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Prozess gegen Ex-Bundesverkehrsminister „Herr Krause muss viel zahlen“

Von Klaus Peters | 27.03.2018, 19:00 Uhr

Nach seiner Politikkarriere im Zuge der deutschen Einheit macht Günther Krause mit dubiosen Geschäften von sich reden. Vor dem Amtsgericht Potsdam kassiert der 64-Jährige seine zweite Strafe wegen Insolvenzverschleppung und Bankrott.

Im Prozess gegen den früheren Bundesverkehrsminister Günther Krause um Insolvenzverschleppung und vorsätzlichen Bankrott hat das Amtsgericht Potsdam einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro erlassen. Diese setzt sich aus 180 Tagessätzen à 30 Euro zusammen. Die Staatsanwaltschaft hatte den Strafbefehl am Dienstag beantragt, nachdem Krause zu dem Prozess nicht erschienen war. Krauses Anwalt Peter-Michael Diestel erklärte das Fernbleiben des 64-Jährigen mit Krankheit und nahm den Strafbefehl sofort an. Nach Ablauf der Fristen wäre Krause damit verurteilt.

In der Anklage hatte die Staatsanwaltschaft Krause vorgeworfen, nach der Pleite seiner Unternehmensberatung keinen Antrag auf Insolvenz gestellt zu haben, obwohl er spätestens Ende Januar 2015 zahlungsunfähig gewesen sei. Die Firma war dann auf Antrag der Gläubiger im Frühjahr 2016 in die Insolvenz gegangen. Nach Krauses Angaben schuldet er den Gläubigern insgesamt 820 000 Euro. Außerdem soll der 64-Jährige Arbeitnehmerbeiträge zur Krankenversicherung in Höhe von gut 7000 Euro veruntreut haben.

„Herr Krause muss viel zahlen und wird dies auch tun - in der Rangfolge des Insolvenzverfahrens“, sagte Diestel nach dem Prozess. Doch Krause schuldet auch noch der Verkäuferin seines Bauernhauses an der Mecklenburgischen Seenplatte den Kaufpreis in Höhe von 459 000 Euro. Nach einem Vergleich vor dem Landgericht Neubrandenburg muss Krause bis zum heutigen Dienstag zahlen - oder bis zum 10. April aus dem großzügigen Haus mit Schwimmbad und Sauna ausziehen.

Bereits im Jahr 2009 war Krause nach der millionenschweren Pleite seiner Immobilienfirma unter anderem wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Die Bewährungszeit sei aber bereits im Jahr 2011 abgelaufen, erklärte ein Sprecher des Amtsgerichts.

Krause hatte als Verhandlungsführer der DDR nach der Wende den Einheitsvertrag mit ausgehandelt und gemeinsam mit dem damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) unterschrieben. Nach seinem Rücktritt wegen mehrerer Affären als Bundesverkehrsminister der CDU im Jahr 1993 hatte er sich weitgehend aus der Politik zurückgezogen und seine Tätigkeit als Unternehmer aufgenommen.