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„Pizza“ gestorben Gekämpft und doch verloren

Von klik | 28.02.2018, 21:00 Uhr

Trotz Stammzellspende war der Krebs stärker als Christian Paeseler alias „Pizza“ aus Wöbbelin

Der Tag der Wintersonnenwende sollte auch zum Wendepunkt in seinem Leben werden: Am 21. Dezember wurden Christian Paeseler aus Wöbbelin die Stammzellen eines anonymen Spenders transplantiert. Knapp zwei Monate zuvor hatten Freunde des auch als „Pizza“ oder „DJ Synchron“ weit über seinen Heimatort hinaus bekannten jungen Mannes öffentlich zu einer großen Typisierungsaktion für den an Blutkrebs Erkrankten aufgerufen. Mehr als 1300 Menschen aus Schwerin und Umgebung beteiligten sich daran. Und tatsächlich fand sich ein genetischer Zwilling. Alles sah nach einem glücklichen Ende aus. Doch nun hat „Pizza“ den Kampf gegen die heimtückische Krankheit doch verloren. Am Dienstag postete seine Lebensgefährtin Vanessa Assmann auf der Facebook-Seite „Stammzellen für Pizza“: „Unser geliebter Vater, Lebensgefährte, Familienmitglied und Freund Christian hat den schweren Kampf leider verloren.“

Eine Nachricht, die viele Menschen betroffen gemacht hat – auch Rouven Pohl. Er gehörte zu den besten Freunden von „Pizza“ und hatte die Typisierungsaktion in Schwerin zusammen mit Jenny Jahnke und Jens Schwarzer organisiert. „Es ist so bedauerlich, dass Pizza jetzt gestorben ist. Die Spendersuche war so erfolgreich und auch nach der Transplantation sahen die Anzeichen zunächst positiv aus. Und nun hat eine einfache Infektion alles zerstört. Am meisten tut mir jetzt seine Lebensgefährtin leid. Sie hat so gekämpft“, sagte Rouven Pohl gestern.

Die Facebook-Seite „Stammzellen für Pizza“ dokumentiert, wie sehr auch der 40-Jährige, seine Familie, Freunde und selbst viele gar nicht persönlich mit ihm bekannte Menschen in den letzten Monaten um sein Leben gekämpft haben. Christian Paeseler hatte die Seite selbst gestaltet. „Es geht hier nicht alleine um mich. Es liegen genug Patienten auf Stationen, weltweit. Sie warten seit Monaten auf einen passenden Spender“ begründete er im Herbst, weshalb er auf diesem Weg an die Öffentlichkeit ging.

Zum Schluss hatte die Seite mehr als 3700 Abonnenten. Das Verteilen von Flyern wurde ebenso darüber organisiert wie Fahrgemeinschaften zur Typisierung. Firmen und Vereine meldeten sich als Unterstützer. Und trotz der eigenen schlimmen Situation warb Christian Paeseler hier auch um Hilfe für andere. So verwies er unmittelbar nach „seiner“ Typisierungsaktion auf eine weitere, bei der auch für den 29-jährigen André aus Wittenburg ein genetischer Zwilling gefunden werden sollte.

„Pizza “ selbst meldete sich auf der Facebookseite anfangs regelmäßig zu Wort, teilte dort auch sehr emotionale Momente: Einmal riss er aus dem Krankenhaus aus, um noch einmal einen Sonnentag mit seiner Freundin genießen zu können. Ein anderes Mal ließ er aus dem Klinikfenster einen Papierflieger zu seinem Sohn hinabsegeln.

Sein letzter eigener Eintrag datiert vom 28. November. Zu diesem Zeitpunkt wusste Christian Paeseler bereits, dass ein potenzieller Spender gefunden wurde. „Die letzten 2 1/2 Wochen waren nicht so schön. In Worten nicht zu beschreiben. Ich habe mich durchgekämpft und heute geht es mir schon wieder besser… Am 21. 12. habe ich Stammzellen Transplantation… Der 21. 12. ist auch ein Glückstag. An dem Tag ist Sonnenwende und damit der kürzeste Tag im Jahr, ab da werden die Tage wieder länger und es geht nur noch bergauf…“

Doch für „Pizza“ endete der Weg nach oben abrupt. Seine Lebensgefährtin schreibt auf Facebook: „Jeder der Christian kennt, weiß das er ein Kämpfer war. Und das bis zur letzten Sekunde… Im Herzen wird er immer bei uns sein und ab heute von oben auf uns Acht geben…“