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Agrarbilanz Handel dreht am Milchgeld

Von ROTH | 18.12.2017, 21:00 Uhr

Schlechtes Wetter, miese Erträge, sinkende Milchpreise: Einbußen für Bauern in MV

Stress in der Agrarkasse: Trotz monatelanger Verzögerung bei der Auszahlung der millionenschweren Umweltförderung an die Bauern in MV im Frühjahr können die Landwirte noch bis zum Jahresende mit der Überweisung der noch ausstehenden höheren Flächenprämien rechnen. Bis zum 28. Dezember sollen 99 Prozent der in diesem Jahr vorgesehenen 356 Millionen Euro auf den Konten der Bauern sein, sicherte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin zu. Die Agrarverwaltung arbeite mit Hochdruck an den Förderbescheiden – selbst an den Wochenenden. Die Prämien werden den Bauern jährlich u. a. als Ausgleich für preiswerte Lebensmittel gezahlt. In vielen Betrieben sichert der Beihilfe-Scheck aus Brüssel das Überleben. In einigen Betrieben kommt jeder zweite Euro in der Unternehmenskasse aus der EU-Kasse. Im vorigen Jahr hatte jeder der 4728 Empfänger von Agrarbeihilfen 74 915 Euro überwiesen bekommen – 110 Agrarbetriebe jeweils mehr als eine Million Euro, zusammen mehr als 72 Millionen Euro. Damit hatten nur drei Prozent der Beihilfeempfänger in MV mehr als 20 Prozent der Agrarhilfen kassiert.

Im Frühjahr waren in MV massive Fehler im Antragsverfahren festgestellt worden. Die Behörden hatten „erhebliche Flächenabweichungen“ zwischen den beantragten Flächen für das vergangene Jahr und Angaben für 2015 bemängelt. Nach Angaben des Ministeriums wurden bei 3600 Anträgen in 2390 Fällen für 27 600 Flächen zum Teil „erhebliche Differenzen“ entdeckt. Inzwischen seien alle Umweltgelder ausgezahlt worden, sagte Backhaus. Insgesamt erhielten die Landwirte in MV in diesem Jahr unter anderem für den Anbau vielfältiger Kulturen, der Anlage von Blühstreifen oder der Pflanzung von Hecken einen Ausgleich von etwa 40 Millionen Euro.

Das Geld können die Bauern gut gebrauchen: Kahlfröste im Winter, Minustemperaturen noch im Frühjahr, Dauerregen zur besten Erntezeit – die Bauern müssten nach 2016 in diesem Jahr zum zweiten Mal Ernteausfälle hinnehmen, beklagte Backhaus.

Fast vier Prozent weniger Weizen, zehn Prozent weniger Roggen, bis zu knapp 20 Prozent Raps unter dem sechsjährigen Mittel, Wasserschäden im Herbst und noch immer 1000 Hektar Mais, der auf den nassen Feldern nicht geerntet werden kann, dazu niedrigere Preise als in den vergangenen Jahren – „die Einkommensverluste werden noch 2018 zu spüren sein“, sagte Backhaus. Nach den langen Krisenmonaten hätten sich die Milchbauern zwar bis zum Herbst noch über steigende Milchpreise freuen können, inzwischen falle das Milchgeld aber wieder. „Der Lebensmitteleinzelhandel dreht erneut an der Preisschraube“, kritisierte Backhaus. Der Kieler Rohstoffwert Milch – ein Indikator zur Marktbewertung – sei um 16,3 Prozent gefallen, von 39,3 auf 32,9 Cent je Liter. Auf dem Höhepunkt der letzten Milchkrise hatten die Molkereien das Milchgeld auf unter 20 Cent gedrückt – rote Zahlen im Kuhstall. 61 Milchbetriebe mit 9500 Kühe hätten aufgeben müssen, sagte Backhaus und appellierte an die Bauern, die Milchproduktion zu reduzieren. Sonst liefen die Bauern Gefahr, alle zwei Jahre in eine neue Krise zu rutschen.