerden offenbar nichts geschehen. Elise Kapust aus Langhagen wartet immer noch auf ein Zeichen der Fondsgesellschaft. Sie und ihr Mann legten 2001 einen fünfstelligen D-Mark-Betrag an. Für 2007 und 2008 bekamen sie noch keine Rendite. Sie erfuhren: Der Vertrag laufe bis Ende 2010. Dazu ein Verweis auf wichtige Vertragsbestandteile, die die Kapusts nicht kennen (wir berichteten). "Es hat sich niemand gemeldet", sagte Kapust gestern.

Kritik der Anlieger an der Volkssolidarität Mecklenburg Mitte weist Vorstandsmitglied Gerhard Böhlke zurück: Nicht der Verein sei für den Fonds verantwortlich. Die GmbH sei eigenständig, die VS "nur Mieter". Zur Fondsgesellschaft könne er sich nicht äußern, so Böhlke: "Wir sind nicht Gesellschafter." Das stimmt vermutlich auch nicht: Laut Wirtschaftsdatei Creditreform hält der Güstrower Verein Anteile an der Gesellschaft. Der Sitz von Verein und GmbH ist demnach identisch: Güstrow, Neukruger Straße 67 a. Hauptgesellschafter ist der VS-Kreisverband Bad Doberan - Rostock.

Ein Blick ins Detail zeigt ein Netzwerk aus Firmen unter dem Dach der Volkssolidarität. Neben der Fondsgesellschaft sitzen unter der Büro-Adresse am Güstrower Pferdemarkt die VS-Grundstücksentwicklungs GmbH, ein Büro- und Mietshausdienstleister sowie die Prof.-Ihlefeld-Stiftung. Kopf: Lothar Viereck, bis vor einem halben Jahr Geschäftsführer des VS-Verbandes Mecklenburg Mitte, bis Ende Januar auch der Fondsgesellschaft. Er erklärt: "Wir haben Anfang Februar beschlossen, alle Dinge voneinander zu trennen."

Laut Viereck ist das Geld aus dem Fonds an regionalen Standorten angelegt. Beispiele: Seniorenpark Jürgenshagen, VS-Regionalgeschäftsstelle Bützow, Obdachlosenheim in Güstrow und Kita/Jugendheim Dabel. Aber ist das sicher? Keine Auskunft.

VS Güstrow: "Anleger kennen Risiken im Fonds"
VS-Mann Gerhard Böhlke spielt den Ball zurück zu den Anliegern. "Wenn ich Geld in einen Fonds gebe, egal unter welchem Namen, habe ich ein Risiko." Jeder müsse zudem prüfen, was er unterschreibt. Die Anleger wiederum erklären: Sie vertrauten auf den großen Namen VS.

"Eigenartig" findet Böhlke allerdings die Widersprüche im Fondsvertrag: Laut Zeichnungsschein endet der am 31. Dezember 2007. Ulf Godemann, Fondsgesellschaft, teilte jedoch schriftlich mit: "Der Fonds hat laut Prospekt eine Laufzeit bis mindestens 31.12.2010." Dies müssten, so Böhlke schulterzuckend, "Juristen klären".