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Schwerin: Familienpass 2010 Familienfreundlichkeit - was ist das?

Von Maren Ramünke-Hoefer | 28.12.2010, 11:11 Uhr

Rein äußerlich kam der Familienpass 2010 vielversprechend daher. Im 850-Jahre-Design versprach er "Freizeit, Erholung, Spiel und Spaß". Doch wer ihn durchblätterte, zog bald die Stirn in Falten.

Viele Schweriner hatten sich "familienfreundliche Angebote" anders vorgestellt. Da sponserte der Nahverkehr beispielsweise eine Betriebsbesichtigung statt Kinderfahrscheine. Der Zoo lockte mit einem schwer definierbaren "Schnuppergutschein zu bestimmten Zeiten". Vom Schlossparkcenter kam ein 20-prozentiger Bonus für den Neuerwerb einer Parkwertkarte, von der Kita gGmbH reduzierte Eingewöhnungsstunden. 13 Anbieter bringen es auf insgesamt 24 unterschiedliche Coupons. Doch Kindertobeland, Restaurantermäßigungen, günstige Kinobesuche, Shopping-Gutscheine, Freikarten für Puppen im Park oder andere spezielle Familienaktionen in Schwerin: Fehlanzeige.

Der erste Schweriner Familienpass war ein Versuchsballon - und ist abgestürzt. So tief, dass die Stadtverwaltung ihn nicht noch einmal starten möchte. Nicht mal 300 von gedruckten 4000 Pässen wurden abgeholt, kaum ein Coupon eingelöst. Dabei gibt es in Schwerin mehr als 8000 Haushalte bestehend aus mindestens einem Erwachsenen und Kind, bzw. Kindern, die den Familienpass nutzen dürften.

Im Hauptausschuss legte die Verwaltung jetzt einen Beschlussvorschlag vor, der das endgültige Aus für den Pass besiegeln soll. Dort heißt es im Wortlaut: "Das Konzept für einen Familienpass wird nicht weiter verfolgt. Die Oberbürgermeisterin wird aufgefordert, weitere familienfreundliche Angebote in den Institutionen und Unternehmen der Landeshauptstadt Schwerin zu entwickeln. Die familienfreundlichen Angebote der Landeshauptstadt sind benutzerfreundlich im Internet zu präsentieren." In einer Anlage werden bestehende Beispiele aufgeführt, die in Schwerin allerdings schon seit Jahren praktiziert werden - dabei handelt es sich vor allem um bewährte Familien- oder Kindertarife in Zoo, Museen, Theater, beim Nahverkehr und in der Stadtbibliothek.

Die CDU-Fraktion, die im Jahr 2008 den Antrag eingebracht hatte, einen Familienpass nach Neubrandenburger Vorbild auch für Schwerin einzuführen, will sich mit dem frühzeitigen Ende aber nicht zufrieden geben. Ihre These: Der Bedarf in Schwerin ist da, sowohl bei Unternehmen, etwas Besonderes für ihre Kundschaft zu tun, als auch bei den Familien selbst. "Ich kann wirklich nicht ganz nachvollziehen, warum er jetzt schon eingestellt werden soll", sagt CDU-Fraktionschef Sebastian Ehlers. Er hofft auf weitere Diskussionen in den zuständigen Fachausschüssen. Dorthin wurde der Antrag der Verwaltung nämlich erstmal verwiesen. Voraussichtlich Mitte Februar soll er dann in der Stadtvertretung behandelt und abgestimmt werden.