Ein Angebot des medienhaus nord

Die geplante IHK-Fusion zwischen Schwerin und Rostock sorgt für Zoff IHK-Präsident schießt gegen Geschäftsführer

Von Torsten Roth | 15.10.2011, 10:06 Uhr

Nach einer Krisensitzung des Präsidiums setzt IHK-Präsident Hans Thon Hauptgeschäftsführer Ulrich Unger nach seinen geäußerten Bedenken immer stärker unter Druck.

Offener Schlagabtausch in der Führungsspitze der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin: Nach einer Krisensitzung des Präsidiums setzt Kammer-Präsident Hans Thon IHK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Unger nach seinen geäußerten rechtlichen Bedenken gegen das Ausschreibungsverfahren für einen Beraterauftrag im Zusammenhang mit der geplanten Fusion der beiden IHK in Schwerin und Rostock immer stärker unter Druck.

Unger hatte in einer rechtlichen Beurteilung zahlreiche Mängel im Vergabeverfahren erkannt und an die Vollversammlung unter anderem geschrieben, dass die Vergabe "mit den Grundsätzen einer öffentlichen Ausschreibung nur schwerlich vereinbar" sei. Auch sah er einen "Verstoß gegen die sog. Transparenzregelung", da ein Beratungsunternehmen im Vorfeld der Auftragserteilung bevorteilt worden sei. Unger hatte zudem bemängelt, dass bei der Auftragsvergabe keinerlei Firmen aus dem Kammerbereich, sondern ausschließlich West-Firmen einbezogen worden seien.

Jetzt hat die mit der Vergabe beauftragte Kammer Rostock reagiert und weist alle Vorwürfe zurück. In einem Schreiben an IHK-Präsident Thon bezichtigt die Rostocker Kammerspitze Unger sogar der Lüge. Thon nutzt indes das Schreiben, das er ohne selbst Stellung zu beziehen an die Vollversammlung per E-Mail verschickte, dazu, den Streit mit seinem von ihm eingesetzten Kammerchef zu schüren.

Das Verfahren passt nicht zu den selbst gestellten Ansprüchen: Das Präsidium um Thon war nach dem Sieg der sogenannten Kammer-Reformer bei den letzten IHK-Wahlen angetreten, nach dem rüden Führungsstil von Ex-Kammerchef Klaus-Michael Rothe wieder für ein offeneres Klima und mehr Transparenz in der Kammer.

Der Machtkampf wird immer skurriler: Inzwischen gleichen die als offene und gleichberechtigte Kooperations- und Fusionsgespräche angekündigten Geheimverhandlungen, in denen Rostock versucht, den Ton anzugeben. Jetzt maßt sich sogar schon der Präsident der IHK Rostock, Wolfgang Hering, an, über die Arbeit des Schweriner Hauptgeschäftsführers zu urteilen. In einem offiziellen Schreiben an Schwerins Präsident Thon urteilt er: "Ansonsten muss ich davon ausgehen, dass der Hauptgeschäftsführer Unger mit seinen Aufgaben überfordert ist."

Die rüde Art der Auseinandersetzung könnte sich für Kammer-Präsident Thon rächen: Mit dem vom Präsidium auf die Spitze getriebenen Machtkampf beginnt Thon immer stärker den Rückhalt in der Vollversammlung zu verlieren. Teile des Ehrenamtes üben inzwischen massive Kritik an der Führungsarbeit des Präsidenten und seiner Stellvertreter. Wie es hieß, wollen mehr als ein Dutzend Mitglieder eine außerordentliche Vollversammlung einberufen, um das Präsidium in die Schranken zu weisen und Aufklärung zu verlangen.

Der in Mecklenburg-Vorpommern bisher beispiellose IHK-Streit ruft auch die Kammeraufsicht auf den Plan. Vollversammlungsmitglieder haben einen entsprechenden Antrag gestellt. Das Wirtschaftsministerium habe ein Prüfverfahren im Rahmen der Rechtsaufsicht eingeleitet, teilte Ministeriumssprecher Gerd Lange mit. Auch werde das Vergabeverfahren überprüft.