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Übersicht Dynamo kämpft gegen miesen Ruf - Diskussion über Gewalt bei Schweriner Fußball-Klub ließ viele Fragen offen

Von Mathias Gröckel | 24.10.2008, 07:03 Uhr

Dynamo-Fans kämpfen um den Ruf ihres Fußballklubs. Bei einem Informationsgespräch auf der Paulshöhe beklagten die Anhänger, der Verein werde in der Öffentlichkeit zu Unrecht mit Gewalt und rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht. Die Klubführung hielt dagegen: Probleme dürften nicht unter den Tisch gekehrt werden und Dynamo müsse sich zuallererst selbst fragen, wie Gewalt verhindert werden könne. Viele Antworten stehen allerdings aus.

Schwerin - Das gute Dutzend Dynamo-Fans, das zu einer Gesprächsrunde in den Vereinssitz auf die Paulshöhe eingeladen hatte, wollte den anwesenden Vertretern von Polizei, Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung, Presse, Fußballverband MV und Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg berichten, wie es in ihrem Verein mit rund 800 Mitgliedern „wirklich“ zugehe. „Wir sind weder ein Stasi-, noch ein Nazi-Verein“, sagte Christian Bücking vom Fanrat. Abgewandelte Hitlergrüße im Dynamo-Block – solche Darstellungen seien frei erfunden, fügte er hinzu.
Überreagierende Politiker und Fußballfunktionäre, überzogene Darstellungen in den Medien, gegnerische Vereine, die von den eigenen Fans keinen, von den Dynamo-Anhängern hingegen sehr wohl Eintritt verlangen würden, bis hin zu „unfreundlichen Polizisten“ – schnell hatten die Dynamo-Anhänger diejenigen benannt, die das Klima vor allem bei Auswärtsspielen des Landesligisten aufheizen würden. Wenn dann eine Flasche in den Dynamo-Block fliegen würde, müsse sich keiner wundern, dass es darauf „mal Reaktionen gibt“.

Zwar betonte auch die Dynamo-Führung um Dietmar Hirsch und Manfred Radtke, dass Gewalt bei Dynamo-Spielen nur selten vorkomme. Dennoch dürften es sich die Fans nicht ganz so einfach machen. „Erst einmal müssen wir uns selbst fragen, was wir tun können, damit es auf den Fußballplätzen gar nicht mehr zu Gewalt kommt und kein Schatten auf unser Vereinsleben fällt“, sagte Hirsch, der beruflich als Sachbearbeiter Prävention in der Polizeidirektion Schwerin tätig ist. Dass es eine Gruppe von etwa 30 problematischen Anhängern gäbe, hatte der Klub nie abgestritten.

Und wie steht es nun um die vereinsinterne Präventionsarbeit? Auch wenn die Fans eifrig bekundeten, gewaltbereite Anhänger etwa durch persönliche Ansprache in brenzligen Situationen oder die Mitnahme von Familienangehörigen zu Auswärtsspielen vom Ausrasten abhalten zu wollen – viel Neues hatten sie nicht zu berichten.
 
Tatsächlich steckt das nach den Randalen beim Bützow-Spiel im Juni vom Verein angekündigte „Konzept gegen Gewalt“ noch in den Kinderschuhen. Ein Sozialarbeiter, auf dessen Rat man seit Beginn der neuen Saison bauen wollte, ist im Verein noch nicht aktiv.

Dennoch bestätigten der Schweriner Polizeiinspektionschef Wilfried Kapischke, Detlef Müller, Vizepräsident des Fußball-Landesverbandes, und der Geschäftsführer des Landespräventionsrates, Armin Schlender, dem Verein, grundsätzlich auf dem richtigen Weg zu sein.

„Es ist gut, dass die Probleme erkannt und angesprochen werden“, so Polizeichef Kapischke. Erfreulich sei auch, dass es im bisherigen Saisonverlauf noch keine Vorkommnisse gegeben habe. Doch, so Kapischke: „Lösungen der Probleme stehen noch aus.“ Dort, wo Gewalt beginne, werde es seitens der Polizei keine Toleranz geben.

Olivia Hahn vom Regionalzentrum für demokratische Kultur zeigte sich von der Veranstaltung enttäuscht: „Meine Frage nach der Fanarbeit wurde nur mit der Einbindung von Fans in den Ordnungsdienst, die Mannschaftsbetreuung und der Aufstellung einer zweiten Mannschaft beantwortet.“

Dass ihr Nachhaken, ob die Präventionsarbeit auch die Sensibilisierung für Gewalt und das Aufzeigen anderer Kommunikationsstrategien beinhalte, ausgerechnet vom Geschäftsführer des Landespräventionsrates als bloße Theoriediskussion „abgetan“ worden sei, habe sie verwundert. Hahn: „Eine kritische Auseinandersetzung mit Präventionsarbeit wurde an diesem Abend nicht nur gescheut, sondern sogar unterbunden.“

Sogar an Nazi-Umgangsformen habe sich Hahn erinnert gefühlt, als ein Teilnehmer der Veranstaltung sich ihrer Beobachtung nach mit ausgestrecktem rechten Arm verabschiedet habe.