Ein Angebot des medienhaus nord

Leere Stadtkassen Friedhofsgebühren steigen kräftig

Von thvo | 25.02.2014, 07:29 Uhr

Wismar erhöht um 30 Prozent / Schwerin nimmt für Erdwahlgrabstelle 1383 Euro

Umsonst ist nur der Tod? Irrtum! In Mecklenburg-Vorpommern erhöhen Kommunen die Friedhofsgebühren zum Teil drastisch. Beispiel Wismar: Seit diesem Monat bezahlen Angehörige in der Hansestadt für eine sogenannte Sargwahlgrabstelle mit 25-jähriger Liegezeit 643,50 Euro statt wie bisher 495 Euro – eine Steigerung um satte 30 Prozent.

Auch Schwerin greift seinen Bürgern bei den Friedhofsgebühren seit April 2013 tiefer in die Tasche. Kostete eine Erdwahlgrabstelle vor April noch 1108 Euro, so sind es heute 1383 Euro. Damit müssen die Hinterbliebenen in der Landeshaupstadt für ein Sargbegräbnis doppelt so viel bezahlen wie im nur 30 Kilometer entfernten Wismar. Urnengräber kosten in beiden Städten zwischen 400 und 500 Euro.

Auch in anderen Landesteilen sind die Unterschiede gravierend. Rostocker zahlen für ein Erdwahlgrab 940 Euro. Greifswald nimmt 1445 Euro.

Für die Kommunen sind Friedhofsgebühren eine sichere Einnahmequelle, die angesichts klammer Kassen immer stärker ausgeschöpft wird. „Wenn Gemeindekassen leer sind, ist die Verlockung groß“, sagte Matthias Wins von der Neuen Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommerns. Personal, Wasser und Strom sind in den vergangenen Jahren für die Friedhofsträger zwar teurer geworden. Doch die gravierenden Gebührenunterschiede seien allein mit den Kosten nicht zu erklären.

Torsten Lange, Landesvorsitzender des Bestatterfachverbandes Mecklenburg-Vorpommern, ist bisher kein Fall bekannt, in dem es offensichtlich wurde, dass Gemeinden ihre Haushalte auf Kosten der Toten sanieren. „Aber ich kann nicht für alle Kommunen meine Hand ins Feuer legen.“

Als eine weitere Ursache für den Gebührenanstieg sehen Experten auch die mangelhafte Kalkulation der Friedhofsträger. „Der Trend zum günstigen Urnengrab, den man seit Jahren beobachten kann, wird von vielen nicht erkannt“, sagte Fabian Schaaf-Mehta vom Internetportal Bestattungen.de. Viele Friedhöfe würden unter fehlenden Einnahmen leiden, weil teure Sarggräber immer seltener gewünscht werden. Mit höheren Gebühren werde versucht, diese Verluste auszugleichen.

Seite 23