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Rostock Ein teures Faustpfand

Von rfra | 24.11.2008, 08:21 Uhr

Noch liegt das unter der Flagge Maltas fahrende Kühlschiff "Isis" an seinem Liegeplatz, zwischen Kühlhaus und Rondell eingezäunt, im Rostocker Fischereihafen.

Der Frachter hatte am 11. November in Rostock festgemacht, um hier gefrosteten Fisch aus Kanada zu löschen. Zunächst blockierten die Seeleute die Fracht, um so mit Nachdruck von ihrer Reederei die mehrere Monate ausstehende Heuer einzufordern. Schließlich wurde das Schiff als Faustpfand an die Kette gelegt. Der Arrest war von der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF) beim Arbeitsgericht erwirkt worden.

Die ITF forderte den Reeder auf, die ausstehenden Gelder unverzüglich auszuzahlen. Bis heute warten die Seeleute aber vergeblich darauf. Eigentümer des 1981 in Spanien gebauten 74,70 Meter langen, 14,20 Meter breiten Schiffes mit einer Kühlkapazität von 142 570 Kubikfuß ist die estnische Reederei Evir Shipping Company. Gemanagt wird der Reeder von der estnischen Nordic Shipping Group.

Offenbar ist hier aber nichts zu holen. ITF-Inspektor Hartmut Kruse fürchtet, dass der Eigner pleite und die Liste der Gläubiger schon lang ist. Von einem sei noch ein weiterer Arrest für die "Isis" erwirkt worden, so Kruse. Über 35 000 Dollar Schulden sollen bereits aufgelaufen sein. Und Spekulationen zufolge wurde ein zweites Schiff des Reeders in der Türkei an die Kette gelegt.

Jeder Tag kostet 500 EuroEine schier endlose Odyssee deutet sich an. Ein Streit vor Gericht wird Monate dauern, da alle Unterlagen jeweils immer auch in den Flaggenstaat Malta gehen müssen. Jeder Tag Liegezeit aber kostet Geld. Etwa 500 Euro häufen sich täglich auf. Gemäß den Forderungen des ISPS-Codes zur Terror-Gefahrenabwehr ist das Schiff eingezäunt und auch ein Wachdienst zu stellen. Der Schrottwert des Schiffes aber wird auf nur 80 000 bis 90 000 Dollar geschätzt. Die ITF, so Hartmut Kruse, habe nun die Aufhebung des Arrestes beim Gericht gestellt und erwartet morgen den Richterentscheid. Im Ranking der Gläubiger kommen die Seeleute mit ihren berechtigten Forderungen ohnehin zuletzt.

Zehn der estnisch-russischen 12-Mann-Crew befinden sich noch an Bord. Zwei Esten gingen am Wochenende mit einer Superfast-Fähre bereits auf Heimatkurs. Der Zweite Offizier muss einer Einberufung zur Armee Folge leisten, ein Matrose seine Verletzungen auskurieren.

Damit der Besatzung in Rostock an nichts mangelt, hatte gestern Fischereihafen-Chefin Daniele Priebe neben Hartmut Kruse auch Jürgen Wegner von der Rostocker Tafel zu einem Informationsaustausch geladen. Sollte an Bord das Proviant ausgehen, wurde Hilfe signalisiert.