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Einschulung Hurra, wir kommen in die Schule!

Von fsan | 29.06.2018, 12:00 Uhr

In wenigen Wochen werden die Erstklässler eingeschult. Tipps für Eltern

„Ich freue mich schon so darauf, endlich Lesen und Schreiben zu lernen“, quietscht Isabella vergnügt. Frederik, Anna, und Kris stimmen ihr mit lauten „Ich auch!“–Rufen zu. Gemeinsam besuchen die Sechsjährigen die Vorschule des Pädagogiums in Schwerin. Seit Oktober lernen sie hier jeden Dienstagvormittag gemeinsam mit 40 weiteren Kindern. „Wir wollen ihnen so den Start ins Schulleben erleichtern“, sagt Hortleiterin Constanze Bibow, die auch für die Vorschule verantwortlich ist.

Silben klatschen, Reime sprechen, Linien malen, Dinge zählen – Mit kleinen Übungen sollen auditive und sprachliche Fähigkeiten, die Feinmotorik sowie mathematisches Vermögen entwickelt werden. „Die Kinder kommen aus ganz Schwerin und den umliegenden Dörfern zu uns. Sie sind in ganz unterschiedlichen Kitas“, so Constanze Bibow – und können deshalb auch unterschiedliche Dinge. „Hier können wir sie auf ein gemeinsames Level bringen und schauen, wo sie noch Hilfe brauchen“, streicht die Hortleiterin heraus. Nach den Sommerferien werden die Vorschüler dann gemeinsam am Pädagogium eingeschult. Laut Bibow ein großer Vorteil: „Die Kinder kennen das Gebäude und uns und haben schon Freundschaften geschlossen.“ Angst vor der Schule käme deshalb gar nicht erst nicht auf.

Schulweg üben

Lasst das Elterntaxi stehen

Meinung – fsan
Die Schultasche ist gekauft. Auch die Bücher, Hefte und Materialien sind besorgt. Bevor ein Kind in die Schule kommt, steht noch eine wichtige Aufgabe an: den Schulweg kennenlernen.

Wie lange und wie oft der Schulweg im Vorhinein geübt werden sollte, dafür gibt es laut Andrea Leirich keine pauschale Antwort. „Das kommt ja ganz auf die Länge und Schwere des Weges an. Und darauf, wie gut sich mein Kind schon im Straßenverkehr auskennt“, sagt die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht. Für sie sei der Juni ein guter Zeitpunkt, um mit dem Üben zu beginnen. „Dann ist noch ausreichend Zeit, dass das Kind den Weg kennenlernt.“

Vorher, so Andrea Leirich, sollte man sich genau überlegen, welche Route zur Schule die sicherste sei. „Das ist nicht immer die kürzeste!“ Mittlerweile gäbe es Schulen, die sogenannte Schulwegpläne herausgeben. Darin sind die sichersten Strecken zur Schule sowie besondere Gefahrenquellen vermerkt. „Es lohnt sich auf jeden Fall, in der betreffenden Schule nach einem Schulwegplan zu fragen“, rät Leirich den Eltern.

In MV besteht laut der Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht die Sondersituation, dass aufgrund langer Wege nahezu die Hälfte aller Kinder mit dem Bus in die Schule fahren müssen. Insbesondere auf dem Land kann das für Schüler sehr gefährlich sein. Nämlich dann, wenn die Bushaltestelle nur durch eine Straße außerorts zu erreichen ist – hier fahren die Autos mit sehr viel höheren Geschwindigkeiten als innerorts. Deshalb müssen Kinder besonders für diese Gefahr sensibilisiert werden.

Von Elterntaxis als Alternative hält die Fachfrau in den meisten Fällen nichts. „Das ist die gefährlichste Variante“, sagt sie. Die Mitfahrt im Auto birgt insbesondere für jüngere Kinder das größte Risiko. Das bestätigt auch die Statistik. 2016 sind bei Verkehrsunfällen im Land 103 Sechs- und Siebenjährige verletzt worden – 51 davon als Mitfahrer in einem Auto, 21 während sie zu Fuß unterwegs waren. Leirich warnt: „Eine Sitzerhöhung ohne Rückenlehne bietet Erstklässlern im Auto keinen ausreichenden Schutz!“ Außerdem sollten Eltern auch bei Grundschülern nach dem Anschnallen noch den Gurtlauf überprüfen

Falls es keine Alternative zum Mama-Papa-Taxi gibt oder man morgens einfach mal spät dran ist, schlägt Leirich vor, das Kind etwas entfernt an einer sicheren Stelle aussteigen zu lassen. Morgens ist in der Nähe der Schule meist sehr viel los. Um den Verkehr nicht noch weiter zu verstopfen, sollte man sich auch unbeding an eingerichtete Hol- und Bringzonen halten. „Sonst gefährdet man womöglich auch andere Kinder, die zu Fuß kommen.“

Die Expertin findet vor allem, dass es für Grundschüler in jedem Fall eine sehr positive Erfahrung ist, wenn sie es alleine zur Schule schaffen. „Der Schulweg ist für Kinder ein riesengroßes Erlebnis!“
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Doch was können Eltern tun, wenn ihre Vorschüler wenig Lust auf Schule haben oder sich vielleicht sogar vor der Einschulung fürchten? „Wichtig ist, eine positive Einstellung dazu zu vermitteln“, sagt Martina Lembcke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Grundschulpädagogik der Uni Rostock. Wer selbst keine guten Erfahrungen mit der Schule gemacht hat, sollte diese nicht auf sein Kind übertragen, rät Lembcke, die selbst jahrelang als Grundschullehrerin gearbeitet hat.

„Hurra, ich komme in die Schule – dieses Gefühl sollten Eltern bestärken“, empfiehlt auch Regina Schenkel, ebenfalls vom Rostocker Institut für Grundschulpädagogik. Das kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass sich ein Kind selbst einen Schulranzen aussuchen darf oder man vorab – etwa am Schnuppertag – die Schule besucht. Um die Freude am Unterricht nach Einschulung aufrechtzuerhalten, sollten sich Eltern vor allem in den ersten Monaten ganz viel Zeit für ihr Kind nehmen und auch kleine Erfolge loben.

Um auf den Schulstart vorzubereiten, empfiehlt Martina Lembcke zudem, jetzt den Schlafrhythmus umzustellen. Sprich, das Kind daran gewöhnen, abends rechtzeitig ins Bett zu gehen, damit es am nächsten Morgen pünktlich aufstehen kann. „Ich würde schon jetzt den gesamten Ablauf an den Schulalltag anpassen“, rät die Pädagogin. Dazu gehört auch, am Abend die Sachen für den nächsten Tag vorzubereiten – so wie man auch den Schulranzen packt. „Der Schulstart bringt so viel Neues mit sich, da ist es gut, wenn diese Abläufe schon sitzen und nicht auch noch erst erlernt werden müssen.“

Wichtig sei auch, dass die Kinder sich alleine aus- und anziehen können, so Regina Schenkel, die selbst mal als Sportlehrerin tätig war. „Erstklässler müssen Schleife binden können – oder eben Klettschuhe haben. Als Lehrer kann ich es nicht leisten, vor dem Sportunterricht 26 Paar Schuhe zu binden.“

Ausmalen lassen und ganz viel Memory spielen, rät Hortleiterin Constanze Bibow als gute Vorbereitung für die Schule. Und noch eins: Den Sommer gemeinsam mit dem Kind genießen.