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Volkstheater Rostock Gericht: Kündigung von Intendant Latchinian unwirksam

Von Andreas Frost | 13.12.2016, 21:00 Uhr

Rostocker Ex-Intendant Sewan Latchinian erringt einen Etappensieg vor Gericht

Der umstrittene frühere künstlerische Geschäftsführer des Rostocker Volkstheaters Sewan Latchinian hat einen Etappensieg im Streit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber errungen. Er hatte gegen seine fristlose Kündigung geklagt, die das Theater im Juni ausgesprochen hatte. Das Landgericht Rostock gab Latchinian gestern recht. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Die Hansestadt wird als Eigentümer des Theaters voraussichtlich darauf drängen, den Richterspruch von der nächsthöheren Instanz überprüfen zu lassen.

Latchinian zeigte sich nach dem Urteil selbstbewusst und zutiefst zufrieden und wähnte sich als moralischer Sieger. „Vor Ihnen steht der Intendant des Volkstheaters“, betonte er vor einer Handvoll Sympathisanten, die den Prozess als Zuschauer beobachtet hatten. Das Urteil gebe seinem Kampf gegen die geplante Schließung mehrerer Theatersparten und gegen Entlassungen recht, proklamierte er weiter.

Es sei ein „Dilemma, dass man jetzt zwei Intendanten“ am Theater habe. Der frühere Schweriner Theaterchef Joachim Kümmritz hatte die Rostocker Bühne im Juli für vorerst zwei Jahre übernommen. Wenn er ein „Krawallmacher“ wäre, wie es ihm fälschlicherweise nachgesagt werde, würde er in sein Büro gehen und eine Leitungssitzung anberaumen, scherzte Latchinian.

Ulrich Kunze, Sprecher der Stadtverwaltung, sagte, die Stadt werde das Urteil des Landgerichts genau prüfen. Indirekt deutete er bereits an, dass die Stadt Berufung einlegen wird. „Es geht hier ja nicht um die künstlerische Freiheit, sondern um Pflichtverletzungen. Insofern erfüllt dieser Beschluss aus Sicht der Hansestadt Rostock nicht seine Aufgabe, Recht zu sprechen.“ Intern ist zudem bekannt, dass Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling alles ihm Mögliche daran setzen würde, Latchinian nicht mit diesem juristischen Sieg davonkommen zu lassen. Und so lange es kein endgültiges Urteil gibt, ist Latchinian – anders als er selbst es darstellt – auch nicht wieder in sein Amt installiert.

Symbolträchtig hatte der Vorsitzende Richter Christian Möllenkamp die Urteilsverkündung für 11.55 Uhr, also für „fünf vor zwölf“ anberaumt. Dann teilte er lediglich mit, die fristlose Kündigung sei unwirksam. Dies zu begründen, überließ er der Gerichts-Sprecherin.

Zwar hat Latchinian seine Pflichten als Geschäftsführer verletzt, als er den Betriebsrat im vergangenen Mai über vertrauliche Pläne seines Ko-Geschäftsführers Stefan Rosinski informierte. Das Gericht urteilte, dass dies nicht schwer genug wiege, um ihm fristlos kündigen zu können. Die Stadt hatte Latchinian vier weitere mutmaßliche Pflichtverletzungen zur Last gelegt. Die fallen laut Gericht nicht ins Gewicht. Die öffentliche Kritik Latchinians an der Theaterpolitik der Stadt sei von der Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt. Auch sei entschuldbar, dass er im Frühjahr noch keine Pläne für die nächste Theatersaison vorgelegt hatte.

Unterdessen ist Latchinian offenbar bereit, den Rechtsstreit zu beenden, wenn die Stadt ihm eine Abfindung zahlt. Hätte er seinen Vertrag bis 2019 erfüllen können, so der Ex-Intendant, hätte das Theater ihm noch ein Gehalt von insgesamt rund 400 000 Euro zahlen müssen. Da „ich mich nicht bereichern will“ und er den Theateretat nicht belasten wolle, habe er der Stadt vor vier Wochen leider vergeblich angeboten, sich mit 200 000 Euro zufrieden zu geben.