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Lübzer Agentur für Arbeit meldet hohe Auslastung Goldener Herbst belebt Konjunktur

Von Horst Kamke | 20.10.2011, 11:25 Uhr

"Jeder, der die Erlaubnis hat, einen Traktor oder eine Erntemaschine zu fahren, ist derzeit äußerst gefragt." Das ließ die Lübzer Filiale der Agentur für Arbeit auf Anfrage der SVZ als Lagebild verlauten.

"Jeder, der die Erlaubnis hat, einen Traktor oder eine Erntemaschine zu fahren, ist derzeit äußerst gefragt." Das ließ die Lübzer Filiale der Agentur für Arbeit auf Anfrage der SVZ als aktuelles Lagebild verlauten. "Auf den Äckern ist alles sehr dringend." Die Ernte sei nun einmal stark witterungsabhängig, und deshalb werde jede helfende Hand gebraucht. Langfristig gute Chancen am Arbeitsmarkt habe aber nicht der Fahrer von Spezialmaschinen im Grünbereich, sondern vor allem derjenige, der darüber hinaus auch in der Tierproduktion einsetzbar sei. "Derartige Arbeitskräfte kommen gut über den Winter."

Auch das Handwerk brumme geradezu. "Wegen der guten Wetterlage haben besonders Bau- und Installationsbetriebe eine hohe Auslastung." Jeder wolle seine vollen Auftragsbücher möglichst noch vor Wintereinbruch abarbeiten.

Die Region um Lübz, Plau, Goldberg und auch Sternberg lebe vorwiegend von der Landwirtschaft und vom Handwerk, betonte die Arbeitsagentur.

Auch der Tourismus sei zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Allerdings habe der verregnete Sommer die Betreiber von Freizeiteinrichtungen (Campingplätze, Kletterparks) und die Boots- und Fahradverleiher in diesem Jahr ziemlich gebeutelt. Wer als Hotelier, Ferienwohnungsvermieter oder Gastronom sein Geld verdiene, dessen Flexibilität sei arg beansprucht worden. "Kaum besserte sich das Wetter, waren ab Donnerstag für das Wochenende keine freien Zimmer mehr zu bekommen." Das Stammpersonal habe gut zu tun gehabt, hieß es.

Angst vor Arbeitslosigkeit sei auch bei der Altenpflege ein Fremdwort. Examinierte Fachkräfte seien derzeit Mangelware. "Der Stellenmarkt ist leergefegt."

Für Auszubildende werden im Altkreis Parchim noch freie 99 Lehrstellen angeboten. 40 davon seien kurzfristig bis zum 1. Dezember verfügbar. "Wer immer noch auf der Suche sein sollte und sich bis dahin entscheidet, bei dem kann es sofort mit der Ausbildung losgehen." Ansonsten hat die Parchimer Agentur bei den Betrieben bereits mit der Einwerbung für Ausbildungsplätze 2012 begonnen. "Ausbildung ist die Lebensperspektive Nummer eins." Hierbei werde die Erfahrung gemacht, dass die Vergabe von Ausbildungsplätzen nicht allein gemäß der Zeugnisnoten erfolge. Es komme vor allem auf die Motivation an. "Deshalb haben auch Dreier-Kandidaten oder schwache Hauptschulabgänger eine reelle Chance." Unverkennbar sei der Trend, sich als Mecklenburger Jugendlicher um einen Ausbildungsplatz in den alten Bundesländern zu bemühen. "Dort wird einfach mehr Geld gezahlt." Bereits als Auszubildender, so weiß es die Agentur für Arbeit, "wollen viele junge Leute einen gewissen Lebensstandard pflegen."

Oftmals setze das Handwerk auch gänzlich unverhohlen auf Niedrigtarife. So sei die IHK-zertifizierte Ausbildung zum so genannten Konstruktionsmechaniker mit der eines Metallbauers zwar durchaus vergleichbar ("Beide Berufe verwenden die gleichen Maschinen"), aber mit 571 Euro im 1. Ausbildungsjahr um 235 Euro teurer.

Ganz neu sei der Trend, speziell für Bewerber mit schwachen Schulnoten langfristige Praktika anzubieten (Einstiegsqualifizierung, zwischen sechs und zwölf Monaten). Stelle sich dabei heraus, dass die Erwartungshaltung des Auszubildenden gut mit den Ansprüchen des Lehrbetriebs harmoniere, könne sogleich ein Ausbildungsvertrag ab dem 2. Lehrjahr abgeschlossen werden. Falls aber während des Praktikums eine Trennung erfolge, schlage das nicht gleich negativ als Abbruch der Ausbildung zu Buche.