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„Internationale Tage jüdischer Musik“ Einladung in die Synagogen

Von zvs | 11.12.2016, 09:00 Uhr

„Internationale Tage jüdischer Musik“ feiern Premiere: Konzerte und Vorträge an Originalschauplätzen

Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte und Gegenwart Mecklenburg-Vorpommerns schlagen die „Internationalen Tage jüdischer Musik“ auf: Vom 12. bis 14. Dezember 2016 lädt die erstmals stattfindende Veranstaltungsreihe ein, jüdisches Leben, Musik und Geschichte in MV an Originalschauplätzen – den restaurierten Fachwerksynagogen von Stavenhagen, Hagenow und Röbel – zu entdecken. Besucher erwarten hochkarätige Konzerte, eine Lesung und Führung.

Thomas Hummel, Intendant des Usedomer Musikfestivals: „Beim Usedomer Musikfestival gedenken wir seit 2009 mit unseren jährlichen Synagogenrundfahrten der Geschichte und Musik der Juden in Mecklenburg-Vorpommern. Mit den ‚Internationalen Tagen jüdischer Musik‘ wollen wir dieses Anliegen nun vertiefen. Wir wollen ein Schlaglicht auf die architektonischen Kleinode der Synagogen und die unbekannte jüdische Geschichte in den Dörfern unseres Bundeslandes werfen. Ein besonderer Dank gilt damit auch den Helfern, Unterstützern und Vereinen, die sich für den Aufbau der Synagogen einsetzen.“

Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Region Pommern und Mecklenburg über 8000 Juden. Ihre Deportation in Deutschland und später in ganz Europa begann 1938 in Pommern. So brannten während der Pogromnacht im November 1938 auch in vielen Städten Mecklenburgs und Vorpommerns die Synagogen: in Alt-Strelitz, Güstrow, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin, Stralsund, Anklam, Pasewalk, Torgelow sowie im heute polnischen Stettin und Swinemünde. Nach dem Krieg blieben schließlich nur noch knapp 100 jüdische Einwohner auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern übrig. Heute kümmern sich zahlreiche Initiativen, wie der Verein Alte Synagoge Stavenhagen, der Verein Land und Leute in Röbel oder der Freundeskreis Hagenower Museum e. V. um Erhalt, Pflege und kulturelle Belebung der alten Bauten. Die hochkarätig besetzen Konzerte der „Internationalen Tage jüdischer Musik“ laden ein, dieses weitestgehend unbekannte Erbe zu entdecken. Am Montag, 12. Dezember, um 19 Uhr spielen der international renommierte litauische Violoncellist David Geringas und der Pianist und Experte für jüdische Musik Jascha Nemtsov in der Synagoge Stavenhagen. Im Konzert erklingen Werke von Max Bruch, Ernest Bloch und Mieczyslaw Weinberg. Ein besonderer Höhepunkt wird die Uraufführung eines neuentdeckten Sonatenfragments des im sogenannten „Dritten Reich“ verfemten und nach dem Zweiten Weltkrieg vergessenen jüdischen Komponisten Walter Braunfels sein.

Dem hochkarätigen Konzert schließt sich eine moderierte Lesung am Dienstag, 13. Dezember, mit dem deutsch-französischen Publizisten und Politologen Alfred Grosser in der Synagoge in Hagenow an. Im Mittelpunkt des Abends steht ab 19 Uhr sein 2009 bei Rowohlt erschienenes Buch „Von Auschwitz nach Jerusalem“. Im Gespräch mit dem Autor Manfred Osten folgt der 91-jährige den Spuren der Juden nach dem Holocaust in Europa. Zur Lesung spielt das Diplomatische Streichquartett Berlin Werke von Fanny Mendelssohn-Hensel und Erwin Schulhoff. Am gleichen Tag präsentieren Emilia Lomakova (Cello) und Noga-Sarai Bruckstein (Violine) um 9.30 Uhr unter anderem Werke von Toch, Kreisler, Massenet, Vasks und Bock in der Synagoge Stavenhagen.

Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet am Mittwoch, 14. Dezember, um 19 Uhr, ein Konzert mit Deutschlands erster jüdischer Kantorin, Avitall Gerstetter. Mit ihrer Band singt und spielt sie jüdische Lieder von „Bey mir bist du sheyn“ über „Momele“ bis „Yide’l mit n’ de“.

Mehr Informationen:

Info

Informationen unter 038378/34647 oder www.usedomer-musikfestival.de. Tickets gibt es in allen örtlichen Vorverkaufsstellen.


Informationen unter 038378/34647 oder www.usedomer-musikfestival.de. Tickets gibt es in allen örtlichen Vorverkaufsstellen.