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Öffentliche Belobigung Frau vor bissigen Hunden gerettet

Von klik | 20.02.2019, 20:00 Uhr

Wismarer Ehepaar befreite Frau aus den Fängen bissiger Hunde. Heute gab es dafür eine öffentliche Belobigung

Der 26. Oktober 2016 wird Britta und Ronald Bohm sicher ebenso lange in Erinnerung bleiben wie der 20. Februar 2019. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte die Eheleute aus Wismar am Mittwoch in die Staatskanzlei nach Schwerin eingeladen, um ihnen einen öffentliche Belobigung auszusprechen. Beide hatten vor knapp anderthalb Jahren ihre Gesundheit, möglicherweise sogar ihr Leben riskiert, um eine Frau aus höchster Gefahr zu retten.

Opfer lag bereits blutend auf dem Boden

Am 26. Oktober 2017, einem Donnerstag, hörten Bohms vor ihrem Haus in Wismar laute Hilferufe. Roland Bohm lief sofort nach draußen und traute seinen Augen kaum: Direkt vor dem Grundstück wurde eine Frau von zwei Hunden attackiert. Das Opfer lag bereits blutend auf dem Boden. Die Hunde waren, wie sich später herausstellte, über den Zaun eines benachbarten Grundstücks gesprungen und hatten die Spaziergängerin, die den eigenen Hund ausführte, unvermittelt angegriffen.

Ronald Bohm war sofort klar: Die Frau konnte sich allein nicht aus der misslichen Situation befreien. Ohne zu zögern eilte er ihr zur Hilfe, versuchte, sie mit Schreien und Tritten von den großen, schweren Hunden zu befreien. Doch erst, als seine Frau geistesgegenwärtig zu einem Schneeschieber und einem Knüppel griff, gelang es, zunächst einen und dann auch den zweiten Hund vom Opfer zu lösen. Bohms alarmierten daraufhin die Polizei und den Rettungsdienst, die sich weiter um die schwerverletzte Frau kümmerten.

Sich selbst in Gefahr begeben

„Mit ihrem beherzten Einsatz konnten Frau und Herr Bohm die Frau vor weiteren schweren Verletzungen schützen. Sie haben sich dabei selbst in Gefahr begeben. Das ist nicht selbstverständlich. Sie haben großen Mut und Tapferkeit bewiesen. Darauf können sie beide stolz sein“, lobte die Ministerpräsidentin. Sie sei davon überzeugt, dass eine Gesellschaft nur mit Menschen, die aufeinander achtgeben und füreinander da sind, wenn es notwendig ist, lebensfähig und lebenswert ist, so Schwesig. „Das ist die Gesellschaft, die ich mir in Mecklenburg-Vorpommern wünsche.“

Auch das heute 62-jährige Opfer des Hundeangriffs war am Mittwoch zu der Feierstunde nach Schwerin gekommen – und fiel seinen Rettern noch einmal in aller Öffentlichkeit um den Hals. Nach der selbstlosen Rettungstat musste die Wismarerin mehrfach operiert werden – und ist dennoch heute nur noch eingeschränkt erwerbsfähig. Gegen den Halter der beiden Hunde hat sie Strafanzeige gestellt.

Seltene Ehrung

Eine öffentliche Belobigung wird in Mecklenburg-Vorpommern nur selten ausgesprochen. Rechtsgrundlage ist das „Gesetz über die staatliche Anerkennung von Rettungstaten“, mit dem das Land seit 1992 die Möglichkeit hat, außergewöhnliche Einsätze öffentlich zu honorieren. Danach kann an Personen, die unter besonders schwierigen, mit eigener Lebensgefahr verbundenen Umständen Menschen aus Lebensgefahr gerettet oder eine der Allgemeinheit drohende erhebliche Gefahr abgewendet und dabei ein besonderes Maß an Mut und Opferwilligkeit gezeigt haben, die Rettungsmedaille des Landes verliehen werden. Ist die Rettungstat unter minderschwerer Lebensgefahr durchgeführt worden oder trotz opferbereiten Einsatzes erfolglos geblieben, wird eine öffentliche Belobigung ausgesprochen. Sie gibt es auch dann, wenn dem Betreffenden früher schon einmal eine Rettungsmedaille verliehen worden ist. Seit 2015 wurden in Mecklenburg-Vorpommern sieben Rettungsmedaillen verliehen, davon zwei im Jahr 2018. Öffentliche Belobigungen gab es im gleichen Zeitraum fünf, eine 2018 – und zuletzt gestern die beiden für Britta und Ronald Bohm.