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Kultur Erster Literaturpreis MV verliehen

Von Antje Kindler | 12.12.2016, 06:00 Uhr

Sechs Finalisten lesen im Festsaal des Rathauses Auszüge aus ihren Werken. Fachjury und Publikum küren Sieger in zwei Kategorien.

Zum ersten Mal ist am Wochenende der Literaturpreis MV 2016 vergeben worden. Im Festsaal des Rathauses präsentierten die sechs Finalisten dem Publikum am Sonnabend Auszüge aus ihren Werken. „Mit dem Preis wollen wir das geschriebene literarische Wort im nordöstlichen Raum würdigen“, sagt Gerline Creutzburg, Direktorin des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop. Zusammen mit dem Literaturhaus Rostock, dem Literaturzentrum Vorpommern im Koeppenhaus in Greifswald, dem Freiraum-Verlag sowie dem Literaturrat MV hat das Künstlerhaus den Preis ins Leben gerufen. „Unser Anliegen ist nicht nur die Entstehung von Literatur zu fördern, sondern auch Stimmen bekannt zu machen und zu publizieren“, so Creutzburg weiter.

Mit großer Einstimmigkeit wählte die Jury – besetzt mit Redakteurin Anne Blaudzun, Literatur- und Theaterkritikerin Wiebke Porombka sowie Literaturkritiker Moritz Baßler – die Nominierten Okke Baumbach, Kai Grehn, Mathias Jeschke, Johanna Sailer, Marion Skepenat und Katrin-Heidelk aus den 104 Bewerbungen aus. Am Ende aber überzeugte Kai Grehn die Jury mit dem Auszug aus seinem Prosa-Manuskript „Funken oder so glücklich wie wir ist kein Mensch unter dieser Sonne“. Die Musikalität und Leichtigkeit seiner Worte sowie die Fähigkeit, den Leser mit seinen Zeilen in einen leichten Glücksrausch zu versetzen, honorierte die Jury mit dem ersten Platz. Der Preis beinhaltet einen einmonatigen Arbeitsaufenthalt im Künstlerhaus Lukas mit einem Stipendiengeld über 2000 Euro sowie eine Lesereise durch Literaturhäuser und Bibliotheken in MV. „Das heute und die Möglichkeit, sorgenfrei zu arbeiten, ist ein großes Geschenk für mich“, so Grehn. Neben der Jury durfte auch das Publikum seinen Favoriten wählen. Der erste Platz ging an Katrin Sobotha-Heidelk, der zweite an Marion Skepenat und der dritte an Johanna Sailer. Alle Finalisten-Texte werden in einer Anthologie im Freiraum-Verlag veröffentlicht.

Kommentar: Die Macht der Worte
Nicht nur mit der Verleihung des Nobelpreises in Schweden an diesem Wochenende wurde der Stellenwert und die Wichtigkeit der Literatur deutlich gemacht, auch hier in der Hansestadt wurde – wenn auch in einem wesentlich kleineren und bescheideneren Rahmen – das geschriebenen Wort gewürdigt. Wie bei der Eröffnungsrede der Preisverleihung hervorgehoben wurde, vermag Literatur das zu bewahren, was das Leben ausmacht. Stimmt. Und welche Kraft Worte haben können, zeigt sich beispielsweise daran, wenn sie beim Lesen Bilder im Kopf entstehen lassen, die die Geschichte beim Leser lebendig werden lassen. Aber sie zeigt sich leider – gerade in jüngster Zeit – auch dann, wenn fadenscheinige Gerüchte, die im Internet auftauchen, plötzlich für bare Münze genommen werden.