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Größter Klinik-Verbund Deutschlands entsteht Helios schluckt die Damp-Gruppe

Von dapd/Matthias Hoenig, dpa | 12.10.2011, 07:39 Uhr

Hauptaktionär der in Norddeutschland an 18 Standorten aktiven Damp-Gruppe wird die Helios Kliniken GmbH, eine Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius.

Die Marktkonzentration unter den privaten Krankenhausbetreibern erreicht einen neuen Höhepunkt. Hauptaktionär der in Norddeutschland an 18 Standorten aktiven Damp-Gruppe wird die Helios Kliniken GmbH, eine Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius. "Damit entsteht der mit Abstand größte deutsche Klinikverbund mit über drei Milliarden Euro Umsatz im Jahr", sagte Carl Hermann Schleifer, Vorstandsvorsitzender der Damp Holding AG, gestern in Kiel.

Am Montagabend war der Vertrag zum Verkauf von 94,7 Prozent der Anteile unterschrieben worden - zu einem nicht genannten Preis. Das Aktienpaket hielt bislang der Aufsichtsratsvorsitzende der Holding, Walter Wübben. Er habe die Anteile "aus Gründen seiner persönlichen Lebensplanung" verkauft, sagte ein Unternehmenssprecher. Wübben beabsichtigt die Gründung einer "Damp Stiftung". Mit daraus jährlich fließenden siebenstelligen Erträgen sollen die medizinische Forschung und Lehre sowie soziale Projekte gefördert werden.

Der Deal dürfte erst im zweiten Quartal 2012 tatsächlich wirksam werden. Um kurzfristig die Genehmigungen zu erhalten, soll aus kartellrechtlichen Gründen als einzige Damp-Klinik der Betrieb in Wismar bis Jahresende 2011 verkauft werden. Denn Helios betreibt in Schwerin eine Klinik, was angesichts der Nähe zu Wismar in den Augen der Wettbewerbshüter eine zu große regionale Marktdominanz darstellen könnte.

Glaubt man dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden, können die knapp 8000 Arbeitnehmer im bisherigen Damp-Konzern gelassen bleiben: "Für die Mitarbeiter geht die Welt weiter wie sie ist." Die Arbeitsverträge würden weitergelten, "da passiert gar nix". Schleifer, der im nächsten Jahr 70 Jahre alt wird, will "den Integrationsprozess mit Helios begleiten". Die Damp-Zentrale werde in Hamburg bleiben.

Auch der Vorsitzende der Geschäftsführung der Helios Kliniken GmbH, Francesco De Meo, versicherte, dass weder Personalabbau noch Entlassungen geplant seien. Die Mitarbeiter in den Kliniken müssten aber flexibel sein und möglicherweise mehr Patienten betreuen als bislang. Allerdings habe die hohe Qualität der medizinischen Versorgung absoluten Vorrang. Leide diese Qualität, würden Stellen nachbesetzt.

Der Markenname Damp bleibt laut De Meo nicht in allen Bereichen erhalten. Bei den Akut-Krankenhäusern habe sich die Marke Helios bewährt, sagte er. In anderen Einrichtungen sei das Ansehen von Damp sehr groß, "und wir werden dieses Schmückkästchen auch in Zukunft polieren". Als ein Beispiel nannte er den Wellness-Tourismusbereich.

Der Konzernbetriebsrat erfuhr nach eigenen Angaben erst gestern von der Übernahme. "Uns befremdet diese Informationspolitik", sagte die Konzernbetriebsratsvorsitzende Elke Lunkeit, die auch Mitglied des Aufsichtsrates ist. In Schleswig wollen sich die Arbeitnehmervertreter des Aufsichtsrates heute treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten. "Unser größtes Interesse ist es, alle Arbeitsplätze zu erhalten und dies weiterhin zu guten Konditionen."

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) kündigte an, den Konzentrationsprozess im Krankenhauswesen genau zu beobachten. "Ich erwarte, dass die unternehmerische Entscheidung keine Nachteile für die Beschäftigten hat und der neue Mehrheitseigner von Damp seinen Versorgungsauftrag für die Patientinnen und Patienten auf hohem Niveau erfüllt."