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Www.mein-name.de ist schon weg Heißer Handel mit Domains

Von Teja Banzhaf | 23.10.2011, 10:46 Uhr

Wer heutzutage eine Internetdomain, sprich Adresse, sucht, wird das öfter erleben, nicht nur wenn er Müller heißt. Die Adressen gehen inzwischen weg, wie warme Semmel.

Www.mein-name.de ist schon weg. Wer heutzutage eine Internetdomain, sprich Adresse, sucht, wird das öfter erleben, nicht nur wenn er Müller heißt. Die Adressen gehen inzwischen weg, wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Im ehemaligen Landkreis Güstrow hat die Zahl der Domainbesitzer 2010 im Gegensatz zu anderen Gegenden im Land abgenommen: 6221 Domains mit der Endung .de waren am 31. Dezember 2010 auf Bürger oder Firmen mit Sitz im Kreis Güstrow registriert, sagt die Datenbank beim Landesamt für Statistik. Inzwischen dürften es schon wieder ein paar mehr sein. Plus die, die auf andere Endungen ausweichen.

30 Jahre PC, 20 Jahre Internet, so richtig in Schwung gekommen ist das Domain-Geschäft ab dem Jahr 2000. Erfasst werden die Daten seit 2003. Damals gab es im Kreis Güstrow insgesamt 2717 Domaininhaber, die schon eine eigene Internetsite hatten. Oder zumindest so taten, denn zu Beginn des Jahrhunderts herrschte noch ein bisschen Goldgräberstimmung: Da schien es manchen eine gute Idee, mit Domaingrabbing, sprich Namengreifen, Geld zu machen: Namen reservieren und dann anderen Interessenten teuer anbieten, hieß die Devise.

Ausgestorben ist diese Spezies noch nicht, aber zumindest in der deutschen Rechtssprechung kann’s dumm laufen, wenn der Grabber auf einen streitbaren Mitmenschen trifft. Vereinfacht ausgedrückt sieht es nach der derzeit gängigen Literatur so aus: Bei natürlichen Personen ist der Name über das Persönlichkeitsrecht sogar grundgesetzlich geschützt. Privatpersonen aber auch Städte genießen besonderen Schutz, zum Namensnachweis dient die Geburtsurkunde bzw. die erstmalige urkundliche Erwähnung. Für Firmen ist es ein bisschen komplizierter, hier muss der Name auch Unterscheidungskraft besitzen. Aber wenn jemand einfach einen Namen belegt, dann ist das für den Juristen Namensanmaßung, die eine Zuordnungsverwirrung auslösen und damit die schutzwürdigen Interessen des Namensträger verletzen kann.

Dass das Konfliktpotenzial immer größer wird, liegt nahe, weil die Zahl freier de-Adressen schrumpft, je mehr die Zahl vergebener Adressen steigt. Im Altkreis Güstrow sank sie allerdings von 2009 auf 2010 um 974 von 7195, wobei offen ist, ob Domaingrabbing eine Rolle spielte. Die Rechtslage googelt sich der geübte Nutzer natürlich im Netz. Die Suchbegriffe "Landgericht" plus "Namensanmaßung" bringen aktuell 4360 Ergebnisse. Darunter eines, das zeigt, dass die Klagewelle inzwischen auch die EU und ihre .eu-Domains erreicht hat. Denn Streitigkeiten landen inzwischen auch vor dem Europäischen Gerichtshof. Domaingrabbern wird so immer mehr das Wasser abgegraben.