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Zwei Frauen haben sich in Lübz mit „Kinderfüßchen“ selbstständig gemacht Große Nachfrage an Tagesmüttern

Von Horst Kamke | 31.10.2011, 05:55 Uhr

Vor drei Monaten eröffneten Kathrin Rosenfeldt und Christina Schätz als Tagesmütter in Lüb ihre Pflegestelle "KaTi´s Kinderfüßchen": Die große Nachfrage hat sie sehr überrascht.

Vor drei Monaten eröffneten Kathrin Rosenfeldt und Christina (Tina) Schätz als Tagesmütter am Lübzer Ziegenmarkt 6 ihre Pflegestelle "KaTi´s Kinderfüßchen": "Die große Nachfrage hat uns sehr überrascht", freut sich das Duo. Das Jugendamt hatte den beiden Frauen nach der Vorlage ihres Konzepts und der Besichtigung der Räumlichkeiten die uneingeschränkte Pflegeerlaubnis für jeweils fünf Kinder erteilt. Im Januar 2012 kommt das zehnte Kind zu ihnen "und dann sind wir gut ausgelastet".

Kathrin Rosenfeldt hat zuvor in der Immobilienbranche gearbeitet und drei eigene Kinder (24, 14 und acht Jahre), die älteste Tochter arbeitet in Schwerin als Tagesmutter. Christina Schätz war Computerberaterin und hat zwei Kinder (24 und 8), die ältere Tochter lebt in Berlin."Dadurch, dass wir beide selber Kinder haben, haben wir schon in etwa gewusst, was auf uns zukommt."

Beide Frauen arbeiteten zuletzt im Parchimer Callcenter und lernten sich dort kennen. Schnell stellten sie fest, dass sie auch Nachbarinnen sind und sich die Anfahrt teilen konnten. Jetzt teilen sie sich auch die Tagespflege. "Die Idee zur Tagespflege hatte ich schon lange. Aber ich wollte es erst machen, wenn ich jemanden gefunden habe, mit dem ich das gemeinsam angehen möchte", sagte Kathrin Rosenfeldt. Mit Christina Schätz wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit. "Wir ergänzen uns gut", sagen die beiden Frauen.

Viel gelernt und ein gutes Konzept vorgelegt

Das nötige Handwerkszeug haben sie sich bei einer Schulung und ihren Praktika angeeignet. Drei Monate lang wurden sie in Schwerin bei der WBS Trainings AG ausgebildet. "Das hat uns viel gebracht, war aber auch ein großer Kraftakt", sagt Katrin Rosenfeldt. Jede Woche standen für die Lübzer innen Klausuren auf dem Programm. "Die Prüfung schafften wir beide dann mit einer Eins." Auch in der Praxis haben sich die Lübzerinnen für ihre Aufgabe fit gemacht: Bei zwei Tagesmüttern in Wendisch Waren und im Lübzer Sophienstift erhielten sie Einblicke in die alltägliche Kinderbetreuung. In "KaTi´s Kinderfüßchen" werden Kinder im Alter zwischen acht Wochen und drei Jahren aufgenommen. Sie werden nach einer individuellen Eingewöhnungszeit gemäß ihrer Anlagen zu fördern und einen pädagogischen Auftrag zu erfüllen. Musikerziehung gehört ebenso dazu wie bildnerisches Gestalten, turnen oder der Besuch eines Bauernhofes. "Wichtig ist ein strukturierter Tagesablauf." Das der den Kindern gefällt, machen die Tagesmütter daran fest, mit welcher Wonne der Mittagsschlaf genossen wird. "Tagesmutter zu sein bedeutet auch eine Art Familienleben."

Die Frauen unterstützen sich gegenseitig, und auch das Jugendamt steht hinter ihnen. "Mit den Mitarbeitern dort arbeiten wir gut zusammen", sagt Schätz. Darüber hinaus streben die beiden Tagesmütter die Mitgliedschaft in ihrer Dachorganisation an.

Die Finanzierung der Platzkosten teilen sich Eltern, Wohnsitzgemeinde, Land und der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe.

Krippenplätze allenthalben oft ausgebucht

Bei der Stadt melden sich immer wieder Eltern, die gern eine Tagesmutter in Anspruch nehmen würden. Nicht zuletzt, weil diese Art der Betreuung familiärer und oftmals auch flexibler ist. Vor einiger Zeit hat es in Lübz eine Tagesmutter gegeben. Sie zog jedoch nach Parchim. Seitdem konnten Eltern von Kindern im Krippenalter nur reguläre Krippenplätze der hiesigen Kitas in Anspruch nehmen. Doch deren überschaubare Anzahl von Plätzen ist ausgelastet: In der Broocker Kita Landmäuse, einer Einrichtung der Volkssolidarität, besuchen derzeit acht Kinder ganztags die Krippe. Im Sophienstift, dessen Träger das Diakoniewerk Kloster Dobbertin ist, nehmen sechs Kinder einen Ganztagsplatz, ein Kind einen Teilzeitplatz und vier Kinder jeweils einen Halbtagsplatz in Anspruch. Die DRK-Kita Pfiffikus besuchen 41 Kinder (26 ganztags, 14 in Teilzeit und ein Kind halbtags). Inzwischen weichen etliche Eltern bereits auf die Einrichtungen der umliegenden Gemeinden wie Lutheran, Passow, Werder, Karbow-Vietlübbe oder Kreien aus. "Der Trend geht zur Ganztagsbetreuung. Es gab Zeiten, da waren eher Teilzeitangebote der Renner", sagte Bürgermeisterin Gudrun Stein in ihrem Bericht bei der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten.