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Mühlengeez Häschen, Trecker, Usbekistan

Von Uwe Reißenweber | 14.09.2011, 06:16 Uhr

Gleich am Eingang parken die Männerträume: Rasentrecker, rot und gelb glänzende Traktoren, Ungetüme mit Baggerschaufeln und Riesenzinken und ach! und oh! "In dem Bereich bewegen sich zu 90 Prozent Männer", sagt Christin Weinhold, Projektleiterin der 21.

Landwirtschaftsausstellung MeLA in Mühlengeez bei Güstrow, die heute offiziell startet.

Soviel Tiere und Aussteller wie noch nie zuvor sind dann versammelt. 542 Fach- und 383 Tieraussteller, 194 verschiedene Rassen und insgesamt 1451 Tiere, ohne jede einzelne Biene mitzuzählen, versteht sich. 20 Aussteller kommen aus dem Ausland, aus Belgien, Lettland, den Niederlanden, Polen, Tschechien, Ungarn und Österreich. Diesjähriges Gastland aber ist Usbekistan, dessen Landwirtschaftsminister auch auf der MeLA erwartet wird. "Die Usbeken sind an den Bauernverband MV herangetreten, sie wollen Kontakte knüpfen", so die Projektleiterin.

Tier des Jahres ist eine Taube

Nicht ganz so weit gereist ist Norbert Bissa aus der Nähe von Bützow, der gestern schon mit seinen Richter-Kollegen auf dem Gelände aktiv ist. Ihr Spezialgebiet: Rassekaninchen. Dutzende Langohren sitzen in ihren Käfigen, große, kleine, besonders flauschige, weiße, braune, schwarze, ach und oh! Traditionell werden die Tiere schon am Mittwoch bewertet, mit der diesjährigen "Qualität sind wir ganz zufrieden", sagt Bissa, Ausstellungsleiter, Züchter, und Deutscher Meister mit seinen Deutschen Widdern schwarz-weiß. Zwar könne man auf der MeLA "einen ganz guten Rasse-Querschnitt" bieten, räumt er ein, aber "einige Ecken des Landes" seien leider nicht vertreten. "Die warten eher auf die Landesschau und außerdem ist es für die Tiere nicht so gut, hier eine Woche zu stehen. Sie brauchen dann lange, um sich zu erholen." Recht entspannt sehen hingegen in der Nachbarhalle, die Ferkel aus, die sich um die Muttersau drängen, zufrieden grunzen und in den Tag zwinkern, ein Zehner-Glückspack, ach und oh.

Diesjähriges Schwerpunkt-Tier aber ist der Rostocker Tümmler. Die Taube mit dem eigenwilligen Halskragen war eigentlich schon ausgestorben, wurde aber zu DDR-Zeiten ab dem Jahr 1959 von Rostockern wieder herausgezüchtet, weiß Steffen Kraus aus Teterow, der seitens des Züchterverbandes die Ausstellung betreut. Möglichst einheimische Rassen sollen "Tier der MeLA" sein, so Kraus. Den Geflügelzüchtern bleibt allerdings für die kommenden Jahre nicht mehr viel - von den Tauben gibt es dann nur noch den Stralsunder Hochflieger und den Pommerschen Kröpfer, schließlich noch die Pommerngans und die Pommernente.

Den Fluten das Wasser abgegraben

Neben dem Rostocker Tümmler hat die diesjährige Landwirtschaftsausstellung weitere Schwerpunktthemen. Eines davon ist die Nachwuchsgewinnung für die so genannten grünen Berufe. "Heute und am Sonnabend gibt es eine Berufsausbildungs-Show, in der alle grünen Berufe von Azubis vorgestellt werden", kündigt Projektleiterin Weinhold an. Bekanntlich plagen die Branche schon seit Jahren Nachwuchssorgen, auch die Unis und Fachhochschulen wollten ihre entsprechenden Studiengänge füllen. Und so führten beispielsweise Studenten der Fachschule für Agrarwirtschaft in Güstrow interessierte Jugendliche über das Ausstellungsgelände. Auch die Fachhochschule Neubrandenburg sei vor Ort. Die Messegesellschaft selbst bietet traditionell Berufsschulklassen bei Anmeldung freien Eintritt, mittlerweile auch Schulklassen mit Mädchen und Jungen ab 14 Jahren. Hinzu kommt die Kinder-MeLa mit einem eigenen Programm in der Tierhalle 1.

Benachbart liegen Pferde- und Rinder-Zelte, die ganz großen Tiere sind anders als Hasen und Geflügel gestern Vormittag aber noch nicht in Mühlengeez angekommen. Erwartet werden sie am Nachmittag, sagt die Projektleiterin, während ringsum aufgebaut, gehämmert, gebohrt und gewerkelt wird. Eine besondere Schwierigkeit in diesem Jahr: der Dauerregen, der dem gesamten Nordosten zu schaffen machte. "Wir mussten schon ackern, um das Wasser von der Fläche zu bekommen. Unter anderem haben wir Gräben gezogen und viele Pumpen gekauft. Auch an der großen Tribüne wurde eine Entwässerungsrinne angelegt, obwohl das Areal drainiert ist", betont Weinhold. Letzten Endes habe man das Problem gut in den Griff bekommen. Festgefahren beispielsweise habe sich auch noch kein Lkw, denn schließlich sind die Zeltbauer schon seit Ende Juli am Werk. Vergangene Woche wurden dann die Elektroarbeiten abgeschlossen. Auch auf dem Freigelände seien die Flächen schon ausgepflockt - "so dass jeder Aussteller schnell seine Fläche finden kann", sagte die Projektleiterin. Gestern Abend um 18 Uhr, so die Zielsetzung, sollte eigentlich so gut wie alles stehen.

"Königsklasse" des Sportholzfällens

Also auch in der Halle 4, in der sich alles um Energie, Bioenergie und nachwachsende Rohstoffe dreht. Sie ist auch Heimstatt für den dritten Schwerpunkt: das Internationale Jahr der Wälder. Es gibt eine Nachhaltigkeitsausstellung, die ersten Landesmeisterschaften der Waldarbeiter auf der Freifläche, ein Preisausschreiben und die große Timbersport-Show heute und morgen - die "Königsklasse" des Sportholzfällens. Sicher wird dort dann das eine ach! und oh! zu hören sein.