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Die Viezer Heide – eine schutzbedürftige Kulturlandschaft Gehegt und gepflegt in den Winter

Von Franca Niendorf | 16.09.2011, 12:12 Uhr

Quadratmeter für Quadratmeter dringen Michael Rösler und seine fünf Kollegen mit ihrer Motorsäge vor in Richtung Wald. Der kräftige Wind fegt ihnen um die Ohren.

Quadratmeter für Quadratmeter dringen Michael Rösler und seine fünf Kollegen mit ihrer Motorsäge vor in Richtung Wald. Der kräftige Wind fegt ihnen um die Ohren. "Vorsicht", ruft der grauhaarige Arbeiter. Einmal mit der Säge angesetzt, fällt die nächste Birke in der Viezer Heide zu Boden. "Birken und Kiefern sind immer die ersten, wenn es etwas zu besiedeln gibt", sagt Revierförster Matthias Fiedelmann. "Um aber die Heide zu erhalten, müssen wir die Gehölze zurückdrängen." Diese 70 Hektar große Kulturlandschaft sei nämlich nicht nur ein beliebter Erholungsraum, der Wanderern mit seiner Weite eine willkommene Abwechslung auf ihren Waldspaziergängen bietet. Das Areal ist zudem Teil des 2519 Hektar großen FFH-Schutzgebietes "Sude mit Zuflüssen", das schützenswerte Tier- und Pflanzenarten beherbergt.

Der Fachmann spricht von "Bodenverwundung"

Deshalb wird die Viezer Heide schon seit Mitte der 1990er Jahre permanent unterhalten und gepflegt - durch Rodung wie in diesem Jahr, durch kontrolliertes Abbrennen, aber auch mittels eines großen Mulchers, der die Oberfläche beackert. Der Fachmann spricht in diesem Fall von "Bodenverwundung", ähnlich wie es bis zur Wende die Panzer der sowjetischen Truppen in diesem Gebiet getan haben. Nur dadurch entstand damals auch die Heide. "Wir haben arme sandige Böden hier", erklärt Matthias Fiedelmann.

"Beste Bedingungen" für das blühende Kraut, das sich nach Abzug der Armee 1993 auf dem ehemaligen Übungsplatz ausbreitete. "Wald konnte sich dort zunächst nicht entwickeln, weil Nährstoffe fehlten." Doch die brach liegende Fläche wurde über die Jahre reichhaltiger, sodass das Gebiet zeitig gepflegt werden musste. "Das begann Ende der 1990er Jahre", so der Revierförster. Nach einer Schutzrichtlinie der EU von 1992 habe man sich dann auch für die Ausweisung der Heide als Schutzgebiet eingesetzt, was dann ab 2004 endgültig von einer Kommission bestätigt wurde. Seitdem unterhält das Forstamt Radelübbe die Viezer Heide nach einem speziellen Managementplan in Abstimmung mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt.

"Alle Bäume mit grünem Punkt bleiben stehen", sagt Förster Fiedelmann zu den sechs Mitarbeitern der Gemeinnützigen Ludwigsluster Projektgesellschaft (GLP), die sich in diesem Jahr um die Rodung kümmern. "In Ordnung", sagt Wolfgang Rumler aus Bakendorf, der soeben eine gefällte Birke wegträgt. "Einzelne Kiefern müssen unbedingt bleiben", erklärt Fiedelmann. "Als Sitzwarte für den Ziegenmelker." Der Vogel fühle sich zwar genau in dem flachen Lebensraum wohl, brauche aber solche Erhöhungen zum artgerechten Leben.

Etwa 15 Hektar schaffen die Mitarbeiter jedes Jahr, ob durch Roden, Mulchen oder Abbrennen. Nicht ganz so viel Fläche kann der Munitionsbergungsdienst in dieser Zeit durchsuchen - eine weitere Herbstaufgabe in der Viezer Heide. Vier Hektar waren es kürzlich. Dabei wurden vier 75 Kilogramm schwere Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. "Alle voller Sprengstoff", sagt Fiedelmann. "Die Gefahr außerhalb der Hauptwege ist also noch real", weshalb überall Warnschilder stehen. 300 Hektar rund um die Heide seien noch nicht abgesucht - "Jedes Jahr also viel zu tun", so das Fazit des Revierförsters.