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Die Straßburger Richter bleiben ihrer Linie treu Eine Lanze für Väter

Von dpa; | 16.09.2011, 12:23 Uhr

Kontinuierlich haben sie die Rechte leiblicher Väter gestärkt. Erst ging es um das Sorgerecht lediger Väter, dann um den Umgang mit ihren Kindern und nun auch um das Recht zu erfahren, wer der Vater ist.

Die Straßburger Richter bleiben ihrer Linie treu: Kontinuierlich haben sie die Rechte leiblicher Väter gestärkt. Erst ging es um das Sorgerecht lediger Väter, dann um den Umgang biologischer Väter mit ihren Kindern - und nun auch um das Recht zu erfahren, wer wirklich der Vater ist.

Tenor des gestrigen Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EGMR): Deutsche Gerichte dürfen Männern nicht einfach die Klärung einer Vaterschaft und den Umgang mit ihren mutmaßlichen Kindern verweigern, auch wenn das Kind in einer Familie aufwächst und rechtlich einen Vater hat.

Wie sollen Männer wissen, ob ein Kind auch tatsächlich von ihnen stammt? Der Anwalt des Klägers, Georg Rixe, sagt, die Klärung der Vaterschaft "ist ein gesellschaftlich heikles Problem, viel heikler, als wenn es um das Sorgerecht geht". Statistiken dazu gibt es nach Angaben Rixes nicht. Nach dem deutschen Recht ist die Rechtslage klar: Hier hat der Schutz der Familie absoluten Vorrang. Der EGMR folgt aber eher der Argumentation von Rixe, der sagt: "Es ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes zu wissen, wer sein Vater ist. Man sollte ihm seine Abstammung nicht verheimlichen".

Im vorliegenden Fall zog ein Mann vor Gericht, der eine ernsthafte, fast anderthalb Jahre lange Beziehung zu einer Frau gehabt hatte. Die Frau war bereits verheiratet. Ihr Ehemann lebte damals in London. Sie und ihr Liebhaber machten gemeinsame Zukunftspläne. Das Kind wurde gemeinsam geplant, der Mann begleitete die Schwangere zum Arzt und erkannte seine Vaterschaft noch vor der Geburt an. Doch die Frau trennte sich noch vor der Niederkunft von ihm und zog zu ihrem Mann nach London, wo der Sohn im März 2004 geboren wurde. Die Mutter sagt, das Kind könne auch von ihrem Ehemann stammen.

Einen Vaterschaftstest hat das Paar immer abgelehnt. Deutsche Gerichte bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht sind dem Ehepaar gefolgt und haben die Forderungen des Ex-Liebhabers zurückgewiesen. Der wird hier eher als Störenfried betrachtet. Das Kind hat den möglichen biologischen Vater nie gesehen, rechtlicher Vater ist der Ehemann.

Zwar gebe es auch leibliche Väter, die keine Beziehung zum Kind aufbauen wollten, sagt Rainer Sonnenberger vom Verein Väteraufbruch für Kinder. "Doch es gibt sicher viele, die es gerne tun würden, aber die sich wegen ihrer schwachen rechtlichen Position nicht trauen."

Nach den Straßburger Urteilen könnte sich das ändern. Der Staat, dem eine Rechtsverletzung nachgewiesen wird, muss dafür Sorge tragen, dass sich ein derartiger Fall nicht wiederholt.