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Ruthen Ein ungewöhnliches Obstjahr

Von Katharina Roese | 19.10.2011, 11:45 Uhr

Dick eingepackt in ihre Jacke läuft Keding die Apfelbäume ab. "Der Gloster hängt viel in diesem Jahr", sagt die Hofleiterin des Obstbau Ruthen mit einem Blick auf die Baumreihen.

Dick eingepackt in ihre Jacke läuft Jeanette Keding die Apfelbäume ab. Reihe für Reihe. Ihr Mitarbeiter Nico Ahrens ist gerade dabei, die reifen Früchte mit einer langen Stange von den Bäumen zu schütteln. "Der Gloster hängt viel in diesem Jahr", sagt die Hofleiterin des Obstbau Ruthen mit einem Blick auf die Baumreihen.

Dennoch ist die Obstexpertin nicht zufrieden: Zwar seien die Äpfel gut gereift, aber leider zu schnell, sagt Jeannette Keding. Sie und ihre Mitarbeiter hätten sich sehr beeilen müssen, die Früchte von den Bäumen zu holen. "Normalerweise werden die guten Äpfel per Hand gepflückt, einzeln sortiert und dann eingelagert", erzählt sie. Nur die Früchte, die optisch nicht einwandfrei seien, gingen in die Mosterei, um aus ihnen Saft zu pressen. "Wie eben solche", sagt Jeanette Keding und zeigt auf einen kleinen, runzligen Apfel.

Und davon gab es in Ruthen in diesem Jahr so einige: Bei den Äpfeln sei nur wenig sogenanntes Qualitätsobst am Baum gewesen, sagt Walter Strube der Inhaber des Obstbau Ruthen, Strahlendorf und Wittenburg. "Wir haben viel verformtes Obst in diesem Jahr." Jeannette Keding ergänzt: "Das feucht-warme Wetter der vergangenen Wochen ist Gift für die Früchte gewesen." Die Bäume hingen zwar voll, die Früchte jedoch seien noch am Baum gegammelt. Kein Wunder bei zum Teil 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, sagt sie.

Der Frost hat in der Blüte zugeschlagen

Das hatte gravierende Auswirkungen auf die Ernte. Beim Boskoop beispielsweise sei diese sehr gering ausgefallen, sagt die Hofleiterin. "Davon hatten wir in diesem Jahr nur 40 Kilogramm." Walter Strube fügt hinzu: "Wir hatten insgesamt in Ruthen eine sehr schlechte Apfelernte. Ich rechne mit nur etwa 30 Prozent des normalen Ertrages." Der Frost habe ausgerechnet in der Blüte zugeschlagen. Selbst die kleinen Früchte, die schon ausgeblüht waren, seien vom Baum gefallen. "Das haben wir so noch nicht gehabt", sagt der Obstexperte. Doch einen Lichtblick gibt es: Die Sorten, deren Ertrag in Ruthen zusammengebrochen war, seien in Wittenburg gut gediehen, sagt Strube. Der Bedarf könne also gedeckt werden.

In Ruthen werden neben Äpfeln und Pflaumen auch Sauerkirschen und Süßkirschen angebaut. "Bei den Süßkirschen hatten wir wiederum überraschend eine sehr gute Ernte", freut sich Strube. "Normalerweise verfrieren die Kirschen nämlich zuerst." Dennoch musste der Obstbau Ruthen hier ebenfalls einiges an Verlusten einstecken: Denn auch bei dem Kernobst seien in diesem Jahr viele Früchte verfroren. Zudem habe der Sommerregen viele der Süßkirschen zum Platzen gebracht hat. "Und das führt zu Schimmel", sagt Strube. Da nützten auch keine vorbeugenden Maßnahmen. "Es war ein unnormales Jahr", resümiert der Obstexperte seine diesjährige Ernte.

Wer seine eigenen Früchte zu Saft verarbeiten möchte, der kann übrigens am 6. November zum Hoftag nach Ruthen kommen. Hier wird dann eine fahrbare Mosterei bereitstehen. "Wir bieten auf Wunsch auch eine Sortenbestimmung von mitgebrachten Früchten an", sagt Walter Strube.