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Sanierungspläne Galeria Karstadt Kaufhof droht radikaler Kahlschlag

Von dpa | 27.05.2020, 19:19 Uhr

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof befindet sich in einer großen Krise – ein radikaler Kahlschlag droht.

Die Corona-Krise hat die ohnehin schon angeschlagene Warenhauskette Karstadt Kaufhof schwer getroffen. Nach einer Einschätzung der Sanierer ist gut ein Drittel der Warenhäuser nicht zu retten. Doch welche Filialen im Norden werden von den Schließungen betroffen sein?

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Wie viele Filialen müssen geschlossen werden?

"Von den insgesamt 172 Warenhäusern könnten am Ende im Idealfall vielleicht fast zwei Drittel weiter machen", sagte der vorläufige Sachwalter der Warenhauskette Frank Kebekus der "Wirtschaftswoche". Das würde die Schließung von mindestens 58 Häusern bedeuten.

"Wir haben allen Beteiligten klar gemacht, dass 80 Häuser "im Feuer" stehen» sagte Kebekus. Doch gebe es für mehr als ein Dutzend dieser Filialen noch Hoffnung. "Wenn es für diese Standorte noch Zugeständnisse von Vermietern und anderen Beteiligten gibt, kann es dort durchaus weiter gehen", sagte Kebekus. Andere Filialen seien dagegen selbst durch Zugeständnisse der Vermieter und der Beschäftigten nicht zu retten. "Es gibt Warenhäuser, die sich nicht profitabel betreiben lassen, selbst wenn das Unternehmen keinen Cent Miete zahlen müsste."

Wie reagiert Verdi?

Die Gewerkschaft fordert ein Eingreifen des Staates. "Es ist jetzt Zeit für eine politische und finanzielle Unterstützung für die Beschäftigten durch die Politik in den Kommunen, Gemeinden sowie Landesregierungen und der Bundesregierung", sagte Verdi-Verhandlungsführer Orhan Akman nach einer Sitzung der Tarifkommission für den Warenhauskonzern am Dienstag in Essen. Unterstützung sei auch "in Form von Staatshilfen" erforderlich, betonte Akman.

Die bisher vorgelegten Überlegungen für eine Sanierung nannte Akman "ideenlos, unkreativ und eine Missachtung von 35.000 Beschäftigten und ihren Familien". Es seien keinerlei neue Ideen für ein tragfähiges, nachhaltiges Zukunftskonzept präsentiert worden. Das Konzept spreche dieselbe Sprache wie die bisherigen Pläne des Managements mit Personalabbau und Lohnkürzungen.

Die Gewerkschaft wolle sich den verabredeten Gesprächen über die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof dennoch nicht verschließen, hieß es weiter. "Vom Eigentümer und den Gesellschaftern erwarten wir Investitionen in die Zukunft der Warenhäuser sowie eine detaillierte Investitionsplanung. Weitere massive Eingriffe in die bestehenden Löhne und Gehälter sind keine Lösung", erklärte die Tarifkommission.

Welche Rolle spiel die Corona-Pandemie für die Krise des Konzerns?

Die Corona-Krise hat die Warenhauskette in eine äußerst schwierige Situation gebracht. "Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen", sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Der Konzern könne deshalb nur durch harte Einschnitte überleben.

Warum geht es Karstadt Kaufhof so schlecht?

Den Warenhäusern geht es bereits seit Jahren nicht mehr gut und Modernisierungen wurden lange versäumt. "Das Warenhaus wird von mehreren Seiten bedroht: vom Onlinehandel, von Spezialanbietern für wichtige Sortimente und durch ein verändertes Käuferverhalten. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht stoppen", sagte Christian Schulz-Wulkow von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Wie soll es weiter gehen?

Bis Ende 2022 soll der verlustreiche Warenhauskonzern nach den Plänen der Sanierer wieder Gewinn erzielen. Mit den Vermietern verhandele man bereits über Mietnachlässe. Auch Karstadt-Kaufhof-Eigentümer René Benko soll dabei nicht verschont werden. Die Filialen seiner Immobiliengruppe Signa seien von Schließungen allerdings "sicher unterdurchschnittlich betroffen, weil Signa tendenziell eher die besseren Objekte besitzt, also solche, die sich rechnen", sagte Kebekus. Gleichwohl würden auch Zugeständnisse von Signa erwartet.

Ein nochmaliger Verkauf des Warenhauskonzerns ist dagegen für die Sanierer zurzeit keine Alternative. "Aktuell gibt es niemanden, der das Unternehmen übernehmen will. Wir rechnen auch nicht damit, dass noch jemand Interesse anmeldet", sagte Kebekus. Benko bleibe in der jetzigen Phase "der einzige, der die Bereitschaft signalisiert hat, viel Geld in die Sanierung von Karstadt-Kaufhof zu stecken".

Bereits Ende Juni soll nach den Plänen von Geiwitz und Kebekus im Detail feststehen, wer welche Beiträge zur Sanierung leistet und im Anschluss ein Insolvenzplan erstellt werden, über den die verschiedenen Gläubigergruppen im Juli abstimmen.

"Wenn der Insolvenzplan abgelehnt wird, dann wird wahrscheinlich alles zugesperrt, so wie bei Schlecker", warnte Geiwitz. Derzeit gehe er jedoch davon aus, dass Kaufhof und Karstadt erhalten bleiben. "Trotz aller Probleme ist der Warenhauskonzern zu retten, wenn auch nicht unbedingt in seiner heutigen Form", sagte er.