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"Der gestiefelte Kater" am Staatstheater Schwerin Ein Leuchtturm der Kultur

Von Roland Regge-Schulz | 26.11.2012, 10:41 Uhr

Am Wochenende war Premiere für das Weihnachtsmärchen "Der gestiefelte Kater" am Staatstheater Schwerin. Das Publikum war begeistert. Am 1. Dezember und 13. Januar wird es Zusatzvorstellungen geben.

Für alle, die keine Lust zum Lesen haben, nehme ich es mal vorweg: Das Premierenpublikum war begeistert - zu Recht!

In der Weihnachtszeit stiefelt "Der gestiefelte Kater" über die Bühne des Schweriner Staatstheaters. Frisch verreimt von Peter Dehler. Das Märchen dient dabei nur als Gerüst. Allzu streng hält sich Dehler bei seiner Inszenierung nicht ans Original der Brüder Grimm.

Der Katerversager Boris (Amadeus Köhli) versagt bei der Stiefelprüfung, die böse Zauberin (Lucie Teisingerova) lispelt fürchterlich und ihr Zauberlehrling heißt - Harald Töpfer.

Ah, ja! Im Norden Deutschlands wird ein Mensch mit dem durchaus ehrenwerten Beruf des Töpfers kurz Potter genannt. Nun raten wir mal, wie Haralds Freunde ihn nennen. Na klar: Harry!

Harry macht schon mal aus einer Mücke einen Elefanten, aus Versehen natürlich. Denn so richtig einig ist er sich nicht, mit den Zaubersprüchen und seinem Zauberstab.

Zu platt? Nein, es ist ein Märchen. Ein Stück Unterhaltung für die ganze Familie. Kleine und große Kinder kommen ins Theater, haben Eltern und Großeltern an der Hand. Und alle sollen gut unterhalten wieder nach Hause gehen. Ein Spagat ist das, ein schwieriger, der aber gelungen ist.

Manchmal sind es zwei Worte der Alltagssprache, die den großen Zuschauer wieder zurückholen, wenn er der Reimerei für die kleinen überdrüssig wird.

"Passt schon!"

Oder : "Ich bin ein Graf, holt mich hier raus." Zwischenapplaus von den Rängen. So einfach kann Theater sein.

Draußen, vor dem Theater, nieselt der Nebel die Stadt grau. Drinnen wird den Besuchern warm ums Herz. Ullrich Altermann und sein Team haben ein zauberhaftes Bühnenbild gemalt, Susannne Richter hat den Schauspielern wunderbare Kostüme auf den Leib geschneidert. Es ist Märchenzeit - Weihnachtszeit.

Nach dem kurzen Ausflug zu Cats landen die Zuschauer dann aber doch im wahren Märchen. An der Mühle, wo alles begann. Der Müller (Sebastian Reusse) aber ist keinesfalls alt und schwach. Er hat halt schlicht keine Lust mehr auf Mahlen, will sich selbst verwirklichen. Zappelig ist er, viel zappeliger als seine Deppensöhne, seine Erben. Paraderollen für Kai Windhövel und, mit Kissenbauch, Andreas Lembcke. Da ist er unschlagbar, der Lembcke, wenn es darum geht, den Deppen zu spielen. Ob nun als Müllersbursche oder Zaubertrottel, das Publikum liebt ihn.

Und wenn wir schon mal bei den Zaubertrotteln sind, dann mal hoch mit dem moralischen Zeigefinger. Der darf ja auch nicht fehlen. Nicht in einem Märchen von Dehler, nicht auf der Bühne, nicht wenn Kinder das Theater stürmen. Und so sind die Zaubertrottel Zaubertrottel, weil sie nicht aufgepasst haben in der Schule. Also: schön aufpassen im Unterricht, liebe Kinder, sonst müsst ihr eines Tages für eine böse Zauberin den Zauberspiegel tragen. Übrigens, dieser Zauberspiegel: Eine kleine feine technische Raffinesse auf der Bühne. Und jetzt runter mit dem Finger und ab in den Palast des Königs. Jochen Fahr hat hier die Krone auf, als äußerst tuntiger Monarch. Schenkelklatschen im Publikum! Und des Königs strubbelige Tochter (Brit Claudia Dehler) ist, wie Prinzessinnen eben so sind, sehr speziell. Nur Rebhuhn eierkuchen mag sie und sonst... Hmmh, den Prinzen (Bernhard Meindl) natürlich, der gar kein Prinz ist aber...

Nun, im Prinzip steht der Rest im Märchen. Ein bisschen anders passiert das natürlich auf der Bühne. Viel lustiger auch.

Und weil es so schön ist und alle gerade so kuschelig in Familie sind, ist am Ende nicht mal die böse Zauberin tot, sondern ganz lieb. Und lieb haben sich sowieso alle: der König und der tanzende Müller, die Trottel und die Katzen. Ach, ja...

Aber wer hat den kleinen Zuschauern am besten gefallen. Ein kurze Umfrage: Die Prinzessin, die Katze Katherine (Sonja Isemer), der Zauberlehrling in unterschiedlicher Reihenfolge.

"Der gestiefelte Kater" war schon vor der Premiere ein Erfolg. Ausverkauft meldet das Theater und schob gleich eine Zusatzvorstellung am 1. Dezember ein. Und weil auch die nicht reichte, noch eine am 13. Januar.

Wer schon eine Theaterkarte hat oder noch eine bekommt, darf auch ein wenig mitmachen, darf im Stück als Bevölkerung dem König lauthals Auskunft geben, wenn dieser fragt, wem denn all die schönen Dinge gehören, die er gerade sieht - die Wälder und die Felder und dieses schöne Haus mit dem funkelnden Kronleuchter.

Und der fremde König wundert sich, wie der Graf sich so ein schönes Theater leisten kann.

"Ein Leuchtturm der Kultur", ruft er bewundernd ins Publikum und zeigt in den Saal. Recht hat er.