Ein Angebot des medienhaus nord

Kindertagesstätte Arche Noah in Stralsund Fünfjährigen vorm Ertrinken gerettet

Von Sabrina Panknin | 21.10.2011, 08:54 Uhr

Obwohl sie nicht schwimmen kann, ist Erzieherin Anke Schmook in einen zwei Meter tiefen Teich gesprungen, um einen fünfjährigen Jungen zu retten.

Obwohl sie nicht schwimmen kann, ist Erzieherin Anke Schmook in einen zwei Meter tiefen Teich gesprungen, um einen fünfjährigen Jungen zu retten.

Zusammen mit zwei weiteren Erzieherinnen hatte sie Spätschicht in der Kindertagesstätte Arche Noah in Stralsund, als zwei Kita-Kinder am Donnerstag ausbüxten und über einen ein Meter hohen Zaun kletterten, um auf das Nachbargrundstück zu gelangen. Auf dem Gelände des Betreuten Wohnens befindet sich ein Teich, in den der Junge gefallen war. Die Erzieherin hatte das Mädchen am Zaun weinen hören und den Jungen im Teich liegen sehen. "In dem Moment habe ich an gar nichts gedacht, sondern bin einfach nur rein ins Wasser und habe den Jungen herausgezogen", sagt Anke Schmook. Und das obwohl die 43-Jährige - wie sie selbst sagt - nur paddeln könne. "Ich kann nicht wirklich gut schwimmen, aber das war in dem Moment einfach egal", sagt die Erzieherin weiter. Nachdem sie den Fünfjährigen aus dem Wasser gezogen hatte, war schon eine Kollegin vor Ort. Gemeinsam legten sie den Jungen auf die Seite und leisteten Erste Hilfe, bis der Krankenwagen vor Ort war. Der Fünfjährige war in ein Krankenhaus gebracht und dort weiter medizinisch behandelt worden.

Einen Tag später kann Anke Schmook ihre Gefühle immer noch nicht in Worte fassen. Was in dem Moment in ihr vorging, kann sie nicht sagen, der Schock sitzt immer noch sehr tief. Das Mädchen, das am Zaun stand und um Hilfe gerufen hatte, war gestern früh wieder in den Kindergarten gekommen, wie Eginhard Gaebel, Geschäftsführer des Sozialdiakonischen Zentrums Stralsund, berichtet. "Auch die Erzieherinnen, die dabei waren, haben ihren Dienst wieder angetreten", sagt Eginhard Gaebel.

An diesem Nachmittag waren drei Erzieherinnen vor Ort, die 14 Kinder betreuten. "Unser Personalschlüssel ist sehr gut", sagt Schmook. Dennoch ist es zu dem Unfall gekommen. "Wir waren gerade beim Aufräumen, als es passiert ist. Aber es ging nur um wenige Minuten", so die Erzieherin. Die Mutter des Jungen habe am Telefon geweint, doch noch am gleichen Tag hätte sie den Erzieherinnen ihren Dank ausgesprochen. "Die Mutter sagte, er klettere immer irgendwo hinüber. Sie ist einfach froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagt Retterin Anke Schmook. Zusammen mit ihren Kollegen wolle sie den kleinen Knirps besuchen, um sich davon zu überzeugen, dass es ihm wieder gut geht. Die Kita-Leitung wird aus dem Vorfall ihre Konsequenzen ziehen. Das Leitungsteam will sich in der kommenden Woche zusammensetzen und darüber bestimmen, was mit dem Teich beim Betreuten Wohnen passiert. "Ich bin mir sicher, dass wir den Teich zuschütten", so der Geschäftsführer.

Gestern früh war die Kriminalpolizei in der Kita und untersucht nun den Vorfall. "Das ist ein ganz normales Vorgehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verletzung der Aufsichtspflicht", sagt Stralsunds Polizeisprecher Steffen Stubbe. Anke Schmook weiß, dass alle Kollegen das Gleiche getan hätten. Dennoch fühlte sie sich nicht wohl dabei, als die Kripo im Haus war. "Aber sie müssen ja ermitteln", sagt die 43-Jährige.