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Filmdreh ohne Zustimmung in Ferdinandshof Eltern fordern Schadenersatz von NPD

Von Marlis Tautz | 14.09.2011, 07:30 Uhr

Der fragwürdige Wahlkampf der NPD hat ein juristisches Nachspiel: Nach Informationen unserer Zeitung lassen 14 Eltern aus Ferdinandshof Schadensersatzansprüche gegen die rechtsextremistische Partei prüfen.

Schüler und Eltern in Ferdinandshof wehren sich gegen die rechtsextremistische NPD. Erfolgreich. "Die skrupellosen Machenschaften der NPD im propagandistischen Umgang mit minderjährigen Schülern sind weitgehend gestoppt worden", teilte Rechtsanwalt Volker Pollehn von der Schweriner Kanzlei Born, Pollehn, Wilkens gestern mit. Das Büro vertritt mit Hilfe des Bildungsministeriums zwölf Mandanten aus dem früheren Uecker-Randow-Kreis, die Schadenersatzansprüche wegen verletzter Persönlichkeitsrechte stellen. "Trotz aller Tricksereien haben die NPD und ihre Helfer davon ablassen müssen, einen agitatorischen Propagandafilm mit dem NPD-Landtagsabgeordneten Udo Pastörs weiter zu verwenden", stellt der Jurist klar.

Hintergrund: Im "Unterricht am anderen Ort" war ein Sozialkundelehrer der Regionalen Schule Ferdinandshof mit einer 9. Klasse zur Wahlplakat-Schau aufgebrochen. Das Filmmaterial zeigt, wie Udo Pastörs auf die Gruppe zusteuert. Ungebeten antwortet er auf die eben gestellte Frage, was denn wohl Bonzen seien. Er gibt das Wort nicht wieder ab, der Redeschwall des wegen Volksverhetzung verurteilten NPD-Mannes wird sich rund 17 Minuten über die Mädchen und Jungen ergießen. Nach wenigen anfänglichen Einwänden sieht der Lehrer hilflos zu. Die Kamera kreist um die Gruppe, filmt den Redner, seine Zuhörer. Mehrere Tage ist der Videofilm im Internet zu sehen. Das Bildungsministerium schaltet Anwälte ein, der Minister fährt nach Ferdinandshof und spricht mit den Schülerinnen und Schülern - "um ein Signal zu setzen, dass wir so etwas nicht dulden", erklärt Gabriele Brick, Abteilungsleiterin Schulen im Ministerium. Schule sei ein geschützter Raum. "Der Lehrer hat sich ganz offenbar überschätzt", sagt sie. Er habe glaubhaft gemacht, wie sehr er seinen Fehler bedauere. Kollegium und Schulleitung stehen hinter dem Mann, der als engagierter Pädagoge gelte.

Beobachter der rechtsextremistischen Szene hatten Pastörs Auftritte vor laufender Kamera als neuen Dreh bewertet, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen und sich als Streiter für Aufklärung und Gerechtigkeit in Szene zu setzen. Unter anderem hatte der NPD-Mann ein Wahlforum der Linken gestört und den Landtagsspitzenkandidaten Helmut Holter und dessen Parteifreund, Gregor Gysi verbal attackiert. Der ungebetene Gast verschwand erst, nachdem die gastgebende Wirtin auf ihr Hausrecht und den Ausgang verwiesen hatte. Der Auftritt in Ferdinandshof könnte Pastörs und seine Kameraden teurer zu stehen kommen. Aus Sicht von Anwalt Pollehn zeigt das Vorgehen "einmal mehr, welche Einstellung die NPD zu unserem freiheitlichen Rechtsstaat hat und mit welcher Brutalität sie Recht unbeteiligter Dritter mit Füßen tritt". Sie scheue sich nicht, "bewusst minderjährige Schüler zu missbrauchen".