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Übersicht Grünlinge sind potentiell lebensgefährlich

Von Thorsten Meier | 13.10.2008, 03:20 Uhr

Pilzberaterin Elfi Hruby warnt dringend vor dem Verzehr des Grünlings. Der in allen früheren Pilzbüchern als essbar angegebene und einst auch als Marktpilz zugelassene Grünling sei nach neuesten Erkenntnissen als Giftpilz einzustufen, da er Muskeln zerstöre. Derzeit wäre besonders bei Grabow ein Massenaufkommen dieses Pilzes zu beobachten, der auch in größeren Mengen bereits geerntet worden sei.

Grabow - „Die abgeernteten Stellen zeigten uns am Wochenende, als wir mit der Arbeitsgemeinschaft Mykologie im Landkreis Ludwigslust unterwegs waren, dass Grünlinge in größerem Umfang mit nach Hause genommen worden sind. Davor ist dringend abzuraten, denn Grünlinge sind potenziell lebensgefährlich“, warnt Elfi Hruby. Seit drei Jahren gehört die Dreenkrögenerin zum Team der Pilzexperten des Landkreises und weiß deshalb ganz genau, wovon sie spricht: „Die Pilze bewirken, dass Muskeln infolge von Degeneration und Nekrose zerstört werden.“

Was die Großeltern über Pilze wussten, gilt heute oft als gefährlich. Mehrere Pilze, die früher als essbar galten, wurden als giftig entlarvt: Auch der Grünling, der noch bis 2001 in Deutschland als Marktpilz zugelassen war, gilt jetzt als Giftpilz. „Es dauert oft lange, bis Pilzgifte entdeckt werden“, sagt die Pilzsachverständige weiter. „Bei Herzrhythmusstörungen etwa sollte man den Arzt informieren, dass man seit Jahren Grünlinge verzehrt hat.“
Muskelschwäche nach üppigem Pilzgenuss
Anlass für die Warnung vor dem Grünling war eine Vergiftungsserie in Frankreich. Dort waren zwölf Menschen betroffen, drei starben. Sie hatten den Grünling oft und in Mengen gegessen und eine Muskelschwäche erlitten. „Besonders in Nord- und Ostdeutschland ist er ein Massenpilz“, so Hruby. „Viele essen ihn ohne Beschwerden. Sie wollen daher nur schwer einsehen, dass der Grünling ein Giftpilz ist.“

Außerdem gelten in der Bevölkerung auch einige andere Pilze nach wie vor als essbar, obwohl sie heimtückische und unter Umständen tödliche Vergiftungen verursachen können. Der Kahle Krempling beispielsweise enthält Giftstoffe, die durch Anreicherung im Körper erst nach Jahren oder Jahrzehnten wirksam werden und dann zum Tode führen können. 200 bis 300 Arten der etwa 5000 heimischen Pilze gelten als essbar. Dem gegenüber stehen rund 20 Arten, die wirklich giftig sind und davon ein Teil tödlich giftig.