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Mecklenburg-Vorpommern Hartnäckigen Nagern auf der Spur

Von katt/dapd | 29.03.2012, 11:32 Uhr

Knapp unter dem Boden buddeln sie ihre Gänge, schieben mit ihren Pfoten alle fünf bis zehn Meter die Erde beiseite oder drücken sie nach oben weg: krümelige Hügel auf dem Rasen oder im Staudenbeet sind ein untrügliches Zeichen für Wühlmäuse im Garten.

"Im Frühjahr tauchen die Narzissen gar nicht erst auf oder treiben nur verkrüppelt aus. Rosensträucher und Obstbäume welken", schildert Ralf Jung vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen die sichtbaren Folgen. "Aber es ist dann noch nicht zu spät, gegen die Wühlmäuse - auch Schermäuse genannt - vorzugehen", beruhigt der Diplom-Ingenieur für Gartenbau. Ein Überblick über die Wühlmäuse und die Bekämpfungsmethoden:

Lebensweise der Wühlmaus

Die Wühlmaus bevorzugt frische, feuchte Böden, Gräben, lichte Laub- und Mischwälder, Wiesen und vergraste Jungkulturen. Sie ernährt sich von Wurzeln, Rhizomen, Knollen und Zwiebeln der verschiedensten Pflanzenarten. Auch junge Bäume sind gefährdet. Durch das Benagen und Fressen der Wurzeln werden Obstgehölze, Beerensträucher, Ziergehölze, Blumenzwiebeln sowie Wurzelgemüse geschädigt. Rasenflächen werden durch das Wühlen zerstört. Die kaputten Stellen verunkrauten schnell. Wühlmäuse halten keinen Winterschlaf. Deshalb verrichten sie ihr schädigendes Werk das ganze Jahr über.

Die Wühlmaus lebt in unterirdischen Gängen, die 50 bis 100 Meter lang werden können. Sie kommt zumeist nur zur Paarung und Wanderung an die Erdoberfläche. Ein Weibchen wirft pro Jahr mindestens zehn Nachkommen. Zudem werden die Tiere des ersten Wurfes einer Saison noch in derselben Saison geschlechtsreif. Das erklärt die schnelle Ausbreitung.

Maulwurf oder Wühlmaus?

Wer gegen die lästigen Nager zu Felde ziehen will, muss sich zunächst vergewissern, dass die Haufen im Garten tatsächlich von einer Wühlmaus stammen. Maulwürfe stehen nämlich unter besonderem Schutz und dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz weder gefangen noch verletzt oder oder gar getötet werden. Gartenbesitzer dürfen sie höchstens vertreiben. Auf die Wurzeln von Apfelbäumchen, Rose oder Clematis hat der Maulwurf es nicht abgesehen. Er ernährt sich vor allem von Würmern.

Die Erdhaufen der Wühlmaus sind niedriger und unregelmäßiger, die Erde ist feiner und meist mit Pflanzenresten vermischt. Der Gang befindet sich nicht mittig unter dem Haufen, sondern seitlich. Die unterirdischen Gänge sind hochoval und mindestens fünf Zentimeter breit und damit größer als beim Maulwurf. Außerdem sind die Wurzeln an den Wänden fein säuberlich abgefressen.

Schutz der Pflanzen

Um Anpflanzungen vor der Wühlmaus zu schützen, kann man deren Wurzeln hinter Gitter bringen. Dazu wird das Pflanzloch komplett mit sechseckigem Maschendraht ausgelegt, der an den Rändern reichlich übersteht. Dann wird der Baum normal gepflanzt, das überstehende Drahtgeflecht zur Mitte geklappt und rund um den Stamm verschnürt. Allerdings lässt man dort ein bisschen Platz, damit das Metall nicht später in die Rinde einschneidet. Die Maschen sollten nicht weiter als 15 Millimeter auseinanderstehen. Wer sich diese Mühe nicht machen will, kann solche Gitterkörbe auch kaufen. Solche engmaschigen Drahtkörbe eignen sich auch zum Schutz von Blumenzwiebeln.

Bekämpfungsmethoden

Fallen, Gas, Gift, Ultraschallgeräte und andere Vertreiber und sogar Selbstschussgeräte bietet der Handel für den Kampf gegen die hartnäckigen Nager an. Diese Mittel und Geräte sind nicht jedermanns Sache, in der Wirkung zum Teil umstritten und manchem Gartenbesitzer schlicht zu teuer. So hat sich ein recht großes Spektrum an Hausmitteln entwickelt, das von Hunde- oder Katzenhaaren über Fichtentee bis hin zu stark riechenden Pflanzen reicht. Zypressen-Wolfsmilch, Knoblauch, Kaiserkrone und Steinklee haben sich in manchem Garten bewährt. Allerdings gilt, was für alle diese Tricks gilt: Nicht jeder funktioniert überall. Aber ausprobieren kann man es. Was man sonst noch machen kann:

Feinde fördern: Sitzstangen für Greifvögel, Einfluglöcher für Schleiereulen in der Scheune oder Steinhaufen für das Hermelin - wer den natürlichen Feinden der Wühlmaus gute Bedingungen bietet, kann der Plage auf natürliche Weise zu Leibe rücken. Diese Tiere gehen sehr effektiv auf Wühlmausjagd. Eine ehrgeizige junge Katze kann das übrigens auch.

Fallen: Fallen gelten als die zuverlässigste und umweltfreundlichste Methode im Kampf gegen Wühlmäuse. Es gibt sie in unterschiedlichsten Formen - Drahtfallen, Kippbügelfallen, Röhren- und Kastenfallen und mehr. Sie werden in einen Gang geschoben. Einige Modelle können mit Ködern versehen werden. Dafür bieten sich Sellerie, Apfel, Kartoffel oder Möhre an.

Um einen Gang zu finden, empfiehlt Ralf Jung Wühlmausstäbe aus dem Fachhandel. Steckt man sie ringsum die Hügel in den Boden, merkt man anhand des fehlenden Widerstands sofort, an welcher Stelle sich unter der Erde ein Gang verbirgt: "Hier wird eine Falle platziert - und die Maus gefangen." Vor dem Aufstellen der Falle sollten allerdings die Hände mit Erde abgerieben oder Handschuhe angezogen werden, um die Wühlmäuse nicht durch den menschlichen Geruch abzuschrecken.

Gas: Das Gas gibt es als Patronen zum Anzünden oder als Köder, die bei Kontakt mit dem feuchten Boden den Wirkstoff freisetzen. Das Gas tötet die Wühlmäuse in der Regel nicht, sondern vertreibt sie. Bei sandigen Böden ist die Wirkung eingeschränkt, weil das Gas zu schnell entweicht. Beim Ausbringen der Patronen oder Köder unbedingt die Gebrauchsanweisung des Herstellers beachten.

Fraßköder: Sie dürfen nur in den Gängen und nicht etwa offen ausgelegt werden. Das würde andere Tiere gefährden. Der Erfolg hängt allerdings auch davon ab, wie groß das Nahrungsangebot im Garten gerade ist. Ist genug zu knabbern da, bleiben die Fraßköder oft unbeachtet und verderben.