Ein Angebot des medienhaus nord

Prozess in Stralsund Greifswalder muss wegen Totschlags drei Jahre in Haft

Von Martina Rathke | 08.12.2017, 20:45 Uhr

Mit einem Minibackofen und einer Tischplatte hat ein Greifswalder auf einen Zechbruder eingeschlagen. Dafür muss er nun ins Gefängnis. Eine Beleidigung des Schauspielers Til Schweiger blieb dagegen ungeahndet.

Es ging um versuchten Totschlag, und es ging um eine Beleidigung des Schauspielers Til Schweiger: In einem Verfahren am Landgericht Stralsund ist ein 40-jähriger Greifswalder wegen einer brutalen Attacke auf einen Trinkkumpan am Freitag zu einer Haft von drei Jahren verurteilt worden. Zudem muss er in eine Entziehungsanstalt. Das Gericht entsprach damit den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Pflichtverteidiger des Täters hatte auf gefährliche Körperverletzung und eine zur Bewährung auszusetzende Freiheitsstrafe von zwei Jahren plädiert. Er kündigte an, in Revision zu gehen.

Das parallele Verfahren wegen eines gegen Til Schweiger gerichteten Facebook-Posts stellte das Gericht ein. Die Straferwartung sei im Verhältnis zum mitangeklagten versuchten Totschlag minimal. Der Greifswalder hatte im Juli 2015, als immer mehr Flüchtlinge aus den syrischen Kriegsgebieten nach Deutschland kamen, Til Schweiger auf Facebook beschimpft. Der Schauspieler, der sich für Flüchtlinge einsetzt, hatte nach Angaben des Angeklagten-Anwalts Anzeige erstattet.

Im Fall der brutalen Attacke sah es das Gericht als erwiesen an, dass der gelernte Verkaufshelfer seinen Zechbruder töten wollte. Die Kammer stützte sich auf Aussagen der Polizisten, die ihn später festnahmen. Der Mann hatte am 25. März 2016 - ein dreiviertel Jahr nach dem Facebook-Post - gemeinsam mit zwei Trinkkumpanen in einer Plattenbauwohnung Bier und Kräuterlikör getrunken. Dabei kam es zum Streit: Mit einer Flasche, einem Minibackofen und einer Tischplatte schlug er auf seinen 54-jährigen Kumpel ein. Im Krankenhaus wurde später ein Blutalkoholwert von 2,1 Promille gemessen.

Der Mann, der zuletzt im vom Pommerschen Diakonieverein betriebenen Café Lichtblick arbeitete, war bereits wegen mehrerer unter Alkohol begangener Körperverletzungsdelikte vorbestraft. Deshalb muss er sich nun in Therapie begeben. Der starke Alkoholkonsum hatte nach Auffassung des Gerichts auch am 25. März die Steuerungsfähigkeit des Mannes eingeschränkt.

Als strafmildernd wertete das Gericht sein Geständnis. Zudem war der Täter noch vor seiner Verurteilung um Wiedergutmachung bemüht. Seit Dezember 2016 zahlt er seinem Opfer freiwillig eine monatliche Schadensersatzrate von 20 Euro.