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Nach Absturz bei Malchow Eurofighter-Wracks für Abtransport freigegeben

Von Winfried Wagner | 29.06.2019, 10:48 Uhr

Untersuchungen an der Unfallstelle abgeschlossen. Ursache des Zusammenstoßes der Flugzeuge weiter unklar.

Die Bergung der beiden Eurofighter-Flugzeugwracks an der Mecklenburgischen Seenplatte kann beginnen. Wie ein Sprecher der Bundesluftwaffe in Berlin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur sagte, hat die Flugsicherheit ihre Untersuchungen an den Unfallstellen bei Nossentiner Hütte und Nossentin abgeschlossen. Damit seien die Rümpfe der Unglücksmaschinen für den Abtransport freigegeben. Die Unfalluntersuchung laufe allerdings noch weiter.

Die zuständige Sonderabteilung General Flugsicherheit gehört zum Luftfahrtamt der Bundeswehr. Sie wertet unter anderem noch die Daten der Flugschreiber aus, hört Zeugen an und analysiert die geborgenen Wrackteile.

Nun prüfen die Verantwortlichen, wie man schwere Bergetechnik an die Absturzorte bekommt, sagte der Sprecher. Die Eurofighter-Maschinen waren am Montag mit einem dritten Flugzeug zu einem Luftkampfmanöver über der Müritzregion unterwegs. Zwei Maschinen stießen in der Luft zusammen und stürzten ab. Die dritte Maschine blieb unversehrt. Ein 27-jähriger Pilot starb. Der Flugzeugführer der zweiten Unglückmaschine, ein erfahrener Ausbilder, konnte sich per Fallschirm  retten, wurde aber verletzt.

Trümmerteile neben der Kita

Das Wrack des getöteten Piloten liegt in einem Waldstück bei Nossentin, das andere etwa vier Kilometer Luftlinie weiter westlich an einem Feld dicht bei Nossentiner Hütte, wo im Ort etliche Trümmerteile gefunden wurden, auch neben dem Kindergarten. Die Wracks müssten nun gefahrlos verladen und weggefahren werden können. Diese Vorbereitung könne aber noch etwas dauern.

Ein Eurofighter wiegt leer etwa elf Tonnen und ist im Normalfall 16 Meter lang und hat eine Spannweite von 11 Metern.

Räumung der Wrackteile dauert mindestens zwei Wochen

Insgesamt werde die Suche nach Wrackteilen und die gesamte Räumung der Absturzstellen aber noch mindestens zwei Wochen dauern - und damit länger als zunächst erwartet, sagte die Bürgermeisterin von Nossentiner Hütte Birgit Kurth. Das hätten Luftwaffe und Bundeswehr auf einem internen Treffen mit rund 200 Bürgern am Freitagabend erklärt.

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Gründe seien die komplizierte Ursachenermittlung, Wasser- und Bodenanalysen und der Austausch von kontaminierter Erde an den Absturzstellen. Vor allem die Straße und der viel genutzte Radweg zwischen Jabel und Silz seien betroffen. Um Nossentiner Hütte sollen die Verkehrswege schneller wieder geöffnet werden. „Das war ein sehr sachlicher Austausch“, schilderte Bürgermeisterin Birgit Kurth die Atmosphäre auf dem Treffen.

Spezialfirma reinigt kontaminierte Feuerwehren

Als eine der wichtigsten Maßnahmen sollen zügig Fahrzeuge mehrerer Wehren von einer Spezialfirma gereinigt werden, die diese beim Löschen mit gesundheitsschädlichen Kunststofffasern der brennenden Flugzeuge kontaminiert wurden. „Die Feuerwehren müssen wieder einsatzbereit sein.“ Die Bundeswehr habe betont, dass gesundheitsschädliche Substanzen vor allem durch den Qualm an den Absturzstellen freigesetzt worden seien.

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Die Anwohner könnten Obst und Gemüse aus ihren Gärten ohne Bedenken nutzen. Insgesamt wurden vier Feuerwehrleute bei dem Großeinsatz verletzt. Das Unglücksgebiet ist militärisches Sperrgebiet, das von Feldjägern gesichert wird.

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Chaos im Moor


Die Bundeswehr und ihr Krisenmanagement – Erinnerungen an den Moorbrand von 2018 werden wach. Rückblick: Die Bundeswehr warf Raketen aus einem Hubschrauber ab, der ausgedörrte Torf fing Feuer. Die Soldaten bekamen die Flammen nicht in den Griff, Hilfe von außerhalb riefen sie erst spät. Wochenlang brannte das Moor im Emsland, zwischenzeitlich auf einer Fläche von 1000 Fußballfeldern, bis zu 1600 Feuerwehrleute waren im Einsatz, die Rauchfahne zog mehr als 100 Kilometer weit – und die Anwohner hatten Angst. Vor Gift, Rauch, Radioaktivität.Doch von der Bundeswehr kamen zunächst nur spärlich Informationen. Zu Spekulationen führte, dass die Bundeswehr die Umgebung nach Spuren von radioaktiver Strahlung und Quecksilber untersuchen ließ. Ein Bericht gab spät Entwarnung: Für die Feuerwehrleute und die Bevölkerung habe keine akute Gesundheitsgefahr bestanden. Dies gelte auch für Belastungen mit Quecksilber oder Radioaktivität. Im Februar 2019 setzte die Bundeswehr die Schießübungen fort.


Fiese Fasern


Um Gewicht zu sparen, sind Eurofighter aus modernsten Werkstoffen gebaut. Zum Beispiel Kohlestofffasern und Glasfasern. Sie werden auch Carbon genannt. Im Schadenfall können sie eine gesundheitsschädliche Wirkung entfalten. Das gilt insbesondere bei Bränden mit einer Temperatur von mehr als 650 Grad. Die dann freigesetzten Stoffe gelten als krebserzeugend. Dazu schreibt die „Deutsche Feuerwehr-Zeitung“: „Nach aktuell gültigem Gefahrstoffrecht […] sind sie als krebserzeugend, Kategorie 3 („Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben“) eingestuft. Bei einem Einsatz wird unter anderem empfohlen, einen Augen- und Atemschutz zu tragen und dass kontaminierte Kleidung zu keiner Verschleppung der Fasern führt.

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