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Grand Hotel Heiligendamm Erst Star, dann Insolvenz - und heute?

Von Paul Morzynski | 15.07.2018, 20:45 Uhr

Das Grand Hotel in Heiligendamm ist das Renommierobjekt des Tourismus in MV. Die Führung eines solchen Hotels auf allerhöchstem Niveau ist schwierig. Der Aufwand ist groß, die Rendite gering.

Paul Morzynski kommt ins Schwärmen, wenn er vom Grand Hotel in Heiligendamm spricht. „Es ist schön, einmalig, unwiederbringlich. Hier verbindet sich die Liebe zur Ästhetik mit meiner Tätigkeit.“ Vor fünf Jahren hatte er das Hotel mit seinen zahlreichen Nebengebäuden auf historischem Gelände aus der Insolvenz übernommen. Seither ist es der Truppe um ihn gelungen, das Haus mit dem legendären Ruf als ältestes deutsches Seebad und Schauplatz des G8-Gipfels im Jahr 2007 aus der vorherigen Depression zu holen.

Zufrieden ist der 67-Jährige noch nicht, wie er eingesteht. „Operativ wird nur bescheidenes Geld verdient.“ Das könne kein Dauerzustand sein. „Ich würde bei auskömmlichen Ergebnissen auch gern Steuern zahlen“, sagt Morzynski mit Blick darauf, dass sich sein Engagement „ein bisschen über die Steuer“ rentiert. „Langfristig muss das Ergebnis positiv sein, dies vor dem Hintergrund ständiger Erneuerungen und Investitionen.“

Schwieriges Jahr

Vor allem das vergangene Jahr sei schwierig gewesen, das miese Sommerwetter verhagelte dem Hotel - wie vielen Häusern im Land - die Bilanz. Statt der erhofften 15,5 Millionen Euro Umsatz wurden bei einer Zimmerauslastung von 56 Prozent nur 14,5 Millionen Euro erreicht. „Wir träumen dieses Jahr von 60 Prozent.“ Als er das Haus übernahm, habe die Auslastung bei knapp unter 40 Prozent gelegen.

Der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga kann auch im restlichen Land einen leichten Trend zu mehr Auslastung feststellen. Den Angaben zufolge stieg sie bei Hotels, Gasthöfen und Pensionen im Nordosten von 42,3 Prozent im Jahr 2015 auf 46,6 Prozent im vergangenen Jahr. „Erfahrungsgemäß sind die Auslastungen in Fünf-Sterne-Häusern immer etwas höher als im Branchendurchschnitt“, sagt Verbandspräsident Lars Schwarz.

Neue Investitionen

Seit 2013 setzte Morzynski - in Hannover ist er Chef einer Wirtschaftsprüfungsfirma - in Heiligendamm nach eigenen Angaben 32 Millionen Euro für den Hotel-Kauf und Investitionen ein. „Zimmer, TV, EDV, Fassaden - da kommt schnell ein Millionenbetrag zusammen.“ Investitionen, die die Gäste oft nicht bemerkten - deren Ausbleiben aber sehr wohl, was sich bei der Exklusivität eines Hauses dieser Preisklasse schnell negativ bemerkbar mache. Die Durchschnittspreise pro Zimmer und Nacht lägen bei 220 Euro, im Juli/August bei 300 Euro. Die nächsten Investitionen warten: Personalhäuser mit rund 80 Appartements, eine Gäste-Tiefgarage oder die dringend notwendige Erweiterung des Spa. Morzynski rechnet aktuell mit bis zu zwölf Millionen Euro.

„Es ist gut, dass sich jemand wie Morzynski um Heiligendamm kümmert“, sagt Erst-Investor Anno August Jagdfeld, der 1996 das Ensemble kaufte und 2003 das Hotel eröffnete. Mehr als 200 Millionen Euro wurden investiert, allerdings funktionierten die Pläne nicht. 2012 meldete der dazugehörige Fonds Insolvenz an. Die Anleger verloren viel Geld. „Wir hatten zu viele Gegner, wir hatten keine Unterstützung“, blickt Jagdfeld zurück - mit einem wehen Gefühl, wie er ausdrücklich sagt.

Das Grand Hotel liegt im Bereich der Deutschen Hotelklassifizierung von „Fünf Sterne plus“: Morzynski weiß, dass man da immer und überall perfekt sein muss. „Es könnte in einigen Jahren eine Überlegung wert sein, auf 4 Sterne plus zu gehen, wenn sich unser heutiges Konzept als nicht tragfähig erweisen sollte - was ich nicht hoffe.“

Personalaufstockung

„Wenn man Luxus verkaufen will, dann muss man auch ins Personal investieren“, betont Morzynski. 240 Mitarbeiter zähle das Haus. Sie sind neben der klassischen Hotelarbeit für die Küche unter anderem mit dem Sterne-Restaurant Friedrich Franz von Ronny Sievert, einem weit über die Grenzen der Region bekannten Kulturprogramm und der individuellen und viel gelobten Kinderbetreuung zuständig. Morzynski ist klar, dass mit dieser Mitarbeiterzahl das exklusive Haus an der unteren Grenze fährt. „Wir werden aufstocken müssen.“

Im Moment scheint es eher schwierig zu sein, das Personal zu halten. „Es hat einen Wechsel in der Geschäftsführung gegeben, damit ist eine Veränderung in der Personalstruktur nicht ungewöhnlich“, berichtet Morzynski. Im April hatte Thilo Mühl, zuvor Chef im Schlossgut Gross Schwansee bei Lübeck, den langjährigen General Manager Thomas Peruzzo abgelöst. Es gehöre zur Vita vieler Hotelangestellter, oft den Arbeitsplatz zu wechseln.

„Aktuell haben wir einen absoluten Arbeitnehmermarkt. Jede Fachkraft kann sich den Arbeitgeber aussuchen“, erläutert Dehoga-Präsident Schwarz. Morzynski setzt darauf, dass sich der Wechsel zugunsten langfristiger Arbeitsverhältnisse auszahlt. Gleichzeitig brauche ein Haus dieser Größe regelmäßig Veränderungen, um dem Wandel der Zeit gerecht zu werden.

Noch ist nicht klar, wie sich der seit dem 1. Juli wirksame Verlust der Mitgliedschaft in der Selektion Deutscher Luxushotels - einem Zusammenschluss von sieben deutschen und einem österreichischen Luxushotels zur Pflege der „Kultur der Gastlichkeit“ - auswirken wird. „Die strategische Ausrichtung des Grand Hotels stimmt nicht mit der der Selektion überein“, sagt deren Sprecherin Cristina Bastian. Die acht Direktoren der Selektionshotels hätten diese Entscheidung unter sich getroffen. Details nennt sie nicht.