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Rostock Gesucht: Hausarzt für das Land

Von mban | 13.10.2009, 10:10 Uhr

Die Situation der medizinischen Versorgung ist im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern stark verbesserungswürdig.

Wenig Studenten wollen sich hier später als Arzt niederlassen. Grund dafür ist beispielsweise die fehlende Infrastrukur. Nun will die Universität Rostock mit der Kassenärztlichen Vereinigung dieser Entwicklung entgegenwirken. An der Hochschule wurde der erste und bislang einzige Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet.

2,4 Millionen Euro für Ausbildung und Versorgung
Seit 1. September ist auch eine Lehrkraft im Einsatz: Professor Attila Altiner, geboren in Oldenburg, zuletzt an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf tätig. Ermöglicht wurde die Schaffung des Instituts für Allgemeinmedizin, der zum Klinikum Südstadt gehört, durch die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern, die den Lehrstuhl mit 2,4 Millionen Euro für sechs Jahre ausstattet. Doch Professor Emil Reisinger, Dekan der Medizinischen Fakultät, sichert zu: "Danach wird es weitergehen." Vertraglich sei eine Fortsetzung des Vorhabens durch die Uni vereinbart worden, die dann auch die Kosten übernehme.

"Wir haben eine schwierige Situation im Land", analysiert Uni-Rektor Professor Wolfang Schareck. "Die Versorgung müssen wir wesentlich verbessern." Praktika würden außerdem abschrecken, den Beruf des Hausarztes nach dem Studium zu ergreifen. "Professor Altiner ist ein hervorrangender Fachmann und eine starke Persönlichkeit", sagt Schareck, der auch in der Berufungskommission des neuen Lehrstuhls sitzt.

15 angehende Hausärzte büffeln für ihren Abschluss
Wolfgang Eckert, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung, geht noch einen Schritt weiter: "Jede Universität sollte ein Institut für Allgemeinmedizin haben." Doch einen gleichen Lehrstuhl an der Uni Greifswald konnte die Organisation nicht finanzieren. "Wir schlagen damit einen Pfahl ein, an dem keiner mehr vorbeikommt", so Eckert. Ein Abdriften der Allgemeinmedizin solle damit verhindert werden.

Am neuen Institut werden bereits zehn Studenten zu Fachärzten für Allgemeinmedizin ausgebildet. Im nächsten Jahr sollen noch drei weitere folgen, so dass ein Kontingent von 15 angehenden Hausärzten vorhanden ist. Eine der Azubis − von denen 75 Prozent übrigens weiblich sind − ist Jenny Dögow. "Ich möchte auf jeden Fall in MV bleiben und von Anfang an Hausärztin werden", gibt die 27-Jährige einen Hoffnungsschimmer. Sie ist in Neubrandenburg geboren. Professor Altiner ist sich sicher: "Der Hausarzt war schon immer wichtig. Doch jetzt ist das auch erkannt worden."