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Kein Tweet zu dieser Gala? Golden Globes: Preis für die beste Pointe geht an Trump

Von Daniel Benedict | 07.01.2019, 16:03 Uhr

Die Golden Globes 2019 sind ein klares Statement gegen Trump. Wo bleibt der Tweet des US-Präsidenten? Ein Kommentar.

Bei den Golden Globe Awards 2019 wurden Filme über Rassismus, Frauenrechte, Mexikaner und schwache Herrscherfiguren prämiert. Wieso fühlt der US-Präsident sich davon nicht provoziert?

Hollywood gegen den Rechtspopulismus

Kein Trump-Tweet gegen die Globes? Vor zwei Jahren feuerte der US-Präsident noch via Twitter gegen Meryl Streep, die ihn ihrerseits in einer Dankesrede attackiert hatte. Diesmal blieb er genauso stumm wie die Preisträger. Kampfreden waren auch gar nicht nötig. Die Preise demonstrieren schließlich selbst, was Hollywood vom Rechtspopulismus hält: „Green Book“, mit drei Auszeichnungen Spitzenreiter, taucht in den amerikanischen Rassismus ab – und setzt der spaltenden Rhetorik eine Geschichte der Versöhnung entgegen. Cuaròns Zweifach-Sieger „Roma“ lässt, in ihrer eigenen Sprache, die Mexikaner zu Wort kommen, die Trump gern einmauern möchte.

Trump-Porträt im 18. Jahrhundert

Die Globe-Gewinner erzählen von schwulen Helden („Bohemian Rhapsody“), von Geschlechtergerechtigkeit („Die Frau des Nobelpreisträgers“) – und von schwachen Herrschern, um die herum parallele Machtstrukturen entstehen: „Vice“ schildert das am Beispiel George W. Bushs und seines Vizes Dick Cheney, „The Favourite“ über die Günstlingswirtschaft am britischen Hof. Hier vegetiert eine infantile Queen Anne in der Hölle ihrer primitiven Impulse. Trump fühlt sich nicht angesprochen? Das ist der beste Witz dieser Gala.

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